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Jack the Ripper - Der Dirnenmörder von London

Deutschland | Spanien | Schweiz, 1976

  • Originaltitel: Jack the Ripper
  • Alternativtitel:

    Jack el destripador (ESP)

    Jack l'éventreur (FRA)

    Erotico profondo (ITA)

  • Deutsche Erstaufführung: 23. September 1976
  • Regisseur: Jesús Franco
  • Kamera: Peter Baumgartner, Peter Spoerri
  • Musik: Walter Baumgartner
  • Drehbuch: Jesús Franco, Jean-Claude Carrière
  • Inhalt:

    Während des Nachts der Dirnenmörder Jack The Ripper sein Unwesen treibt, behandelt tagsüber der Arzt Dr. Orloff (Klaus Kinski) für nur karge Bezahlung die Armen. Dafür wird er von der Hausbesitzerin Miss Baxter (Olga Gebhard) bewundert, deren Avancen er aber brüsk zurückweist. Nach den Morden an den Prostituierten Sally Brown (Francine Custer) und einer weiteren (Esther Studer) erhält Inspektor Selby (Andreas Mannkopff) von Zeugen eine sehr gute Beschreibung des Täters. Als es jedoch noch immer nicht gelingt, den Ripper ausfindig zu machen, begibt sich Selbys Freundin Cynthia (Josephine Chaplin) auf eine gefährliche Mission. Im Alleingang will sie Selby helfen, den Ripper zu stellen, indem sie sich als Dirne verkleidet nach Soho begibt. Doch nicht nur sie sucht den Ripper, auch der Ripper sucht bereits nach ihr.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Regisseur Jesús Franco hatte für Produzent Erwin C. Dietrich bereits ein paar sehr preiswerte und mitunter erfolgreiche Filme gedreht und fand es wohl an der Zeit in die Vollen zu gehen. Zuvor sei angemerkt, dass viele Franco-Fans „Jack The Ripper“ für einen eher untypischen Franco-Film halten, aber das ist falsch. „Jack The Ripper“ zeigt, wie Francos Karriere hätte laufen können, wären stets gute Produzenten am Werk gewesen. Er wollte diesen Film drehen, hatte die Idee schon lange im Kopf, hat selbst das Drehbuch geschrieben und Kontakte zu Klaus Kinski und Josephine Chaplin geknüpft. An irgendeinem Punkt hatte auch ein Schwergewicht wie Autor Jean-Claude Carrière ins Drehbuch geguckt und Dialogänderungen vorgeschlagen, was man später findig für einen Drehbuch-Credit nutzte.

     

    Mit diesem fertigen Konzept ging Franco zu Dietrich, welcher eigentlich nur bei einem Punkt Bedenken hatte, nämlich der Location. Dietrich war nicht begeistert davon, einen Film in London drehen zu müssen, doch auch hier hatte Franco bereist eine Lösung parat. Er wollte in Zürich drehen und hatte sich bereits ein paar passende Orte ausgesucht. Gemeinsam unternahmen sie eine Location-Tour, und Franco schlug unter anderem den Kreuzgang im Frauenmarkt, den Rindermarkt und andere Orte der Züricher Altstadt vor. Uneins war man sich bei der Themse, Franco wollte den Zuschauern den kleinen Schanzengraben als Themse andrehen, Dietrich löste dies später, indem er in der Synchro das Gewässer nur als „Kanal“ bezeichnen ließ. Bei Schweizer Kritikern allerdings sorgten die für Züricher Einwohner doch recht bekannten Orte im fertigen Film für einiges Gespött. Insgesamt kostete „Jack The Ripper“ schließlich 3 Millionen Schweizer Franken, womit er Dietrichs bis dahin teuerste Produktion war.

     

    Franco vermischt bei der Figur seines Jack The Ripper mehrere Theorien und Themen und das nicht immer logisch. Er zeigt ihn als gequälte Seele, ein Arzt mit Verwandten im Buckingham Place, der schließlich gefasst, aufgrund seiner Kontakte aber nie angeklagt wird. Diese Hintergründe werden nur rudimentär in die Handlung eingebaut und widersprechen sich teils. Ein Arzt mit Verwandten im Königshaus, dessen Mutter aber eine Prostituierte war? Na gut, vielleicht ein unehelicher Spross. Der Charakter des Doktors selbst wird glaubhaft von Klaus Kinski dargestellt, und auch dieser widerspricht sich selbst. Gerne wird von Kinski der Satz zitiert, „Ich drehe den Scheiß in acht Tagen herunter. Den Rest der Zeit spiele ich Tennis, auch im strömenden Regen, bis mir Hände und Füße bluten und ich vor Blasen nicht mehr gehen noch stehen kann.“ Tatsächlich war Kinski von der Aussicht wieder mit Franco zu drehen begeistert, denn der ließ ihm jede künstlerische Freiheit, Dietrich geht sogar so weit, dass Kinski in seinen Szenen selbst die Inszenierung übernommen hätte. Und auch sonst stand Kinski hinter dem Projekt. Nichts mit Tennis, sondern 8 Tage Drehzeit mit bis zu 15 Stunden täglich, was keineswegs Kinskis Vertrag (7 Tage, nicht mehr als 8 Stunden täglich) entsprach. Keine Probleme, keine exzentrischen Extratouren, keine Gagennachforderungen.

     

    Dr. Dennis Orloff - da konnte Franco wohl nicht widerstehen, eine Namensreferenz an „seinen“ eigenen Ripper-Arzt einzubauen – wohnt im Haus der ältlichen Witwe Miss Baxter, die nur Bewunderung für ihren Untermieter hat, der so viel arbeitet, und das nicht selten unentgeltlich. Sie will ihm ein Freund oder gar eine Gefährtin sein, doch nach einem Ausbruch von Orloffs Temperament (er wurde gerade von Visionen heimgesucht und ist auf dem Weg sich ein Opfer zu suchen) bemerkt sie, dass er Angst vor der Zuneigung einer Frau hat. Miss Baxters Haus mit den charakteristischen Treppen taucht in mehreren Franco/Dietrich-Filmen auf, etwa in „Das Frauenhaus.“ Ein prominenter Patient des Doktors ist Darsteller Herbert Fux, der gar für die schauderhafteste Szene des Films sorgen darf, namentlich ein dickes, eitergefülltes Geschwür am Bein, dass ihm Kinski recht unsanft aufreißen darf.  Fux‘ Figur findet als erster die Identität des Rippers heraus und will dies zu einer Erpressung nutzen, was wiederum zur Entdeckung von Fux‘ Leiche durch Miss Baxter führt und damit direkt zum Ripper. Ansonsten ist der Blutgehalt des Films eigentlich nicht sehr hoch, abgesehen von Mord und Verstümmelung an Lina Romay. Hier findet sich ein erster Ansatz von Nekrophilie, wenn der Ripper sich am Körper der sterbenden Prostituierten vergeht. Nicht der letzte filmische Tabubruch, denn am Ende – bevor der Inspektor seine Geliebte retten kann – ist eine Vergewaltigung an ihr bereits in vollem Gange.

     

    Überhaupt kann Francos Drehbuch – auch wenn der Katholische Filmdienst das damals ganz anders sah – mit erstaunlich interessanten Figuren aufwarten. Etwa der Blinde, der den Ripper an Ausstrahlung und Gerüchen identifizieren kann. Die altjüngferliche Zeugin Miss Higgins (Ursula von Wiese), die während eines Lokaltermins bei Scotland Yard zum Gespött der Prostituierten wird. Nicht fehlen darf des Rippers Helferin, die leicht schwachsinnige Frieda (Nikola Weisse). Selbstverständlich ebenso die bereits erwähnte Miss Baxter. Eher farblos dagegen wirkt Andreas Mannkopff als Inspektor Selby von Scotland Yard, und Josephine Chaplin, die seine Freundin spielt, kann von Glück sagen, dass ihr markantes Aussehen für eine gewisse Ausstrahlung reicht, denn das Drehbuch räumt ihr nur wenig Möglichkeiten ein. In Nebenparts haben es Esther Studer, Mike Lederer und Roman Huber aus Francos vorangegangenen Hardcore-Filmen für Dietrich in „Jack The Ripper“ geschafft. Studer spielt Opfer No 2 (die Geschichte setzt mitten um das Geschehen um Jack The Ripper ein, bei Filmbeginn haben bereits Morde stattgefunden und Scotland Yard ist auf der Suche nach dem Täter), das Klaus Kinski einen blasen darf, bevor sie ermordet wird. An dieser Stelle nochmals zurück zum Blutgehalt, denn Esther Studer ist eher flach gebaut, während bei Entdeckung ihrer Leiche dann ein beachtlich großes Paar abgeschnittener Brüste auf einer Kommode liegt. Überhaupt haben die Effekte den Sprung ins Blu-ray-Universum nicht sehr gut überdauert. Zum Glück hat der Film noch viele andere Qualitäten.

     

    Zu diesen Qualitäten gehört unter anderem die Kameraarbeit von Peter Baumgartner, und hier sei noch einmal erwähnt, dass dieser betont, „Jack The Ripper“ sei seine erste Zusammenarbeit mit Franco gewesen. Dies eröffnet die zwei Möglichkeiten, dass bei den drei vorangegangenen Filmen Baumgartner nur als Credit genannt wurde oder dieser Erinnerungslücken bezüglich Hardcore-Pornos hat. Fairerweise muss man ihm zugestehen es besser zu wissen, somit könnte bei den vorangegangenen Filmen genausogut Ruedi Küttel am Werk gewesen sein, der in „Jack The Ripper“ Baumgartner assistiert. Der äußerst passende Score stammt von Walter Baumgartner, welcher in „Jack The Ripper“ in zwei kleinen Szenen zu sehen ist, wo er im Ballettstudio am Klavier spielt und eine kurze Dialogszene mit Josephine Chaplin hat. Der Film wurde später komplett im Berliner Cinephon-Studio gedubbt, lediglich Andreas Mannkopff und Herbert Fux synchronisierten sich selbst. Erfreulich ist die gute Synchronstimme für Lina Romay, sie wurde von Ilse Pagé gesprochen. Auch wurden mehrere Sprachversionen und Untertitel erstellt, um „Jack The Ripper“ international vermarkten zu können. Bei der deutschen Kinofassung scheint sich die ofdb noch uneins, was die Komplettheit des Films in deutschen Kinos betrifft. Die deutsche Kinofassung scheint jedoch massiv geschnitten gewesen sein, hierzu legte Dietrich im Interview auf der Blu-ray die von der FSK verlangten Schnittauflagen vor. Umso überraschender war die spätere VHS-Veröffentlichung - abgesehen von einem mehrsekündigen Rollenriss - uncut. Eine etwas explizitere Einstellung von einem blutigen, weiblichen (und schlecht gemachten) Torso verirrte sich aus unerfindlichen Gründen ausschließlich in die Super 8-Fassung.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Veröffentlichungen:

    „Jack The Ripper“ erschien ungekürzt von Ascot/Elite auf Blu-ray. Hier gibt es beim Bild leichte Qualitätsschwankungen, dafür aber diesmal recht umfangreiches Bonusmaterial. Neben vier Sprachfassungen (alles Dubbings) findet sich ein Audiokommentar von Erwin C. Dietrich aus dem Jahr 2000. Als Extras die bereits erwähnte Einstellung aus der Super 8-Fassung, ein Werkstattsbericht der Restauration (17 Min.) und das Feature „Hommage an Jess Franco“ mit Erwin C. Dietrich (21 Min.). Desweiteren ein Interview mit Andreas Mannkopff (25 Min.). Bereits bekannt von anderen Ascot/Elite-Veröffentlichungen das Audiointerview von Hans D. Furrer mit Jess Franco von 1976 (42 Min.). Darüber hinaus eine Fotogalerie mit 50 Motiven und ein paar Trailer.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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