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Labios Rojos

Spanien, 1960

Originaltitel:

Labios rojos

Alternativtitel:

Opération lèvres rouges (FRA)

Regisseur:

Jesús Franco

Inhalt

Das Detektivinnen-Duo „Labios Rojos“ (Rote Lippen) wird von einem Mann engagiert, der behauptet, ein gewisser Mr. Kalman zu sein, um einen Diamanten wiederzubeschaffen, der ihm von dem Kriminellen Radeck (Félix Dafauce) gestohlen worden sei. Doch das Ganze entpuppt sich als Set-up, der Diamant ist falsch, der Auftraggeber löst sich in Luft auf, Radeck wird ermordet, und die Roten Lippen Mari (Isana Medel) und Lola (Ana Castor) stehen unter Mordverdacht. Doch Kommissar Fernández (Manolo Morán) glaubt nicht an ihre Schuld, und gibt den Roten Lippen 10 Tage Zeit, den wahren Mörder zu finden. Die Spur führt zu dem kleinkriminellen Nachtclubbesitzer Pablo (Javier Armet), der sich sichtlich übernommen hat, denn schließlich taucht der echte Mr. Kalman (Antonio Jiménez Escribano) auf, ein knallharter Gangster und Mörder, und der will seinen Diamanten zurück und alle aus dem Weg räumen, die es gewagt haben, sich mit ihm anzulegen.

Review

„Labios rojos“, chronologisch gesehen der zweite Film, den Jess Franco als Regisseur gedreht hat, ist eine Mischung aus Krimikomödie und Film Noir, und dieser Mix ist nicht immer gelungen. Es ist ein Film, dem Franco Fans viel entnehmen können, denn es ist die Premiere zahlreicher Themen, die Franco später, oft in besserer Umsetzung, wieder aufnehmen würde. Für Nicht-Franco-Fans wird es mal wieder schwierig, denn die Produktion war von Beginn an vom Pech verfolgt. Es begann mit massiven finanziellen Unregelmäßigkeiten, die zum Rückzug der ursprünglichen Produzenten führte, die für diese Unregelmäßigkeiten verantwortlich waren. Um den Film beenden zu können, holte man neue Finanziers oder Firmen ins Boot, doch welche das waren, verschwindet im Nebel unklarer Geldherkunft.

 

Das Detektivinnen-Duo „Rote Lippen“ kennen Genrefans natürlich mindestens aus Francos „Rote Lippen, Sadisterotica“ (BRD/Spanien 1968) und „Küss mich, Monster“ (BRD/Spanien 1969), wo sie von Janine Reynaud und Rosanna Yanni dargestellt wurden. Weitere weniger bekannte Adaptionen folgten. Doch zwischen den Adrian Hoven-Produktionen und „Labios Rojos“ liegen neun Jahre, und so ist das Frauenbild in „Labios Rojos“ noch etwas anders. In der ersten Szene mit dem Detektivinnen-Duo folgt ein Dialog, der starke Verbindung zur Darstellung der beiden Frauen in späteren Filmen aufzeigt. Hier in „Labios Rojos“ ist Ana Castor die blonde Lola, die eine Schwäche für Schauspieler und gutaussehende Gangster hat. Sie wird weniger dumm dargestellt als später Rosanna Yanni in ähnlichem Part, tatsächlich wirken die beiden Detektivinnen untereinander gleichberechtigter als das Gespann Reynaud/Yanni. Die zweite im Bunde ist in „Labios Rojos“ Isana Medel als Mari, und irgendwie ist ihre Darstellung sehr süß, denn sie ist so frühe 60er Jahre, kokett, verspielt und doch prüde. Das Rote Lippen-Duo wirkt in „Labios Rojos“ insgesamt verspielter als in späteren Filmen, Geld scheint nur eine sehr untergeordnete Rolle zu spielen, vielmehr genießen es die Zwei die Polizei – namentlich in Gestalt des Kommissars Fernández, der immer wieder anonyme Anrufe und Nachrichten von ihnen bekommt – an der Nase herumzuführen.

 

Als „Labios Rojos“ gedreht wurde, hatte Jess Franco anscheinend was mit Hauptdarstellerin Isana Medel, die er im Jahr zuvor beim Dreh seines Regie-Erstlings „Tenemos 18 años“ kennen gelernt hatte. Er zeigte sich jedoch mit ihrer schauspielerischen Leistung in „Labios Rojos“ unzufrieden und so trennten sie sich anschließend. Medel war in keinen weiteren Franco-Filmen mehr zu sehen. Ich vermute, dass Franco sie in dominanterer Rolle innerhalb des Duos gesehen hat, und das konnte sie nicht liefern. Doch es ist nicht ihretwegen, dass „Labios Rojos“ so unstet wirkt. Da will Franco eine Krimikomödie drehen, doch dann geht der Cineast mit ihm durch, und er baut zahlreiche bierernste Krimiszenen ein, die von Referenzen an berühmte Film Noir-Vorgänger nur so strotzen. Diese erwähnten Szenen sind von den Kameramännern Juan Mariné und Emilio Foriscot wundervoll fotografiert, werden dann aber von der viel zu überdramatischen Musik von Antonio García Cano erschlagen.

 

Der spätere Teil des Films dreht sich weitgehend um die Ereignisse in und um Pablos Nachtclub Stardust, und hier reißen einige Songs von anderen Komponisten (u. a. Franco selbst) heraus, was Canos Musik verpatzt. Die Detektivinnen, die wie später Reynaud/Yanni keine professionellen Tänzerinnen sind, treten dort mit einer lustigen Nummer auf, die in die Kategorie Stakkato-Stampfen fällt. Man könnte es als augenzwinkernde Referenz dazu auffassen, dass es Männern am letztendlich egal ist, was sie zu sehen bekommen, solange die Akteurinnen nur sexy sind.

 

Ungewöhnliche Wege geht Franco bei der Figur des Kommissars. Dieser wird als ein väterlicher Typ dargestellt, der den Detektivinnen aus der Patsche helfen will und gerade im späteren Verlauf wirken die Roten Lippen planlos und werden von dieser polizeilichen Vaterfigur gerettet. Das würde Franco in späteren Filmen so nicht wiederholen, das ist nicht die Art, wie Franco seine Frauen sonst darstellt. Typischer hingegen ist, dass der Bösewicht schließlich durch die Hand einer verschmähten Geliebten (Lina Canalejas) gerichtet wird. Für Fans interessant: in „Labios Rojos“ tauchen erstmals die Namen/Charaktertypen von Radeck, Kalman und Carlo Moroni auf. Denen würde man noch öfter in Franco-Filmen begegnen.

 

Aufgrund der anfangs erwähnten finanziellen Schwierigkeiten und dubioser Produktionsgeschichte dauerte es drei Jahre, bis „Labios Rojos“ erstmals in Spanien aufgeführt wurde – mit mäßigem Erfolg. Irgendwann nach Mitte der Sechziger, erfolgten Aufführungen in Frankreich. Auf DVD erschien die spanische Originalfassung bei Impacto Films, leider ohne Untertitel. Die französische Fassung, welche weitgehend identisch ist, war als Einzelveröffentlichung von Artus Films geplant, doch man scheint sich dagegen entschieden zu haben. Diese DVD legte man bisher lediglich der Buchausgabe von Alain Petits „Jess Franco: Ou les prospérités du bis“ bei. Englische Untertitel machen auch schnell den Unterschied zwischen französischer und spanischer Filmfassung klar. In der französischen Version wurde jeder Hinweis darauf entfernt, der Film spiele in Spanien. Aus Madrid wurde Monaco, usw.

Links

OFDb
IMDb

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