Suchen

Die Liebesbriefe einer portugiesischen Nonne

Deutschland | Schweiz, 1977

  • Originaltitel: Die Liebesbriefe einer portugiesischen Nonne
  • Alternativtitel:

    Lettres d'amour d'une nonne portugaise (FRA)

    Confessioni proibite di una monaca adolescente (ITA)

    Cartas de amor a una monja portugesa (ESP)

    Love Letters of a Portuguese Nun (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 10. März 1977
  • Regisseur: Jesús Franco
  • Kamera: Peter Baumgartner
  • Musik: Walter Baumgartner
  • Drehbuch: Mariana Alcoforado, Erwin C. Dietrich
  • Inhalt:

    Als die gerade 16 Jahre alt gewordene Maria (Susan Hemingway) von Pater Vicente (William Berger) bei eigentlich harmlosen Hasch-mich-Spielchen mit ihrem Freund im Wald erwischt wird, nimmt der Pater dies ungewöhnlich ernst. Er überzeugt Marias Mutter, dass Maria – um sie vor dem drohenden Sündenfall zu schützen – künftig in die Obhut eines Klosters übergeben werden solle. Doch der Pater hat nichts Gutes im Sinn. Gemeinsam mit der Mutter Oberin Alma (Ana Zanatti) führt er im Kloster ein hartes Regime, welches letztendlich der gemeinsamen sexuellen Befriedigung gilt. Unter dem Vorwand, dem Satan zu dienen, haben er und Mutter Alma auch die anderen Novizinnen dort fest im Griff. Als Maria nach zahlreichen Missbräuchen zu entkommen versucht und sich gar an die Inquisition wenden will, drehen ihre Peiniger den Spieß um und beschuldigen Maria der Ketzerei.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Bevor wir zu „Die Liebesbriefe einer portugiesischen Nonne“ kommen, noch mal ein kurzer Rückblick mit Ergänzungen. 1975 stieß Jess Franco zum Schweizer Produzenten Erwin C. Dietrich, und es begann turbulent. Man muss dazu sagen, dass Erwin C. Dietrich bei aller Nettigkeit ein korrekter Geschäftsmann war und auf die harte Tour feststellen musste, dass Jess Franco das eben nicht war. Erstaunlicherweise haben die Recherchen von Buchautor Stephen Thrower (mithilfe des Zugangs zu Erwin C. Dietrichs Archiv durch Uwe Huber) ergeben, dass Franco doch berechtigt war, einiges zu tun. Anderes dagegen nicht. Ich will nicht die ganze Geschichte wiedergeben (wäre eh geklaut und somit sicher fehlerhaft), aber am Ende des Jahres 1975 stand Franco mit Schulden und zwei vermutlich unfertigen Filmen da, die er einem italienischen Partner schuldete. 

     

    Dietrich beglich Francos Außenstände, doch Strafe muss ein. Im Obergeschoss eines Gasthofes arbeite Franco seine Schulden bei nunmehr Dietrich in Form von drei Hardcore-Filmen ab: „Mädchen im Nachtverkehr“, „Weiße Haut auf schwarzen Schenkeln“ und „In 80 Betten um die Welt“ (alle 1976). Doch Dietrich schien nicht nachtragend, denn im Anschluss finanziert er Franco drei höher budgetierte Projekte: „Jack the Ripper“, „Greta – Haus ohne Männer“ und den hier besprochenen „Die Liebesbriefe einer portugiesischen Nonne.“ Letzterer wurde im November 1976 in Portugal gedreht, freilich erst im Frühjahr 1977 veröffentlicht. Da das Endergebnis für Dietrichs Geschmack etwas zu wenig nackte Haut zeigte, wurden ein paar Softcore-Inserts eingefügt, einige davon leicht zu erkennen (z. B. während der Schwarzen Messe) durch einen völlig anderen, deutlich helleren Hintergrund.

     

    Geändert hatte sich natürlich, dass Dietrich Franco zunächst nicht mehr unbeaufsichtigt ließ. Doch davon profitiert gerade „Die Liebesbriefe einer portugiesischen Nonne.“ Kameramann – und Freund und Geschäftspartner von Erwin C. Dietrich – Peter Baumgartner liefert hier wunderschöne Aufnahmen in professionellem Glanz. Bereits altbekannte Franco-Locations wie der Palácio dos Condes de Castro Guimarães oder das Innere der Santa Maria Maior de Lisboa erstrahlen in neuem Glanz. Schöne Außenaufnahmen in üppiger Vegetation entstanden im Parque da Gandarinha und im Jardim Botanico Tropical in Belém. Walter Baumgartner steuert einen passenden Soundtrack bei, der – wie schon bei Jack the Ripper - mal nicht aus Archivtracks anderer Dietrich-Produktionen besteht. Doch was erwartet den Zuschauer inhaltlich in „Die Liebesbriefe einer portugiesischen None?“

     

    Obwohl die Story des Films nicht auf de Sade beruht, ist es zunächst eine recht gelungene Variante des Justine-Charakters, den Susan Hemingway in ihrer Rolle als Maria hier abliefert. Naiv und komplett unschuldig (sie vertraut der Inquisition!) stolpert sie in das teuflische Spiel des Paters Vicente und dessen Gespielin Mutter Alma. William Berger gibt hier eine herrlich bösartige Variante eines geilen Paters ab, den die Unschuld Marias – und vieler anderer Mädchen, die bereits in Mutter Almas Kloster verweilen – zu seiner eigenen Lustbefriedigung anstachelt. Eine der besten Szenen ist hierbei Marias Beichte nach ihrer Ankunft im Kloster, wo er sie - zunächst gelangweilt von der Harmlosigkeit ihrer „Sünden“ – zu immer weiteren Geständnissen verleitet, zu denen er offensichtlich masturbiert. Jene Szene und auch einige andere haben den Tenor kapriziöser spätmittelalterlicher Kabinettstückchen, die jedoch nicht den ganzen Film ausmachen. Im weiteren Verlauf werden deutlich dunklere Töne angeschlagen (Abtreibung, Satanismus, Folter).

     

    Mutter Alma, gespielt von Ana Zanatti, ist die willige Helferin des Paters, glaubt gar, durch ihn habe der Teufel sie begattet. Alma hat zwei Helferinnen, die dazu beitragen, ihre wahnhaften Gelüste zu befriedigen, Schwester Joanna (Aida Vargas) und Schwester Antónia (Aida Gouveia). In einer der kapriziösen Episoden ist Vítor Mendes („Die Sklavinnen“, 1976) als Alcalde des nahegelegenen Ortes zu sehen, doch Maria muss feststellen, dass von ihm keine Hilfe zu erwarten ist. Mendes spielt seine Rolle mit gottesfürchtiger Naivität, kann einfach nichts Böses oder Verwerfliches in dem netten Pater und der ehrwürdigen Klosteroberin vermuten.

     

    Kommen wir zu Herbert Fux. Schon einmal hat Franco recht unvermittelt in „Die Nonnen von Clichy“ den Teufel erscheinen lassen. Ebenso unerwartet erscheint er in „Die Liebesbriefe einer portugiesischen Nonne“ während einer Schwarzen Messe in Gestalt von Herbert Fux. Dieser trägt ein rotes Teufelskostüm und besteigt Susan Hemingway von Hinten, wobei ein lustiger kleiner Phallus auf seiner Stirn herumwackelt. Im Gegensatz zu „Die Nonnen von Clichy“ scheint diese Szene mit dem Teufel hier nur symbolisch. Ein ähnliches Abbild des Teufels sieht man im Verlauf des Films mehrfach auf einem Gemälde, und die Teilnehmer der Messe sehen wohl einfach das, was ihre Phantasie sie erwarten lässt. Womöglich sogar die Phantasie Marias. Einen deutlichen Hinweis hierzu findet man in der Abtreibungsszene von Mutter Alma. Sie stöhnt, dass der Teufel sie in der Gestalt von Pater Vincent geschwängert habe. Tatsächlich scheint es also der, welcher während der Schwarzen Messe Maria besteigt. Vielleicht hatte William Berger einfach keinen Bock auf die Szene.

     

    In einigen Ländern, insbesondere in Großbritannien, hatte „Die Liebesbriefe einer portugiesischen Nonne“ mächtige Zensurprobleme aufgrund der Tatsache, dass Hauptdarstellerin Susan Hemingway zum Zeitpunkt des Drehs wohl tatsächlich gerade erst 16 geworden war. Sie würde nach diesem Debut in sechs weiteren Franco-Filmen zu sehen sein, welche alle in Portugal entstanden. Sie hat nie mit einem anderen Regisseur gedreht. „Die Liebesbriefe einer portugiesischen Nonne“ markiert zudem die erste Begegnung Francos mit Juan Soler, der hier für Stills zuständig war und später noch oft als Kameramann für Franco tätig sein würde.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Filmplakate

    Links

    OFDb
    IMDb

    Bitte Kommentar schreiben

    Sie kommentieren als Gast.