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Die sieben Männer der Sumuru

Deutschland | Spanien | Vereinigte Staaten, 1969

  • Originaltitel: Die sieben Männer der Sumuru
  • Alternativtitel:

    La ciudad sin hombres (ESP)

    Sumuru, la cité sans hommes (FRA)

    Sumuru regina di Femina (ITA)

    The Girl from Rio (USA)

    Future Women

    Mothers of America

    Rio 70

    River 70

    The Seven Secrets of Sumuru

  • Deutsche Erstaufführung: 14. März 1969
  • Regisseur: Jesús Franco
  • Kamera: Manuel Merino
  • Musik: Daniel White
  • Drehbuch: Harry Alan Towers, Franz Eichhorn, Bruno Leder
  • Inhalt:

    Sumuru (Shirley Eaton) lebt, und plant mit ihrer Armee von Frauen erneut, an die Weltherrschaft zu gelangen. Da sie durch Erpressung, Folter und Mord bereits über ein immenses Vermögen verfügt, konnte sie in der Abgeschiedenheit der brasilianischen Berge ihre Stadt Femina errichten, die zum groß angelegten Umschlagplatz für Terror und Verbrechen geworden ist. Sie macht sich internationale, solvente Geschäftsleute gefügig, um an deren Vermögen zu kommen. So auch den Bankier Ennio Rossini (Walter Rilla), dessen Tochter (Marta Reves) von der brutalen Sumuru und ihren Helfershelferinnen entführt wurde. Rossini engagiert Jeff Sutton (Richard Wyler), um die junge Frau aus den Fängen der Bestie zu befreien, und es gelingt ihm tatsächlich, in Sumurus geheimes Versteck zu gelangen. Dort wird er schnellstens mit ihren Foltermethoden vertraut gemacht und es sieht so aus, als könne auch er sie nicht ausschalten. Doch das exzessive Treiben wird von einem anderen Gauner namens Sir Masius (George Sanders) gestört. Sumuru mobilisiert ihre Gefolgschaft, und es sieht nicht so aus, als könne man die schöne Wahnsinnige stoppen...

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Es sollte also so sein, dass man Jess Franco die Aufgabe anvertraute, "Sumuru" mit allen verfügbaren Mitteln am Leben zu halten. Durch die übliche Inszenierungstaktik des Spaniers fand die Reihe mit diesem zweiten Beitrag allerdings ihr schnelles Ende. Es kann behauptet werden, dass man "Sumuru" vom Prinzip her bestimmt ganz gerne mögen wird, wenn "Dr. Fu Man Chu" einem schon nicht ganz uninteressant vorgekommen ist. In diesem Zusammenhang gibt es auch ein äußerst eigenartiges Crossover zwischen diesem Film und Jess Francos "Der Todeskuss des Dr. Fu Man Chu", der unmittelbar vorher herausgebracht wurde. Shirley Eatons letzte Szene weist eindeutig darauf hin, da sie das gleiche Ensemble der sogenannten schwarzen Witwe wie bei "Fu Man Chu" trägt. Diese Szene wirkt seit jeher dermaßen inkohärent im Gesamtgeschehen, dass es ziemlich wahrscheinlich ist, dass sie aus dieser Produktion kurzerhand hineingebastelt wurde, um noch einen bekannten Gast-Star mit an Bord zu haben, damit möglicherweise für den Nachkömmling zu werben. Vielleicht ist es zu viel gesagt, dass Jess Franco mit seiner inszenatorischen Auffassung gleich zwei Film-Reihen tot geritten hatte, aber es darf wohl gesagt werden, dass er es nicht schaffte, sie letztlich am Leben zu halten, oder sie mit einer neuen, interessanten Richtung zu versehen. Aus der Titelheldin wird jedenfalls eine große Projektionsfläche für die Spleens und die gezügelten Fantasien der Regie, und man sieht diese überaus eindeutige Handschrift überall. Die Handlung ist wie üblich mit ausgiebigen Landschaftsaufnahmen gespickt worden, hinzu kommt ein Erotik-Einschlag nach Art des Hauses, und die Charaktere wirken charmant verzerrt.

     

    Die Titelrolle wurde nach "Sumuru - Die Tochter des Satans" wieder mit "James Bond"-Ikone Shirley Eaton besetzt, und man muss schon sagen, dass sie ihre Aufgabe erneut sehr ansprechend löst. Franco interessierte es allerdings weniger, ihre Motive und ihr Handeln zu schildern, gar zu erläutern, sodass es ihm vollkommen genügte, eine nymphomanisch veranlagte Größenwahnsinnige zu inszenieren, die angeblich nur irgendwelche höhere Ideale anvisiert hat. Eaton beugt sich diesem Konzept bereitwillig und bringt sogar eine Prise internationales Flair in die Szenerie. "Sumuru" ist eine Art selbsternannte Königin der Amazonen. Sie propagiert die Stärke der Frau, doch hält sich in ihrer Stadt "Femina" eigentlich nichts anderes als ein Heer an dienstbaren (Sex-)Sklavinnen, die beim kleinsten Fehler ausrangiert werden. Shirley Eaton lebt von ihrer außergewöhnlichen Körpersprache, ein Fließband an Großaufnahmen rückt sie weniger als Bedrohung, sondern als Objekt der Begierde in den Vordergrund. Durch seine Darstellung hat Jess Franco das Thema eigentlich schon ein bisschen verfehlt, denn "Sumuru" wirkt wie gesagt kaum furchteinflößend oder genügend unerbittlich, sondern bei genauer Betrachtung unpräzise und inkonsequent in ihrem Handeln, außerdem viel zu schwach im Umgang mit ihren Männern. Gut, ganz im Sinne der Anklage darf die bezaubernde Dame ihre Neigungen und vielfältigen Leidenschaften veranschaulichen, was Dank Shirley Eaton zu einem erotisch-ästhetischen Feuerwerk wird. Mit anderen Worten heißt das, dass sie sich in"Femina" nichts anderes als einen riesigen Harem aufgebaut hat, über den sie nach Lust und Laune verfügt.

     

    Die übliche Stammbesetzung erfuhr hier einige erfreuliche Erweiterungen. Richard Wyler, auserkoren um die Bestie zur Strecke zu bringen, macht eine sehr gute Figur, und manchmal hat man den Eindruck, er bringe einige versteckte Bond-Qualitäten mit. Sein Repertoire ist daher vielfältig, er kann mit Verbrechern, brenzligen Situationen, aber vor allem mit Frauen umgehen, die er reihenweise schwach werden lässt. Sein Gegenspieler Masius wird von George Sanders verkörpert, der letztlich weniger für die kriminelle Bedrohung steht, als für albernen Humor. Er scheint genau so größenwahnsinnig zu sein, wie die von ihm wenig erfreute "Sumuru", da er sich mir dieser Heerschar angriffslustiger Damen anlegen will, um an das Vermögen zu kommen. Herbert Fleischmann als Helfershelfer überzeugt eigentlich nicht im Entferntesten als Masius' rechte Hand, und daher bleibt es - was ihn betrifft - lediglich bei Wiedersehensfreude beim Zuschauer. Maria Rohm interpretiert wie so oft immer die selbe Frauenrolle zwischen Gut und Böse. Erstaunlich dabei ist, dass sie es stets fertig bringt, mit dem selben Repertoire zu agieren, um dennoch zu überzeugen. Walter Rilla und Elisa Montés sorgen für angenehme Auftritte, ohne allerdings die Möglichkeit bekommen zu haben, sich in irgend einer Weise freispielen zu können. Aber insgesamt kann auch dieser Jess Franco-Film mit einer Besetzung aufwarten, die vergleichbare Produktionen gerne gehabt hätten.

     

    Wieder einmal kann der aufmerksame Zuschauer haufenweise Musik von Martin Böttcher und Peter Thomas entdecken. Die für die deutsche Version benutzte Titelmusik stammt ohne jeden Zweifel von Böttcher, des Weiteren hört man Fragmente aus "Die Gruft mit dem Rätselschloss", "Der Hexer" oder "Das Ungeheuer von London-City", die restlichen Stücke stammen von Daniel White. In Verbindung mit dem originellen Titel-Vorspann, oder den wunderbaren Schauplätzen, bekommt das Ganze eine angenehme Note. Dieser Film hat letztlich das Problem, dass er beinahe durchgehend Spannung vermissen lässt. Der Plot ist vielleicht gar nicht einmal so uninteressant, doch bei der Umsetzung wimmelt es manchmal geradezu von Leerlauf. Die Konzentration auf alternative Inhalte, wie beispielsweise erotische Einlagen in Franco-Manier, machen die Geschichte im Endeffekt auch nicht wesentlich spektakulärer. Das Potential der Titelheldin wurde leider weitgehend liegen gelassen, "Sumuru" hätte dominanter, unerbittlicher, grausamer und vor allem zielstrebiger dargestellt werden müssen, um sie richtig ernst zu nehmen. Zum Ende hin bekommt man dann schließlich noch einen der schäbigsten Tricks der Filmgeschichte offeriert, der sich aber nicht in das Gesamtbild einfügt, denn über weite Strecken hat Franco vergleichsweise tatsächlich solide gearbeitet. Also, dieses Action-Abenteuer mit Erotik-Einschlag ist im Grunde genommen durchschnittlich ausgefallen, wusste aber dennoch immens gut zu unterhalten. Fazit: Ein überdurchschnittlich gelungener Franco bedeutet im Normalfall vielleicht doch nur Dutzendware.

  • Autor: Prisma
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