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Lola Colt… sie spuckt dem Teufel ins Gesicht

Italien, 1967

  • Originaltitel: Lola Colt - Faccia a faccia con El Diablo
  • Alternativtitel:

    Lola Colt - Cara a Cara con El Diablo (ESP)

    Lola Baby (GBR)

    Black Tigress (USA)

    Face to Face with El Diablo (USA)

    Mean and Black (USA)

    Frontier Tigress (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 13. Oktober 1970
  • Regisseur: Siro Marcellini
  • Kamera: Giuseppe La Torre
  • Musik: Ubaldo Continiello
  • Drehbuch: Luigi Angelo, Lamberto Antonelli, Siro Marcellini
  • Inhalt:

    Da eines der Mädchen an Malaria erkrankt ist, muss die Showgirl-Truppe um Lola (Lola Falana) in dem Städtchen Sant'Anna eine Pause einlegen. Der örtliche angehende Arzt Rod Strater (Pietro Martellanza) kümmert sich um die Erkrankte, sehr zum Ärger seiner Verlobten Rose (Erna Schürer), deren Vater Rodriguez (Tom Felleghy) eine große Ranch besitzt. Doch Sant’Anna hat ein Problem in Gestalt des brutalen Schurken El Diablo (Germán Cobos). Dieser hat zahlreiche Stadtbewohner als Geiseln genommen und lässt sie für sich arbeiten. Da nach zahlreichen Morden niemand in der Stadt mehr den Mut hat, sich gegen El Diablo zu wehren, ist Lola nach dessen Avancen ihr gegenüber gezwungen, sich gegen ihn zu wehren. Zunächst findet sie darin nur Unterstützung durch Rod und Rodriguez, doch nach dem Tod eines kleinen Jungen, kann sie auch den Rest der Stadt für den Kampf gegen El Diablo gewinnen.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

     „Billiger Italowestern, der seine Brutalitäten mit Show-Einlagen mischt.“
    (Lexikon des Internationalen Films) 

     

    In einer früheren Review zu Gian Roccos „Das Coltstrumpfband“ (Giarrettiera Colt, 1968) durfte ich mich ja noch darüber beschweren, wie man dort eine hervorragende Gelegenheit vergeigt hat, dem Italowestern eine starke weibliche Hauptfigur zu bescheren. Umso überraschter war ich nun, plötzlich über den mir bisher völlig unbekannten „Lola Colt“ zu stolpern und festzustellen, dass es hier ausgezeichnet gelungen ist – noch dazu mit einer farbigen Hauptdarstellerin und unter dem weniger bekannten Regisseur Siro Marcellini, von dem mir nur sein letzter Film „Quintero - Das As der Unterwelt“ (La legge dei gangsters, 1969) geläufig ist.

     

    Mit Lola Falana als Showgirl Lola ist eine starke Figur geschaffen worden. Sie ist selbstbewusst, tough, schön und überlässt im Finale nicht das Kämpfen nur den Männern, sondern führt diese an. Unterstützung bekommt sie zwar von Pietro Martellanza aka Peter Martell (in einer seltenen Hauptrolle), aber auch den muss sie erst zum Kämpfen überreden. Was das obige Zitat aus dem Lexikon des Internationalen Films betrifft, so ist das tatsächlich Programm, allerdings im positiven Sinne. Ein nicht übermäßig aufwändig produzierter Italowestern erfährt eine Aufwertung durch eine starke und schöne weibliche Hauptfigur, die toll singen kann – und durch ein paar Gewaltspitzen.

     

    Wer ist Lola Falana? Loletha Elayne Falana – Künstlername Lola Falana – ist gebürtige Amerikanerin, der Vater Kubaner, die Mutter Afro-Amerikanerin. Geboren am 11. September 1942 (mein Geburtstag, nur 25 Jahre früher) in Camden, New Jersey entdeckte sie früh ihr Gesangs- und Tanztalent, hatte bereits mit 16 ihren ersten Gig. Wirklich entdeckt wurde sie von Sammy Davis jr, welcher ihr 1964 eine Rolle im gemeinsamen Musical „Golden Boy“ verschaffte und zunächst ihr Mentor wurde. Erste Singles folgten und eine kurze Filmrolle in Leo Penns „A Man called Adam“, einem Musical-Drama mit zahlreichen vorwiegend Afro-Amerikanischen Stars wie Sammy Davis jr., Ossie Davis, Louis Armstrong etc. Während einer Italien-Tournee als Sängerin wird sie 1967 dort für zwei Filme gecastet, beides Hauptrollen. Giorgio Bianchis „Quando dico che ti amo“ (kein OFDb-Eintrag vorhanden) und „Lola Colt.“

     

    Nach ihrer Rückkehr in die USA begann sie sich schrittweise vom Einfluss Sammy Davis jr.‘s zu lösen. 1970 erhielt sie die weibliche Hauptrolle in William Wylers „Die Glut der Gewalt“ (The Liberation of L.B. Jones) und wurde für den Golden Globe nominiert. Ein Engagement für ein Fotoshooting des Playboy schmälerte ihre Gewinnchancen allerdings. Weitere große Filmauftritte hatte sie in Terence Youngs „Verflucht sind sie alle“ (The Klansman, 1974) und Matt Cimbers „Lady Cocoa“ (1975), dazu viele Rollen in TV-Shows und Serien. 1987 erkrankte sie an Multiple Sklerose, war halbseitig gelähmt, fast blind und gehörlos, verlor ihre Stimme. Anderthalb Jahre durchlief sie einen Heilungsprozess und betete viel. Ihre Heilung von dieser schweren Krankheit schrieb sie Gott zu und wechselte zum katholischen Glauben. 1996 kehrte die Krankheit jedoch zurück und sie zog sich endgültig aus dem Showgeschäft zurück.

     

    Aber was ist nun mit „Lola Colt?“ Ein sehenswerter Italowestern mit einer weiblichen Hauptfigur, den man kennen sollte. Zur Fassungslage sieht es so aus: die italienische Kinofassung ist mit einer Lauflänge von 85 Minuten angegeben. Eine italienische TV-Ausstrahlung bringt es auf 79,43 Minuten, von der Länge her identisch mit der deutschen Fassung, die bei Toppic auf VHS erschien und auch mal im MDR lief. Leider kenne ich diese Fassung aber nicht. Bei der Italienischen fielen mir ein paar seltsame Sprünge während Lolas Badeszene im Fluss auf. Diese italienische TV-Fassung gibt es im Internet auch mit englischem Dubbing, allerdings ist für sehr viele Dialoge kein englischer Ton vorhanden. Offenbar waren die englischsprachigen Veröffentlichungen massiv geschnitten.

     

    Eine zeitgemäße Aufarbeitung in ordentlicher DVD- oder Blu-ray Qualität steht also noch völlig aus.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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