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Queen of the Tabarin Club

Frankreich | Spanien, 1960

Originaltitel:

La reina del Tabarín

Alternativtitel:

A Rainha do Tabarin (PRT)

La Belle Tabarin (FRA)

Mariquita, fille de Tabarin (FRA)

Mariquita... De schone van Tabarin (BEL)

Regisseur:

Jesús Franco

Inhalt

Lolita (Mikaela) kommt aus armen Verhältnissen und verdient sich ihr Geld als Straßensängerin. Dort tritt sie gemeinsam mit ihrem Vormund und Onkel (Antonio Garisa) und dem Gitarristen Miguel (Juan Antonio Riquelme) auf, während ihr Bruder das Geld einsammelt.

 

Doch Lolita träumt von einem besseren Leben für sich und ihre Familie und schleicht sich auf die Kostümparty einer wohlhabenden Gräfin, wo ihr Gesang begeistert aufgenommen wird. Dort lernt sie Fernando (Yves Massard), den Sohn der Gräfin kennen, der sich ihr gegenüber aber als Angestellter ausgibt. Lolita verliebt sich in ihn, muss aber schon bald erfahren, dass Fernando nicht nur verlobt, sondern auch darüber hinaus ein notorischer Schürzenjäger ist.

 

Bald wird Lolita von dem französischen Theaterbetreiber Charles (Alfredo Mayo) entdeckt, der sie nach Paris einlädt, und durch seinen Freund Picardi (Antonio Jiménez Escribano) erhält sie professionellen Gesangsunterricht und Lektionen in Benehmen, denn das Naturell der Dame ist doch eher ruppig. Dass Fernando bei einem Duell, bei dem er Lolitas Ehre verteidigt angeschossen, wird, bekommt sie nicht mehr mit.

 

In Paris feiert Lolita nun erste Erfolge und auch ihr Benehmen ist erwachsener geworden. Fernando reist ihr nach, doch sie ist nicht so ohne weiteres bereit, an seine Liebe zu ihr zu glauben.

Review

Jess Franco hat 1960 bereits zwei Filme als Regisseur inszeniert, die Komödie WE ARE 18 YEARS OLD (Tenemos 18 años, 1959) und den spaßigen Krimi LABIOS ROJOS (1960). Aufgrund der langsamen Verleihprozesse im damaligen Spanien harrten diese allerdings noch immer einer Veröffentlichung. Als er nun das Angebot bekommt, León Klimovsky bei der kommerziellen Großproduktion LA REINA DEL TABARÍN zu ersetzen, willigt er somit kurzentschlossen ein.

 

LA REINA DEL TABARÍN ist ein Vehikel für die andalusische Cuplé-Sängerin Mikaela, eine Komödie mit viel Musik und Liebe, die man wohl als reine Auftragsarbeit werten kann. Francos Einfluss ist gering, auch wenn er als Dialogautor gelistet wird. Das bedeutet aber nicht, dass LA REINA DEL TABARÍN keinen Einfluss auf ihn selbst hatte. Wer in diesem Musical keine Handschrift des Vielfilmers erkennt, hat bei den Bühnenszenen nicht aufgepasst. Auch die Art und Weise wie er ein gewisses Lokalkolorit einfließen lässt, kann man zumindest in anderen Frühwerken wiedererkennen. Aber wie gesagt, hier ist eher eine Umkehr am Werk, der Einfluss kommt nicht von ihm, sondern wirkt auf ihn.

 

Viel wichtiger sind aber die Kontakte, die er knüpfen kann. Etwa zu Co-Produzent Serge Silberman, der neben Filmen von Luis Bunuel auch Francos DAS GEHEIMNIS DES DR. Z mitfinanzieren würde. Erstmals trifft er auch auf Marius Lesoeur von Eurociné, der von LA REINA DEL TABARÍN eine eigene Fassung für den französischen Markt mit dem Titel „Mariquita, fille de Tabarin“ erstellt, welche leider etwas konfus geraten ist, da sie den Szenenablauf völlig neu ordnet um den französischen Schauspieler Yves Massard und seine Rolle als Fernando in den Vordergrund zu stellen sucht. Ein schwieriges Unterfangen, wenn dieser im Originalfilm halt nicht der Hauptdarsteller ist. Ein weiterer wesentlicher Unterschied ist, dass die Eurociné-Version in s/w ist, eine Schande, wenn man sich die herrliche Farbgebung und Bildkompositionen von LA REINA DEL TABARÍN anschaut.

 

Auch kommt es zu einer ersten kurzen Begegnung mit Soledad Miranda, die hier ein winziges Cameo als Filmdebut abliefert. Mit Antonio Jiménez Escribano (DR. Z) hingegen hat Franco schon in LABIOS ROJOS zusammengearbeitet und wird ich auch in seinen kommenden zwei Neo-Noir besetzen. Eine kurze Gesangsnummer kommt von Dora Doll, der Ex-Frau des Schauspielers Raymond Pellegrin. Ob diese später allerdings wirklich die sadistische Wärterin in Jess Francos FRAUEN FÜR ZELLENBLOCK 9 (1978) gespielt hat, ist nicht unumstritten.

 

Hauptdarstellerin Mikaela ist eine gute Sängerin mit einem markanten, kantigen Gesicht, stolz und scharfzüngig. Wer damit nicht klarkommt, kann den Film vergessen. Aber ich schätze, es ist eh schwierig, solch ein Musical heutigen Zuschauern schmackhaft zu machen, zumal die Untertitel-Lage schwierig ist. Jess Franco würde in Folge noch VAMPIRESAS 1930 (1962) mit Mikaela drehen.

 

Die HD-Ausstrahlung des spanischen Fernsehens ist dagegen ein Traum, was die Farbgebung betrifft. Das dürfte sich kaum von der Original-Kinokopie unterscheiden. Die damaligen Filmkritiken fielen weitgehend wohlwollend aus. Ob diese guten Kritiken von den Diktator-Getreuen Filmjournalisten Franco geschmeichelt haben, möchte ich aber bezweifeln, denn dort wird wiederholt lobend das handwerkliche Können Francos erwähnt, ohne dass dieser einen eigenen Stil einfließen ließe. Das hat er später bekanntlich anders gehandhabt.

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