Ab morgen sind wir reich und ehrlich

Österreich | Deutschland | Italien, 1976

Originaltitel:

Ab morgen sind wir reich und ehrlich

Alternativtitel:

Caça â Mala Preta (BRA)

Blackmail Chase (GBR)

I soliti ignoti colpiscono ancora - E una banca rapinammo per fatal combinazion! (ITA)

As of Tomorrow (USA)

Rich and Respectable

Die Mafia lässt grüßen

Die Mafia läßt schön grüßen

Deutsche Erstaufführung:

17. Juni 1977

Regisseur:

Franz Antel

Inhalt

Der ehemals mächtige Mafia-Pate Mike Jannacone (Arthur Kennedy) hat sich in den wohlverdienten Ruhestand begeben und zieht sich nach Roccasecca, das italienische Dorf seiner Herkunft zurück. Eine Ausreise aus den USA war ihm allerdings nur möglich, da er kompromittierende Tonbänder des sich gerade im Wahlkampf befindenden Senators Shelton (Curd Jürgens) in seinem Besitz hat. Das belastende Material, das als Altersvorsorge gedacht war, kommt allerdings abhanden, da es von zwei Nachwuchsschauspielern gestohlen wird, die bei dieser Aktion im Glauben waren, in einem Film mitzuwirken. Plötzlich werden gleich mehrere Fronten äußerst nervös und versuchen das Material wieder in ihren Besitz zu bekommen...

Autor

Prisma

Review

»Und wer gibt uns das Geld für diesen Super-Film?« Wo es denn schließlich herkam, stellt sich nach dieser im Film auftauchenden Frage vermutlich fast jeder Zuschauer ebenfalls, denn schnell zeichnet sich ab, dass aus "Ab morgen sind wir reich und ehrlich" leider nichts geworden ist. Ein dezenter Blick auf den Regiestuhl rechtfertigt die allgemeine Skepsis, denn schließlich hatte man mit Franz Antel einen regelrechten Experten am Werk, der offensichtlich prädestiniert dafür war, zeitgenössische Komödien nicht nur am Fließband umzusetzen, sondern sie auch zielstrebig zu ruinieren. Die Kalauer und die flotten Sprüche sind noch nicht einmal der größte Hemmschuh, sondern die allgemeine Hektik und mangelnde Struktur setzt der Geschichte folgenschwer zu, die auf den ersten Blick doch recht interessant aussehen will. Ein vor Extravaganz strotzendes Star-Aufgebot wird hier bereitwillig verheizt, welches das Anschauen jedoch rechtfertigen kann und schließlich vor dem Abschalten bewahrt.

 

Wie in der einschlägig berüchtigten Komödie üblich, folgt ein Gag dem nächsten und nur selten trifft die Regie dabei ins Schwarze, denn alles wirkt hoffnungslos überladen, selbst für die Verhältnisse der Klamotte. Auch bei einem Blick in die Vergangenheit ist es fraglich, ob dieses in Italien und im ehemaligen Jugoslawien gedrehte Vehikel seinerzeit gut, oder überhaupt beim Publikum ankam, aber dennoch gibt es eine ordentliche Portion Zeitgeist, und das in nahezu allen Belangen. Angesichts des angedeuteten Film-in-Film-Themas und der Tatsache, dass es zur hemmungslosen Überzeichnung bestimmter Personen kommt, ist anzunehmen, dass man auf eine geistreiche Kritik im Rahmen des Hantierens mit unzähligen Klischees abzielen wollte, doch leider ist lediglich eine Art universelle Selbstgeißelung der Komödie zustande gekommen, die sich mit beinahe allen denkbaren Unsitten des Inszenierens vereint.

 

Als Krimi-Komödie oder gar Persiflage mag "Ab morgen sind wir reich und ehrlich" indes schon dreimal nicht funktionieren, da, so grotesk es klingen mag, einfach die (angebrachte) Portion echter Humor fehlt und der alberne Klamauk hier einen überaus inflationären Einsatz erfährt. In derartig hartnäckigen Fällen permanenter, unkomischer Fehlzündungen wäre es besonders wichtig, wenn es die Darsteller richten könnten, die in Franz Antels Film tatsächlich sehr prominent vertreten sind. Leider ist es so, dass sich ein Großteil der Darsteller dem unangenehmen Diktat der Regie beugt, sodass selbst große Namen der Besetzungsliste abgeschrieben werden müssen. Hauptdarstellerin Caroll Baker ist schließlich dabei zu beobachten, wie sie hoffnungslos am schwimmen ist, Arthur Kennedy wirkt hingegen wenigstens solide, genau wie Kollege Curd Jürgens, der allerdings nur in einen wenig umfangreichen Auftritt zu sehen ist. Vittorio Caprioli, Angelo Infanti und Gabriele Tinti versinken im Klamauk.

 

Christine Kaufmann in einer unmöglichen Aufmachung, oder Werner Pochath in seinem Rollenabo, hat man vielerorts schon interessanter gesehen. Schließlich erfreut noch Silvia Dionisio das Auge in höchstem Maße, doch unterm Strich ist ein Star-Aufgebot ins offene Messer gejagt worden. Insbesondere im späteren Verlauf wechseln sich die humorvollen Töne mit breit angelegtem Tempo, Slapstick und einigen Action-Sequenzen ab, doch die bemüht turbulent angelegte Geschichte schafft es im Ganzen zu keinem Zeitpunkt, versöhnliche Eindrücke zu transportieren. Franz Antels "Ab morgen sind wir reich und ehrlich" ist daher vielleicht geeignet für Hardcore-Klamauk-Fans, aber leider nur bedingt für die Anhänger der Darsteller, denn die Spieldauer stellt einen insgesamt schon auf eine harte Probe, was anschließend die berechtigte Frage aufwirft, ob man sich derartige Geschütze deutschsprachig-italienischer Kollaborationskünste überhaupt zumuten sollte. Nicht gerade gelungen.

Autor

Prisma

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