Suchen

Gefangene Frauen

Schweiz, 1980

  • Originaltitel: Gefangene Frauen
  • Alternativtitel:

    Prostitutas encarceladas (ESP)

    Le corps et le fouet - Femmes captives (FRA)

    Les prisonnières de l'île aux rats (FRA)

    Folli piaceri delle porno prigioniere (ITA)

    Women's Penitentiary VII (USA)

    Caged Women

    Island Women

  • Deutsche Erstaufführung: 28. März 1980
  • Regisseur: Erwin C. Dietrich
  • Kamera: Peter Baumgartner
  • Musik: Walter Baumgartner
  • Drehbuch: Erwin C. Dietrich, Melvin Quiñones
  • Inhalt:

    Einer fiktiven Diktatur in Südamerika droht Besuch von einer UNO-Untersuchungskommission wegen ein paar nicht ganz freiwilligen Prostituierten aus Europa. Doch Carla (Karine Gambier), die Geliebte des Präsidenten (Will Stoer), hat eine Idee. Vom Militär lässt sie die besagten Damen auf die „Ratteninsel“ Tagomago bringen, wo sie von Carla mit eiserner Hand wie in einem (Sexfilm-)Frauengefängnis gehalten werden. Als den drei Insassinnen Rita, Rosi und Lisa (Brigitte Lahaie, Nadine Pascal und France Lomay) aber die Flucht gelingt, droht auch das Ende für den Präsidenten.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „Ich stelle fest, die Natur ist viel schöner als die Einklebebilder, die ich gesammelt habe.“

     

    Nach dem Ende der Zusammenarbeit zwischen Produzent Erwin C. Dietrich und Regisseur Jess Franco drehte Dietrich mit den drei Hauptdarstellerinnen aus dem überaus erfolgreichen „Sechs Schwedinnen im Pensionat“ (1979) Brigitte Lahaie, Nadine Pascal und France Lomay den an Francos ebenso erfolgreichen „Frauengefängnis“ (1975) angelehnten WIP-Film „Gefangene Frauen.“ Hinzu kam noch Karine Gambier, frisch aus dem „Die Nichten der Frau Oberst“-Remake. Alle vier Damen kann man uneingeschränkt als Stars des französischen Golden Age of Porno bezeichnen. Tatsächlich soll Brigitte Lahaie sich auch darüber gewundert haben, dass Dietrich keine Pornoszenen von ihr verlangte, da sie für ihre Auftritte in den Elite-Filmproduktionen scheinbar außergewöhnlich gut bezahlt wurde. Alle Vier kann man zudem als brauchbare Schauspielerinnen bezeichnen, wobei ich persönlich mit Karine Gambier eher wenig anfangen kann, sowohl was ihre Darstellungskunst als auch ihre optischen Reize betrifft. Aber das ist wohl Geschmackssache, zumindest Letzteres.

     

    „Gefangene Frauen“ hat eine äußerst dünne und doofe Handlung, und ihm fehlt die Düsterkeit der WIP-Filme von Franco, weshalb diese Review wohl wieder in Aufzählungen der Beteiligten enden wird. Wobei das meiner Ansicht nach sogar Sinn macht bei diesem Film, denn wir erleben hier eine durchaus humorvolle Hommage, in vielerlei Hinsicht. Da die Story mit einem Gespräch zwischen dem Präsidenten (Will Stoer/Willy Bosch, eigentlich ein Maler) und seiner Geliebten Carla beginnt, fehlte wohl etwas Schmissiges für den Titelvorspann. Also wird uns die Wahl zur Miss Busen aus Dietrichs „Die Mädchenhändler“ (1972) präsentiert, zu sehen gibt es die Kuschelpaare von Christa Free, Claudia Fielers, Nadine de Rangot, Ilonka List und Melitta Tegeler. Nach diesen ersten beiden Szenen lernen wir die drei Prostituierten Rita, Rosi und Lisa kennen, aus der Sicht von Peep-Show-Zuschauern. Hinter kleinen Sichtfenstern räkeln sich Lahaie, Lomay und Pascal, bieten ihre Körper recht offenherzig potenziellen Kunden an. Hier ergibt sich auch ein witziger Moment, denn Brigitte Lahaie wird zunächst von irgendeinem ungenannten dunkelhaarigen Statisten durch das Fenster beobachtet, bei der anschließenden Ansicht aus dem Innenraum sieht man allerdings das lüstern aufgerissenen Augenpaar von Kameramann Peter Baumgartner durch das Sichtfenster starren.

     

    Die Mädels bedienen kurze Zeit später ihre Kunden, da kommen Soldaten reingestürmt (vorbei an Eric Falks Ex-Frau) und nehmen die Damen mit. Dabei wird eine schlanke unbekannte Darstellerin von einem Soldaten vergewaltigt, der nicht mal seine Hose dazu aufmacht. Weiter geht’s auf der Ratteninsel, wo (nicht nur) ein kurios inszenierter Moment folgt. Karine Gambier als Carla will einen großen Auftritt, lässt die gerade erst angekommenen weiblichen Gefangenen in einer Arena versammeln, während sie ihnen in Lederoutfit- und -Mütze von oben herab eine Ansprache halten will. Dietrich nimmt diesem Auftritt seinen Effekt aber dadurch, dass er uns zuvor zeigt, wie Gambier sich für diesen Moment ankleidet und die engen Hosen zurechtruckelt. Eine verschenkte Szene. Darauf folgen ein paar typische WIP-Elemente, die aber eher komisch sind. Eric Falk – der sich in „Gefangene Frauen“ auf dem Höhepunkt seines ausgefeilten Mienenspiels befindet – spritzt die schmutzigen Mädels mit einem (diesmal nicht seinem) Schlauch ab, vorangetrieben werden sie von Erwin C. Dietrich persönlich mit der Maschinenpistole. Natürlich will ich nicht den ganzen Film hier spoilern, aber erwähnt sei noch der Besuch beim „Arzt“, gespielt von „Mad Foxes“-Regisseur Paul Grau. Mit Kondom überm Finger und einer Schicht Gleitcreme darüber untersucht er die Schatzkästchen der Darstellerinnen und sieht dabei echt schräg aus, wie auch in seinen weiteren Szenen. Dazu mehr als übertriebenes Gestöhne der Damen. Als Hommage an Francos „Frauengefängnis“ ist wohl auch das Ende des Doktors mit dem Flutschfinger zu verstehen – eine Schere in den Rücken, ebenso wie in „Frauengefängnis.“

     

    „Gefangene Frauen“ ist wie gesagt eher leicht inszeniert – also typisch Dietrich. Selbst die Auspeitschung, die Eric Falk an einer der Darstellerinnen vornehmen darf, wirkt eher zahm, ebenso wie eine Metallbett-Hommage an Francos „Frauengefängnis.“ Eric Falk darf wiederum seine Judo-Kenntnisse demonstrieren und bekommt eine ordentliche Abreibung von France Lomay. In einem Interview (geführt von Uwe Huber) erzählte Falk, wie er der Darstellerin damals erklärt habe, welche Griffe sie anzuwenden habe, wie sie ihn werfen soll, er habe sich entsprechend fallen gelassen, etc. Erwin C. Dietrich hört sich seine Ausführung ruhig bis zum Ende an, bevor er Falk mitteilt, dass Lomay selbst einen Schwarzen Gürtel hatte. So ist wohl überhaupt erst die Idee für die Szene entstanden. Leicht inszeniert sind ebenfalls die Softcore-Szenen, die hauptsächlich aus dem sich drei Mal wiederholenden Szenario nächtlicher Besuche von Wachsoldaten bei den drei Hauptdarstellerinnen bestehen. Einer dieser Wachsoldaten und Teil des Schlussgags von „Gefangene Frauen“ ist der in der Schweiz keineswegs unbekannte Helmi Sigg, der auch 1981 in Paul Graus „Mad Foxes“ mitspielte.

     

    Die Außenaufnahmen entstanden auf Ibiza, und hier kann man wohl auch eine Art Insider-Witz finden, den ich wohl einfach nicht verstehe, weil ich noch nie in dieser Ecke war. Wie oben beschrieben soll der Film ja in Südamerika spielen, aber die sogenannte „Ratteninsel“ Tagomago gibt es tatsächlich – kurz vor Ibiza nämlich. Aber warum Ratteninsel? „Gefangene Frauen“ ist mit Spaß an der Sache inszenierte WIP-Kost und sehr unterhaltsam. Und wer einer nackten Brigitte Lahaie nichts abgewinnen kann, dem ist nicht mehr zu helfen.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Veröffentlichungen:

    Empfehlenswert ist hier natürlich die Ascot/Elite Blu-ray. Auf einer BD50 findet sich der ungekürzte Hauptfilm (92 Min.) in Deutsch oder Englisch und wahlweise mit einem überaus interessanten und witzigen Audiokommentar mit Erwin C. Dietrich, Eric Falk und Uwe Huber. Als Bonus gibt es die Featurette „Sunshine-Judo auf Ibiza“ sowie ein Interview mit Peter Baumgartner zu seiner Karriere. Im ROM-Teil ein älteres Interview mit Dietrich sowie „Mädchen, Machos und Moneten“ von Benedikt Eppenberger und Daniel Stapfer. Näheres zum Bonusmaterial im OFDb-link.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Filmplakate

    Links

    OFDb
    IMDb

    Bitte Kommentar schreiben

    Sie kommentieren als Gast.