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Go with God, Gringo

Italien | Spanien, 1966

Originaltitel:

Vayas con dios gringo

Alternativtitel:

Boa Sorte, Gringo (PRT)

Brug næverne, Gringo (DNK)

Dieu Est Avec Toi Gringo (FRA)

Käytä nyrkkejäsi, gringo (FIN)

Vá com Deus Gringo (BRA)

Vete con Dios, gringo (ESP)

Good Luck Gringo

Regisseur:

Edoardo Mulargia

Kamera:

Ugo Brunelli

Inhalt

Bill und seine Bande können mittels einer List aus dem Gefängnis fliehen. Unter den Ausbrechern befinden sich zudem der zu Unrecht verurteilte Gringo sowie ein lebensfroher Zeitgenosse, der sich Mexico nennt. Während ihrer Flucht gen Texas gelangen die Outlaws in eine Stadt, die immo vom Karnevalvirus befallen ist. Und wo der Karneval regiert, sammeln sich viele Menschen. Viele Menschen erhöhen wiederum die Gefahr erkannt zu werden. Eine brenzlige Situation, die das Nervenkostüm eines der Halunken derart strapaziert, dass er einen angeheiterten Einheimischen erschießt. Der Mord veranlasst den angesehenen Bürger Don Pedro Soares dazu, dem Bunch genauer auf den Zahn zu fühlen, was wiederum zu einer wilden Schießerei führt. Der Übermacht unterlegen nimmt Bill die Tänzerin Carmen als Geisel und der wilde Haufen setzt seine Flucht via Postkutsche fort. Dass eine Frau in den Reihen harter Männer für Unruhe sorgt, reflektiert keine wirklich revolutionäre Erkenntnis. Gottlob ist Ringo in der Droschke, um das Mädel zu schützen, was ihn allerdings den Ausschluss aus der Reisegruppe kostet. Doch Gringo lässt sich nicht so mir nichts dir nichts abschütteln und heftet sich unmittelbar an die Sporen der Outlaws, um Carmen aus deren Klauen zu befreien und (!) um eine alte Rechnung zu begleichen.

Review

Eieiei, da ist Ihnen ja mal wieder was entgangen! Freilich können Sie nichts dafür, da VAYAS CON DIOS, GRINGO niemals eingedeutscht wurde. Erfreulicherweise ist die IW-Szene in unserem Land keine Schwätzerszene, und deren Aktivisten sind immerzu im Einsatz, um Vergessenes wie Unbekanntes auszugraben, was dem Gringo aus dem Ruhrgebiet immer wieder die Möglichkeit offeriert, seinen IW-Horizont sowie die Italo-Cinema-Datenbank zu bereichern.

 

Wie EL PURO und DAKOTA - NUR DER COLT WAR SEIN GESETZ inkludiert der Score zu VAYAS CON DIOS, GRINGO eine gepfiffene Melodie, die sich mit Blick auf die drei genannten Filme als ein telegrafischer Code, der dem Zuschauer klar macht, dass er in einen Mulargia-Western eintritt, deuten lässt. Jene getrillerte Tonfolge erinnert, wie die gesamte musikalische Filmbegleitung, an die Morricone-Kompositionen aus den ersten beiden Vertretern der Dollar-Trilogie. Komponiert wurde der Stoff von Felice di Stefano, der auch für die Scores der Mulargia-Western JETZT SPRECHEN DIE PISTOLEN, DJANGO - KREUZE IM BLUTIGEN SAND, DJANGO - DEIN HENKER WARTET und die bereits zitierte Gurke DAKOTA - NUR DER COLT WAR SEIN GESETZ verantwortlich zeichnet.

 

Die hörenswerte Musik kündigt einen italienischen Western an, welcher der ruppigen, brutalen wie düsteren Gangart verpflichtet ist. Es wird ungern diskutiert, sodass die Colts extrem locker sitzen und ungeduldig den nächsten Auftrag ihrer Herren und Meister herbeisehnen. Einer dieser skrupellosen Killer ist Bill, gespielt von Aldo Berti. Bertis Darstellung erreicht zwar nicht die Bösartigkeit, der ebenfalls von ihm verkörperten Cassidy-Figur (EL PURO), aber Bill ist schon ein ganz besonders fieses Dreckstück - unberechenbar und jederzeit bereit zu töten.

 

Wie in der Inhaltsangabe vermerkt befinden sich Bill und Co. voraussichtlich auf dem Weg nach Texas und nicht - wie immerzu in den italienischen Western propagiert - auf dem Weg nach Mexiko. Wie komme ich zu dieser Erkenntnis? Weil die Ankunft in dem Städtchen, in dem der Karneval begangen wird, mittels seiner Einwohner sowie der Gebäudearchitektur verdeutlicht, dass wir bereits in Mexiko angekommen sind. Da dennoch hin und wieder die Rede von einem bestimmten Fluchtort ist, dieser allerdings nicht beim Namen genannt wird, bietet es sich an, Texas aufs Tapet zu bringen. Schließlich avancierte Texas nach Ende des Sezessionskriegs zum populärsten Zufluchtsort (beliebter als Mexiko) für Desperados aus allen Teilen des Landes. Denn wer sich der Verfolgung der Behörden entziehen wollte, der flüchtete (ging) nach Texas. Das Banditentum hatte für diese Handlung ein spezielles Kürzel parat: G. T. T. - „Gone to Texas“.

 

Die bereits angesprochene düstere Stimmung wird zeitweise von der Figur Mexico aufgelockert. Mexico bekleidet den Part des Narren. Jener Part, den die italienischen Filmschaffenden gern Fernando Sancho zuschusterten. Auf Sancho müssen wir diesmal zwar verzichten, aber Ignazio Spalla macht seine Sache als IW-Clown gar nicht mal so schlecht. Doch Vorsicht: Mexico reflektiert nicht den Deppen vom Dienst, den Fernando noch und nöcher verkörperte und den der Antiheld nach Belieben vergackeiern konnte, sondern einen redeseeligen (nicht unbedingt nervenden) Typen hinter dessen clownesker Fassade ein bauernschlauer Halunke lauert. Auch wenn diese Worte Mexico als einen gerissenen Zeitgenossen ausweisen, kann ich der Filmfigur nicht bestätigen, dass sie - wie in der einen oder anderen Internetdatenbank vermerkt - als Anführer der Outlaws fungiert. Mexico ist stets bereit den nächsten Unfug zu begehen, doch Bill und seine Schurken reflektieren das krasse Widerspiel, denn sie kennen keinen Humor und sind stattdessen allzeit bereit, über Leichen zu gehen.

 

Der Antiheld wird von Glenn Saxson verkörpert, der mittels einer genreüblichen Wortkargheit und der entsprechenden Mimik einen guten Eindruck hinterlässt. Er ist ein zu Unrecht Inhaftierter, dessen Ambitionen lange Zeit in der Schwebe bleiben. Im Film hört der Antiheld auf den Namen Gringo. Wer sich VAYAS CON DIOS, GRINGO jedoch aufmerksam anschaut, dem wird ein Steckbrief auffallen, auf dem nicht nach Gringo, sondern nach Ringo gefahndet wird. Es wäre demnach möglich, dass Mulargias Film ursprünglich VAYAS CON DIOS, RINGO firmieren sollte, was ja theoretisch an den Namensrechten gescheitert sein könnte. Ich spreche freilich nicht die Ford-Postkutsche, sondern das entsprechende Tessari-Vehikel (mit Giuliano Gemma als nazistisch wie materialistisch verlangter Pistolero als auch passionierter Milchtrinker Ringo) an.

 

Gemma war übrigens Ringo wie Gringo. Und erhielt in der Rolle des Zeitgenannten (eigentlich heißt er in ADIOS GRINGO ja Brent Landers) - zumindest kraft der alten bundesdeutschen VHS - ein besonderes, da in deutscher Sprache interpretiert, Leitmotiv. Falls der angesprochene Western (ADIOS GRINGO) mal angemessen ausgewertet und in HD veröffentlicht werden sollte, dann muss der gute alte VHS-Vorspann unbedingt in die Extras aufgenommen werden. Und sollte es irgendwann tatsächlich soweit sein, dann dürfen Sie sich auf tolle lyrische Weisheiten wie […]„Das Gesetz der Prärie bringt Gefahren und Gringo muss reiten, bei Tag und bei Nacht. Heißer Sand, Sonnenbrand und kein Schatten, die haben schon Manchen zur Strecke gebracht.“[…] freuen.

 

Es gibt übrigens einige Sachverständige, die das Wort Gringo als ein mexikanisches Schimpfwort interpretieren. Das ist natürlich absoluter Humbug. Die Mexikaner nannten die puritanischen Nordmänner, die Yankees, zwar gern Gringo, aber nicht um sie zu beschimpfen. Das Wort entstammt dem spanischen Dialektwort „Griego“, welches ins Deutsche übersetzt „Grieche“ bedeutet. Die in diesem Kontext nicht unbekannte iberische Satzkreation „Hablar en gringo“ bedeutet, dass jemand in einer Sprache spricht, die man selber nicht versteht. In Deutschland sagt oder sagte der Volksmund: „Das kommt mir spanisch vor“. Warum so verhalten? Warum sagt oder sagte? Weil mir nicht bewusst ist, ob die Rap-Seuche wie eine flankierende und unnachgiebig voranschreitende Volksverdummung die Umschreibung evt. bereits abgeschafft hat.

 

Was die technische Seite anbelangt, so bietet VAYAS CON DIOS, GRINGO einige sauber kreierte wie überaus interessante Parallelmontagen. Dazu gesellt sich eine rasante Montage, die den Zuschauer jene im Film aufkeimenden Stresssituationen erfolgreich mitfühlen lassen, was Kamera, Montage und Musik ein fortwährend harmonisches Zusammenspiel bescheinigt.

 

 

Fazit: Mulargia zeigt uns unmissverständlich wo der Ziegenbock den Honig herholt und präsentiert uns mit VAYAS CON DIOS, GRINGO einen straighten als auch brutalen wie düsteren Western, der mich von der ersten bis zur letzten Minute packen konnte. Es ist bedauerlich, dass die Verleiher dereinst im Winter- oder Dornröschenschlaf lagen, sodass es der Film nicht in den bundesdeutschen Kinos geschafft hat.

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OFDB

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