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Interrabang

Italien, 1969

  • Alternativtitel:

    Interpoint (HKG)

  • Regisseur: Giuliano Biagetti
  • Kamera: Antonio Borghesi
  • Musik: Berto Pisano
  • Drehbuch: Luciano Lucignani, Giorgio Mariuzzo
  • Inhalt:

    Strahlend blauer Himmel, die Sonne spiegelt sich im kristallklaren Wasser, vor einer paradiesischen Insel dümpelt eine schneeweiße Motoryacht, auf der drei wunderschöne Frauen und ein junger Mann sich dem Nichtstun hingeben. Der Fotograf Fabrizio (Umberto Orsini) soll vor dieser traumhaften Kulisse von seinem Model Margerita (Shoshana Cohen) Aufnahmen für ein Modemagazin machen. Mit an Bord sind noch Fabrizios Schwester Valeria (Haydée Politoff) und seine Ehefrau Anna (Beba Loncar), die unterschiedlicher kaum sein könnten. Während Valeria die intellektuelle Büchernärrin gibt, die permanente schlechte Laune zu haben scheint, ist Fabrizios Frau Anna der bodenständige und toughe Part, der auch schon mal desinteressiert über die Knutschereien zwischen Fabrizzio, der so gar nichts anbrennen lässt, und seinem Fotomodel hinwegsieht. Margerita ist dann im Gegensatz zu den beiden anderen Damen eher sehr einfach gestrickt, macht daraus auch keinen Hehl und bestätigt sämtliche Klischees eines Fotomodells. Nachdem die ersten Aufnahmen gemacht sind, muss die Crew leider feststellen, dass der Motoryacht das Benzin ausgegangen ist (!) und sie somit vorerst vor der Insel festsitzen. Doch Fabrizio kann sich mit zufällig (!) vorbeischippernden jungen Leuten auf den Weg zur nächsten Tankstelle begeben, um Benzin zu besorgen. Während die drei Damen nun auf Fabrizios Rückkehr warten müssen, werden sie von einer Polizeipatrouille gewarnt, dass ein Mörder aus einem nahegelegenen Gefängnis ausgebrochen und vermutlich irgendwo auf der Insel auf der Flucht sein soll. Und tatsächlich treffen die drei Schönheiten bald auf einen Mann, der alleine auf der Insel umherstreift und sie zu beobachten scheint. Doch, anstatt sich vor ihm zu fürchten, zieht der blonde, blauäugige, sonnengebräunte und muskulöse Schönling jede einzelne von ihnen charismatisch in seinen Bann. Selbst Valeria und Anna erliegen Marcos (Corrado Pani) maskulinen Reizen und seinem Charme...auch dann noch, als sie in der Nähe die Leiche eines Mannes entdecken.

  • Autor: Thorsten Strahmann
  • Review:

    Ich muss vorweg sagen: Ich liebe diese Film! Hier stimmt einfach alles! Traumhafte Bilder, wunderschöne Menschen, eine maritime Sommer-Kulisse in helles Sonnenlicht getaucht, begleitet von einem Easy-Listening-Score, der sehr schnell ins Ohr geht. Perfettamente !

     

    INTERRABANG lässt sich bei allem sehr viel Zeit und zeigt uns ganz in Ruhe, was der manipulative Marco hinter den Fassaden der drei Grazien freizusetzen vermag. Aus diesem Grunde fällt es auch schwer, INTERRABANG eindeutig einem Genre zuzuordnen. Obwohl die inhaltliche Ausgangssituation und die darauf folgenden und wirklich überraschenden Wendungen sehr gut zum Giallo passen, so erscheint mir INTERRABANG aufgrund des ausgiebigen Sezierens der einzelnen Charaktere mehr ein Drama zu sein...auch wenn es so sommerlich verpackt wurde, wie in diesem Fall.

     

    Im krassen Gegensatz hierzu kommt INTERRABANG optisch und musikalisch leicht wie eine Feder daher...als würde man sich den Soundtrack auf den Plattenteller legen und eine Lavalampe beobachten...INTERRABANG ist Entschleunigung pur! Regisseur Giuliano Biagetti und Kameramann Antonio Borghesi verwöhnen uns mit wunderschönen, hellen und immer ruhigen Bildern. Es wird mit Totalen und unaufdringlichen Perspektiven gespielt, so dass wir es kaum bemerken. Alles ist sauber und aprilfrisch, die knappe Garderobe stets bunt und fröhlich und der permanent vorrätige J&B scheint andere Lebensmittel überflüssig zu machen. Kurz: Wir fühlen uns wohl.

     

    INTERRABANG gelangt leicht ins Fahrwasser (hier passt der Begriff mal richtig) der etwas größeren Yacht-Thriller dieser Epoche, wie Ottavio Alessis TOP SENSATION auch von 1969 oder Ugo Liberatores THE SEX OF ANGELS von 1967, was ihm aber nicht gerecht wird. Die Protagonisten in INTERRABANG sind im Gegensatz zu denen der vorab genannten Filme nicht wirklich böse, sondern werden in diese Richtung manipuliert. Auch wird der Sex nicht als Selbstzweck offen zur Schau gestellt, wie es in TOP SENSATION der Fall ist. INTERRABANG deutet sowohl den Sex als auch die Morde nur an...nichts wird tatsächlich gezeigt, dass das sonnige und nach aussen fröhlich erscheinende Gesamtbild beschädigen könnte. INTERRABANG bleibt bis zum Schluß eine Heile Welt in sich!

     

    Giallo-Fans, die behandschuhte Killer und blutige Rasierklingen bevorzugen, werden von INTERRABANG sicher enttäuscht sein. Jedem, der bereit ist, sich auf 93 Minuten ruhige und edle Unterhaltung einzulassen, dem sei dieser Film ans Herz gelegt. In der dunklen Jahreszeit hilft er über depressive Eskapaden hinweg und im Sommer stachelt er uns an, endlich die Urlaubskoffer zu packen. INTERRABANG ist Medizin!

  • Autor: Thorsten Strahmann
  • Links

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