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Der goldene Tempel der Amazonen

Frankreich, 1986

  • Originaltitel: Les amazones du temple d'or
  • Alternativtitel:

    O Mistério do Templo de Ouro (POR)

    Golden Temple Amazons (USA)

    Temple of Amazon Women (USA)

    Amazons in the Temple of Gold

  • Regisseur: Alain Payet, Jesús Franco
  • Kamera: Henry Frogers
  • Musik: Norbert Verrone
  • Drehbuch: Jesús Franco
  • Inhalt:

    Als Simpson (Jean-René Gossart) von den Amazonen einen Sack voll Gold stiehlt, werden er und seine Frau von diesen getötet, die kleine Tochter wird von einem Hausdiener gerettet. 20 Jahre später ist aus dem kleinen Mädchen die propere Wuchtbrumme Liana (Analía Ivars) geworden, die durch den Dschungel streunt, sich von Baum zu Baum schwingt, auf Elefanten reitet und mit ihrem Schipansen spielt. Ihre Vergangenheit hat sie vergessen.

     

    Der Missionar Johnstone (Olivier Mathot), ein alter Freund der Simpsons, sucht deren altes Haus auf und muss überrascht feststellen, dass die totgeglaubte Liana noch lebt. Er erzählt ihr von der Ermordung ihrer Eltern, und die junge Frau schwört Rache. Sie macht sich auf zu den Amazonen, wird unterwegs aber von einem Eingeborenenstamm aufgehalten. Der Bruder des Häuptlings wurde von den Amazonen gekidnappt und wird als Sklave in deren Goldmine gehalten. Liana verspricht zu helfen und bekommt ihrerseits als Sidekick den lustigen Schamanen Koukou (Stanley Kapoul) mitgeschickt.

     

    Unterwegs begegnen sie dem Archäologen Harvey (Emilio Linder) und dessen Frau Bella (Alicia Príncipe), die gemeinsam mit ihrem Dschungelführer Bud (Antonio Mayans) nach dem Amazonenstamm suchen. Nachdem Koukou bei der Begegnung deren Träger verjagt hat, machen sie sich gemeinsam auf den Weg und geraten schließlich in die Gefangenschaft des Amazonenstammes.

     

    Überraschenderweise scheinen die Amazonen jedoch nicht allein von der sadistischen Rena (Eva León) angeführt, denn diese hört nur auf die Befehle des alten Uruk (William Berger). Als Uruk von der Gefangennahme der jungen Liane erfährt, will er zwar die anderen töten aber Liane selbst zur Auffrischung des Amazonenblutes nutzen, sprich, er vergewaltigt sie. Danach fällt er jedoch wie ein nasser Sack in Tiefschlaf, so dass Liana ihre Rache an ihm vollenden kann. Doch wird es ihr noch rechtzeitig gelingen, auch Koukou, die beiden Archäologen und vor allem Bud zu retten, für den sie eine Schwäche hat?

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Auf der DVD „Golden Temple Amazons“ von Media Blasters/Shriek Show erzählt Daniel Lesoeur von Eurociné eine lustige Entstehungsgeschichte zu diesem Film. Auf die Frage, wer denn nun was bei diesem Film gedreht hätte, antwortet er in etwa so: Eurociné sei doch wie eine große Familie, mal hätte also Franco Regie geführt, wenn der keine Zeit hatte, hätten auch mal Lina Romay oder gar er selbst die Regie übernommen. Was an dieser Geschichte so lustig ist? Nun, sie ist gelogen, vielmehr hat Lesoeur mit einer Art Firmenpolitik-Manifest argumentiert, die aber rein gar nichts mit dem hier besprochenen Film zu tun hat. Sogar weit gefehlt.

     

    Irgendwann im Sommer 1983 begann Jess Franco für die Larragas (Golden Films) mit den Dreharbeiten zu „Tundra y el Templo del Sol“, ein Film, der entweder aufgrund finanzieller Limitierung oder mangels Endbearbeitung nicht fertig gestellt werden konnte - so genau weiß das niemand. Gedreht wurde in den Palmengärten von Elche in der Region Valencia, rund 20 km von Alicante entfernt. Dort entstanden auch die Tieraufnahmen, wobei der Wildpark heute wohl nicht mehr existiert. Franco führte Regie und war gemeinsam mit Juan Soler für die Kameraarbeit zuständig. Wie auch immer, der Film war nicht fertig, und Franco schlug vor, das gedrehte Material Eurociné anzubieten. Zwischen den Larragas und Lesoeur entbrannte allerdings ein Streit, über den sich niemand Einzelheiten aus der Nase ziehen lässt, und am Ende dieses Streits entschloss sich Eurociné anscheinend, den Film einfach zu behalten. Man ließ von Porno-Payet Szenen nachdrehen, wodurch es zur Anwesenheit von Olivier Mathot, Jean-René Gossart und Francoise Blanchard kam. Im Grunde ist es einfach – alle Szenen mit Mathot und die Rückblenden auf die Simpsons stammen von Alain Payet.

     

    Das Rätsel um die Urheberschaft von „Der goldene Tempel der Amazonen“ ist damit weitreichend geklärt. Später folgt lediglich noch ein Verwirrspiel um die Registrierung. Die Uraufführung des Films ist – man glaubt es kaum – die deutsche VHS von Geiselgasteig, welche 1986 erschien. Erst im Dezember 1986 dagegen ließen Eurociné diesen Film überhaupt erst als ihr Eigentum registrieren. Aber selbst da war ihnen die Sache wohl noch nicht geheuer, denn erst 1990 wurde der Film im Verleih von Eurociné in Pariser Kinos gezeigt, mit mäßiger Resonanz von Seiten der Zuschauer. Im Vorspann wiederum prangt ein Copyright auf „Brux Inter Films“ (Brux International Pictures), die nun wieder gar nichts mit dem Ding zu tun hatten. Verschleierungstaktik? Egal, kommen wir zum eigentlichen Inhalt.

     

    Der Großteil des Films stammt also von Franco, und doch ist „Der goldene Tempel der Amazonen“ ein eher zweifelhaftes Vergnügen, nicht nur für Franco-Hasser, sondern auch für Fans. Als Fan möchte ich Folgendes festhalten: „Der goldene Tempel der Amazonen“ hat mich immerhin besser unterhalten als vergleichbare Franco-Dschungelfilme wie „Mondo Cannibale 4. Teil: Nackt unter Wilden“ (El tesoro de la diosa blanca/Diamonds of Kilimandjaro, 1983) oder „La esclava blanca“ (1985). Warum? Es gibt schöne Landschafts- und Tieraufnahmen, die Geschichte wird weitgehend flüssig und optische ansprechend umgesetzt. Und da ich eher einfach gestrickt bin, kann ich mich auch locker 85 Minuten mit dem Anblick von Analia Ivars 20-jährigem und damals recht properem, Körper unterhalten. Ferner wird einem ein denkwürdiger Auftritt von William Berger mit viel zu tief sitzendem Lendenschurz geboten. Ein besserer Franco-Moment: der Dialog zwischen Uruk/Berger und der Amazonen-Anführerin Rena/León, schön gefilmt und unverhohlen Sado-Maso. Auch die unfreiwillige Komik kommt nicht zu kurz, denn es ist schon irgendwie komisch, wenn Uruk Liana eröffnet, dass er für die Ermordung ihrer Eltern verantwortlich ist, sie anschließend genüsslich vergewaltigt, und dann gemütlich auf dem Kanapée eindöst als drohe ihm keinerlei Gefahr von Liana, die nach wie vor ihr Buschmesser hat.

     

    Kommen wir zu den Tiefpunkten, nämlich dem Eurociné-Anteil. Eine unglaublich billige Synthie-Scheißmusik tötet jede Stimmung. Alain Payet dreht einen Dialog zwischen Olivier Mathot und Analia Ivars, der wirklich betroffen macht. Mathot spricht mit ihr wie zu einer Dreijährigen, und apropos unfreiwillige Komik – Liana/Ivars ist wirklich niedlich anzusehen, wirkt aber tatsächlich weitgehend einfältig in ihrer Rolle. Wenn sie dann in der Höhle vor dem Amazonengebiet viel später auf das Schlafgas reagiert als ihr Begleiter, kann man ein Schmunzeln nicht unterdrücken. Offenbar dauert es länger, bis Informationen in ihrem Kopf ankommen. Okay, das war gemein. Zudem wirkt sie in einigen Momenten, etwa wenn sie ausgelassen an der Liane schwingt, richtig fröhlich und sympathisch. Richtig gemein sind aber die Schauspielkünste von Jean-René Gossart, welcher in den Payet-Szenen Lianas Vater spielt. Der Glatzkopf ist mir mit seinem Overacting schon in einigen Eurociné-Werken wie Pierre Chevaliers „Kommando Panther“ (The Panther Squad, 1984) und Andrea Bianchis „Maniac Killer“ (1987) unangenehm aufgefallen.

     

    Die Credits von „Der goldene Tempel der Amazonen“ sind eine Katastrophe von Pseudonymen und Falschangaben, typisch Eurociné eben. In den USA ist kürzlich eine Blu-ray von MVD Classics erschienen, die von der Bild- und Tonqualität des Hauptfilms her durchaus empfohlen werden kann. In Sachen Extras hält man sich dagegen mit keinerlei Schnickschnack auf: kein Bonusmaterial, keine Untertitel für die französische Tonfassung. Das englische Dubbing ist aber vertretbar.

     

    Zum Schluss bleiben noch zwei Dinge zu erwähnen. Man sieht drei verweste Leichen, und wie hat man wohl die Special Effects hierfür gemacht? Nun, das HD-Bild fördert es zutage: die „Verwesung“ sind bunt zusammengeklebte Stoffflicken. Im Finale recycelt Franco zudem ein Szenario aus „Eine Jungfrau in den Krallen von Frankenstein“ (La maldición de Frankenstein, 1973). Rena peitscht das gefesselte Archäologenpaar, während diese in einem Kreis aus goldenen Metallspitzen stehen. Immerhin wackeln diese diesmal nicht. Und wer macht Dschungelmädchen Liana eigentlich jeden Morgen die Dauerwelle? Ihr Schimpanse?

  • Autor: Gerald Kuklinski
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