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Frauengefängnis

Schweiz, 1976

  • Originaltitel: Frauengefängnis
  • Alternativtitel:

    Jailhouse Wardress (ARG)

    El reformatorio de las perdidas (ESP)

    Femmes en cage (FRA)

    Caged Women (GBR)

    Penitenziario femminile per reati sessuali (ITA)

    Barbed Wire Dolls (USA)

    Women's Penitentiary IV

  • Deutsche Erstaufführung: 23. April 1976
  • Regisseur: Jesús Franco
  • Kamera: Jesús Franco
  • Musik: Walter Baumgartner, Daniel White
  • Drehbuch: Jesús Franco
  • Inhalt:

    Die aus einem wohlhabenden Umfeld stammende Maria (Lina Romay) ist wegen Mordes an ihrem Vater verurteilt und kommt in das berüchtigste Frauengefängnis des Landes, dass von einer sadistischen Wärterin (Monica Swinn) geführt wird. Diese foltert nicht nur einzelne Gefangene sondern gibt sich mit ihnen auch ihren abartigen sexuellen Gelüsten hin und führt ebenso dem impotenten Gouverneur Warren (Roger Darton) Frauen zu. Ebenso abscheulich ist Wärter Nestor (Eric Falk), der für die „Erziehung“ der straffälligen Frauen zuständig ist und zur Belustigung des Gouverneurs Frauen vergewaltigt. Dem Gefängnisarzt Carlos Costa (Paul Muller) ist genauso wenig zu trauen, handelt es sich bei ihm letztendlich nur um einen Pfleger, der einst die Stelle des eigentlichen unter seltsamen Umständen verstorbenen Arztes annahm.

     

    Was Maria nicht ahnt: sie ist unschuldig am Mord ihres Vaters, und der tatsächliche Mörder wird alles in seiner Macht stehende tun, dass sie nie wieder frei kommt. Besonders abgesehen hat es die Gefängnismannschaft zudem auf Bertha Contrini (Martine Stedil), eine Gefangene, die Briefe aus dem Zuchthaus schmuggelt, um auf die schrecklichen Zustände dort aufmerksam zu machen. Leider schickt sie diese ausgerechnet an den Gouverneur, der völlig unberechtigt in dem Ruf steht, ein gütiger Mann zu sein. Und so kann ein Fluchtversuch der Frauen, mit dem Ziel den Gouverneur zu erreichen, nicht gut enden.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    1975 kam es zu einem ersten Kontakt zwischen Regisseur Jesús Franco und dem Schweizer Produzenten Erwin C. Dietrich. Nach einem kurzen Telefonat traf sich Franco mit Dietrich, mit einem gelben Poncho bekleidet und einer kleinen Reisetasche in der Hand. Er wolle bzw. würde einen Film mit dem Titel „Frauengefängnis“ machen und bräuchte etwas Geld für Filmmaterial und die Nachbearbeitung. Dietrich willigte ein, solange der Film in Cinemascope wäre. Und nun möchte ich für ein wenig Verwirrung sorgen.

     

    Wir Franco-Fans wissen natürlich um „Jailhouse Wardress“ (Les gardiennes du pénitencier, 1979, in Deutschland von X-Rated als „Frauengefängnis 2“ veröffentlicht), der zum Großteil aus Szenen von „Frauengefängnis“ besteht. Franco sagt, er habe absolut nichts mit diesem Rip-off zu tun gehabt und könne das auch beweisen. Denn „Frauengefängnis“ sei eben in Cinemascope (Format 1.85 : 1) gedreht, „Les gardiennes du pénitencier“ dagegen in Vollbild (1.66 : 1). Somit bleiben zwei Möglichkeiten. Alain Deruelle, dem „Les gardiennes du pénitencier“ zugeschrieben wird, könnte natürlich die ganze Chose mit einer anderen Kamera von der Leinwand abgefilmt und somit von Francos Film gestohlen haben. Auf Möglichkeit Nummer 2 machte Monica Swinn in einem Interview aufmerksam. Sie sagte, der Film sei fast fertig gewesen als Franco plötzlich – nach seiner Rückkehr von Dietrich – alles nochmal drehen ließ. Das fiel auf, weil Franco selten Szenen nachträglich wiederholen ließ, und jetzt plötzlich einen fast fertigen Film? Und dann geschah dieses Plagiat durch die Produktionsschmiede von Eurocinè, mit denen Franco so oft gearbeitet hat – Zufall? Der Rest sei Eurer Phantasie überlassen.

     

    Als Erwin C. Dietrich den fertigen Film „Frauengefängnis“ erstmals sah, sei er am Boden zerstört gewesen, so sagt er. Er hielt das Ergebnis für unbrauchbar. Warum? Franco hatte selbst die Kamera geführt, und wir wissen, wie sowas aussieht. Keine Stative, viele verwackelte Bilder und unscharfe Szenen. Dann der „Realismus.“ Ich hoffe, Dietrich hat das nur technisch gemeint, denn die Story ist von Realismus so weit entfernt wie nur irgendwas. Letztendlich ließ er sich aber von Franco überzeugen, und „Frauengefängnis“ wurde ein gewaltiger Kassenerfolg, der zur Produktion von 15 weiteren Franco-Filmen durch Elite Film führte. Die Nachbearbeitung und Synchronisation wurde durch Elie Film durchgeführt, und das ist wohl auch das einzige Manko der Franco/Dietrich-Filme. Die Dialoge sind übel, hier noch nicht so übel wie beispielsweise in „Frauen ohne Unschuld“ (Wicked Women, 1978), aber ein Trend ist bereits erkennbar. Deutschland ist der Film noch immer Indiziert, und Erwin C. Dietrich glaubt nicht, dass sich das je ändern wird.

     

    Das Erfolgsrezept von „Frauengefängnis“ ist harter Tobak. In wahrlich minimalistischer Inszenierung bekommen wir ein Bild von ultimativer Hoffnungslosigkeit präsentiert, symbolisiert durch die Leiden halb- oder gänzlich unbekleideter Frauen und deren Machthabern, die jene Macht auf nur jede erdenkliche Weise missbrauchen. Franco kehrt dabei auch zurück zu seinem Erfolg „Der heiße Tod“ (1969) und entnimmt diesem beispielsweise die Figur des impotenten Gouverneurs. Roger Darton ist freilich kein Herbert Lom, spielt seine Rolle dennoch überzeugend. Eine überzeugende Karikatur einer sadistischen Wärterin gibt Monica Swinn zum Besten, wobei ihre Begierden sich nicht ausschließlich auf Sadismus beschränken. Lässt sie sich aber von einer Gefangenen beim Liebesspiel demütigen, wird diese anschließend bestraft. Lina Romay agiert in „Frauengefängnis“ weitgehend zurückhaltend. Ein besonderes Schmankerl ist hier natürlich die „Zeitlupen-Szene“, die keine ist, mit Franco in der Rolle ihres Vaters. Denkwürdig.

     

    Wenig anfreunden kann ich mich mit den Parts von Beni Cardoso (die Schwachsinnige) und Peggy Markoff (die Pompadour), leider wird Franco diese zwei Charaktere in weiteren Dietrich-Produktionen variieren. Sehr anfreunden kann ich mich dagegen mit Martine Stedil, die einfach eine wunderschöne Frau mit einem wundervollen Paar Brüste und augenscheinlich auch keine Spielverderberin ist. Ihre „Liebes“-Szene mit Monica Swinn ist erinnernswert. Nachdenken darf man über die Handlung des Films allerdings nicht. Warum glauben die aus dem Gefängnis entflohenen Frauen, dass sie beim Gouverneur sicher wären? Bertha hat doch bereits ihre schlechten Erfahrungen mit ihm gemacht. Und was ist mit Bertha? War sie bereits tot als der Wärter (Eric Falk) sie vergewaltigt oder hat Raymond Hardy sie beide erschossen, und wenn ja, warum sollte er? Er stand doch auf Bertha. Zum Glück ist mir bei einigen Arten von Filmen die Handlung nicht so wichtig.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Veröffentlichungen:

    Die ultimative Veröffentlichung von „Frauengefängnis“ ist natürlich die Blu-ray, die Ascot Elite in der „Jess Franco Golden Goya Collection“ veröffentlichte. Neben dem Hauptfilm in Deutsch, Englisch oder Französisch gibt es drei Featurettes, ein Interview mit Erwin C. Dietrich und Eric Falk, ein weiteren Interview-Teil mit Jess Franco, Dietrich und Lina Romay sowie – für mich das interessanteste Feature – ein Audiointerview mit Franco aus dem Jahre 1976.

     

    Oh, und irgendjemand sollte Eric Falk sagen, dass Fernando Di Leo nie einen Film mit Bud Spencer und Terence Hill gemacht hat, somit hat ihm sein Agent offenbar auch da die Hucke vollgelogen. Falk muss sich also nicht grämen, dass er hier eine große Chance verpasst haben könnte, besagter Film existiert nicht.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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