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Höllenhunde des Secret Service

Frankreich | Italien, 1965

Originaltitel:

Superseven chiama Cairo

Alternativtitel:

Super 7 appelle le sphinx (FRA)

Supersiete llama al Cairo (ESP)

SuperSeven Calling Cairo

Deutsche Erstaufführung:

20. Januar 1967

Regisseur:

Umberto Lenzi

Inhalt

Martin Stevens, auch Superseven genannt, hat (s)einen Geheimauftrag erfolgreich abschlossen und kehrt guter Dinge nach London zurück, um im dortigen Hauptquartier neue Instruktionen zu empfangen. Sein Vorgesetzter, der Professor, enttäuscht Stevens nicht und beordert die Supersieben unverzüglich ein neu entdecktes Metall, das eine wesentlich höhere Radioaktivität als Uran besitzt und von den Chemiefachleuten auf den Namen Baltonium getauft wurde, ausfindig zu machen. Schließlich wurde die revolutionäre Neuentdeckung kürzlich gestohlen. Doch im Anschluss an die Einverleibung unterlief den Dieben ein schwerwiegender Fehler, der dafür sorgte, dass jenes wertvolle Metall, für das die Russen bereit sind, jede Summe zu zahlen, in die Hände eines Unbekannten gelangte. Stevens soll diesen Unbekannten ausfindig machen und ihm das Baltonium abnehmen. Sein erstes Ziel führt Martin nach Kairo, wo er mit der attraktiven Faddja, die aufgrund Stevens Vorliebe für schöne Frauen bewusst auf den Superagenten angesetzt wurde, zusammentrifft. Wer steckt hinter Faddjas Annährungsauftrag und was führt die nordafrikanische Schönheit im Schilde?

Review

Weiter geht es mit der Aufarbeitung der leider weniger beachteten Arbeiten innert Umberto Lenzis Regie-Oevre. Nachdem ich Sie im Zuge dieser Mission zuletzt ins tyrannisierte Rom entführen und hoffentlich ihr Interesse für Umbertos „Der letzte der Gladiatoren“ wecken konnte, bewegen wir uns diesmal weg von Rom gen London, Paris und Kairo, um dort einige mehr oder minder genüssliche Lungenzüge Agentenluft zu inhalieren. Währenddessen erhalten wir von Martin Stevens, die Superseven des Secret Service, das Angebot, als unser künftiger Reiseführer respektive als unsere Reflektorfigur zu fungieren. Ein mit einem üppigen Selbstbewusstsein ausgestatteter Zeitgenosse, der die nahezu unerfüllbare Order erhält: Mister X, einen Mann ohne Namen und ohne Gesicht, ausfindig zu machen und ihm das begehrte Metall Baltonium, das in den Händen der daran interessierten Sowjets den Dritten Weltkrieg auslösen könnte, abzunehmen. Martin Stevens, der das Risiko nicht scheut, da ihn Fortuna scheinbar mit sieben Leben ausgestattet hat, begegnet uns allerdings nicht nur als narzisstisch veranlagter Agent (mit erwartet hohem Frauenverschleiß) im Dienste der britischen Krone, sondern auch als ein passionierter Pfeifenraucher, womit zugleich auch seine einzige Besonderheit, die ihn von dem Groß der italienischen wie französischen Leinwandagenten unterscheidet, definiert ist. Denn seine trickreichste Spezialwaffe, ein Füllfederhalter, der mittels einer bleiernen Kugel tödliche Grüße an Stevens´ Widersacher übermitteln kann, stellt nun wirklich kein ausgemachtes Charakteristikum dar, das die Welt der Lichtspielagenten in irgendeiner Weise revolutionieren könnte.

 

Unsere Reise durch Europa und Nordafrika wird mit Bildern der Originalschauplätze bereichert und zwar nicht kraft willkürlich ausgewählter Archivaufnahmen. Der Film wurde tatsächlich on location (Paris, Locarno und Kairo) fotografiert, sodass höchstwahrscheinlich ein ordentliches Budget zur Verfügung stand, um über die Kulissen von Cinecittà hinaus zu werken. Dem entgegen wurde bei der Inszenierung der Actionmomente jedoch emsig gespart, denn ungeachtet der Prügeleien wird uns beispielhalber nur eine Explosion, also herzlich wenig Spektakel offeriert. Stattdessen bekommen wir etwas Sadismus geliefert, der eine Autohebebühne sowie die Stromfolter zu den eindringlichen Partnern einer nicht immer erfolgreichen Informationsbeschaffung erklären. Nachdem der Top-Agent im Kontext der angedeuteten Verhörmethoden zahlreiche Starkstromattacken auf seinen Körper einstecken musste, stellen sich die Peiniger, die Schergen des Supervillian Alex, als besonders knuffige Zeitgenossen vor, die sich (die Szene kommt derart überraschend und wirkt dabei ausgesprochen dämlich) an einem Heft, welches die Aktfotografie des frühen 20. Jahrhunderts inkludiert, kollektiv aufgeilen. Ebenfalls amüsant ist, dass man die Number One des Geheimdiensts, die uns zum Ende des Films vorgestellt wird, ausgerechnet auf den Namen Hoover taufte, jedenfalls besagt das die bundesrepublikanische TV-Synchronisation. Wer es nicht wissen sollte: J. Edgar Hoover war von 1935 bis zu seinem Tode (1972) Direktor des FBI. Er ließ Präsidenten und Regierungsmitglieder überwachen und dirigierte gemeinsam mit McCarteys Senatsausschuss die Hexenjagd auf unamerikanische Elemente.

 

Die daraus lesbare Fahndung nach kommunistischen Umtrieben liefert mir auch gleich den Übergang zum wohl beliebtesten Thema der Agentenfilme: Der Kalte Krieg, welchem sich „Die Höllenhunde des Secret Service“ en passant annimmt. Der diesfällig ausgetüftelte Konstruktionsplan lässt in punkto Ausrichtung und Ablauf sehr wohl Parallelen zu „Liebesgrüße aus Moskau“ erkennen. Anstelle einer Dechiffriermaschine rückt Baltonium, ein hochradioaktives Metall, in das Interessenzentrum von Geheimdienst und Verbrecherorganisation. Alle Beteiligten sind sich der bedrohlichen Lage bewusst, doch während die einen den Verkauf an die Sowjets dringend verhindern wollen, beabsichtigen die anderen möglichst viel Geld aus einem solchen Deal herausschlagen. Aber um eine der Optionen geltend zu machen, muss erst einmal das begehrte Metall eruiert werden, was die zwischen Europa und Nordafrika chargierende Suche nach Mister X aktiviert.

 

Während dieser topographischen Bewegung werden vier Charaktere zentralisiert: Martin Stevens, der hochmütige Pfeifenraucher und Superagent. Alex, der Supervillain, der das begehrte Metall einheimsen und es für viel Geld an die Sowjets veräußern will. Sowie die beiden weiblichen Charaktere, Denise und Faddja, die sich beide an Stevens ranschmeißen und von denen nur eine die Gute sein kann und darf. Damit verrate ich nichts über den Ausgang, sondern weise nur auf eine bekannte, stets praktizierte, die Identität chiffrierende wie später dechiffrierende Formel hin, die in nahezu jedem Eurospy-Vehikel, das ich bisher geschaut habe, ihre Anwendung findet. Die Zutaten dieser Methode, die daran beteiligten Mimen, liefern allerdings keine sonderlich hervorstechenden schauspielerischen Leistungen ab. Roger Browne agiert als der überhebliche Superagent ebenso durchschnittlich wie Fabienne Dali als die nicht minder überhebliche Denise, und Massimo Serato hätte als Oberschurke Alex fraglos ein paar Briketts mehr ins Feuer schmeißen können, um sich selbst wie uns Zuschauer etwas mehr aufzuheizen. Apropos aufheizen, anheizen, dahin schmelzen und der restliche Pipapo, die Rosi wirkt in ihrer Rolle als Faddja allein durch ihre Anwesenheit bereichernd.

 

Was unter dem Strich als Gesamtpaket angeboten wird, ist zwar nicht sonderlich spannend, da der Film einige unnötige Baustellen beackert und den dortigen Aufenthalt deutlich in die Länge zieht, aber prinzipiell noch okay. Es reicht jedenfalls aus, um nicht auf dem Eurospy-Schrottplatz zu landen. Die Superseven wurde übrigens auch nicht ausrangiert und sollte kurze Zeit später ihr Comeback feiern oder um es im Stile der stets rezidivierenden Texttafeln innert der Bond-Abspanncredits zu sagen: Martin Stevens will return in the next Umberto Lenzi Thriller „Die Höllenkatze des Kong-Fu”. So stay tuned for more Eurospy.

Veröffentlichungen

Da die deutsche DVD-Veröffentlichung äußerst bescheiden ausgefallen ist, man berichtet von einem verwaschenen und unscharfen Bild, war meine Freude umso größer, eine Kopie der qualitativ besseren TV-Ausstrahlung zu ergattern. Wie die DVD ist diese leider nicht mit der bundesrepublikanischen Kinosynchronisation bestückt. Die Tonbearbeitung wurde aller Wahrscheinlichkeit nach von der Internationale Film-Union GmbH Remagen erstellt. Die IFU zeichnet für rund 800 Synchronisationsarbeiten verantwortlich, von denen jedoch ein nicht unerheblicher Teil als verschollen (vieles fiel einem Feuerausbruch zum Opfer oder wurde entsorgt und nur weniges ins Filmmuseum gerettet) gilt. Dieses würde freilich auch erklären, warum ich bis dato nichts über die Sprecher/innenauswahl (Kinosynchronisation) in Erfahrung bringen konnte. Demgemäß müssen wir alle stark sein und mit einer immerhin mit Nils Clausnitzer besetzten, aber ansonsten eher durchwachsenen wirkenden TV-Synchronisation vorlieb nehmen.

 

PS: Wer in der Nähe der schönen Stadt Freiburg beheimatet ist, der erhält voraussichtlich im Oktober 2021 im Zuge des 12. Forentreffens von deliria-italiano die wahrscheinlich einmalige Gelegenheit: „Höllenhunde des Secret Service“ im dort ansässigen KoKi (ansässig im alten Wiehrebahnhof) zu schauen. Schließlich ist es, wie ich vor ein paar Tagen erfahren habe, den Veranstaltern geglückt, eine 35mm Kopie ausfindig zu machen. Spätestens dann werden wir, sofern die Pandemie keinen Strich durch die Rechnung macht, mehr über die deutsche Kinosynchronisation respektive deren Sprecherinnen und Sprecher erfahren.

Links

OFDb
IMDb

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