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Black Boots, Leather Whip

Spanien, 1983

Originaltitel:

Botas negras, látigo de cuero

Alternativtitel:

Botas Negras, Chicote De Couro (BRA)

Stivali neri, frusta di cuoio (ITA)

Regisseur:

Jesús Franco

Kamera:

Juan Soler

Drehbuch:

Jesús Franco

Inhalt

Al Pereira (Antonio Mayans) will sich gerade wegen einiger Schulden bei Gangsterboss Gene (Alfredo Kier) aus dem Staub machen als die Nachtclub-Performerin Lina (Lina Romay) ihm einen lukrativen und nach ihren Worten einfachen Job anbietet. Aus einem Autowrack soll er eine Tasche für sie holen, dafür wird er fürstlich entlohnt, mit Geld und Sex. Allerdings wird er beim Autowrack erwartet und tötet zwei Männer, weshalb nun die Polizei nach ihm sucht. Da macht Lina ihm ein weiteres Angebot: wenn er ihren bisexuellen Liebhaber Gene (den Gangsterboss) und dessen drei Partner tötet, wird sie alles erben, sich mit Pereira nach Frankreich absetzen und ihn Lieben und Ehren bis … an sein Ende.

Review

BLACK BOOTS, LEATHER WHIP war Jess Francos erster Film des Jahres 1982, ein sehr beschäftigtes Jahr mit 13 gedrehten Filmen. Im Januar erfolgten die Dreharbeiten, nebenher entstanden bereits Szenen für THE SINISTER DR. ORLOFF (El siniestro doctor Orloff, 1984) und THE HOUSE OF LOST WOMEN (La casa de las mujeres perdidas, 1983). In spanischen Kinos war BLACK BOOTS, LEATHER WHIP ab Oktober 1982 zu sehen.

 

BOTAS NEGRAS, LÁTIGO DE CUERO kann man durchaus als Beginn einer neuen Schaffensphase Jess Francos bezeichnen. Mit Golden Films im Hintergrund, die sich nicht die Bohne für den Inhalt der Filme interessierten, sondern lediglich ein Clasificada S-Rating und die Einhaltung des Budgets (pro Film) forderten, hatte Franco nun absolute Narrenfreiheit, zumindest in gewissem finanziellen Rahmen. Dies würde sich auf den Stil der kommenden Filme auswirken, und BOTAS NEGRAS, LÁTIGO DE CUERO markiert sozusagen den Beginn.

 

Manche dieser Filme machen den Eindruck als wäre nur eine oder wenige Szenen bzw. Ideen die Existenzberechtigung für den Beginn der Dreharbeiten. Erst während des Drehs scheint sich entschieden zu haben, wie viel Sorgfalt dem Projekt letztendlich angedeihen würde. Franco hat in dieser Phase Herausragendes und Belangloses geschaffen. Interessant ist auch die Herangehensweise. Die Filme waren kommerzielle Produkte, und dennoch ist ein gewisser Experimentalstil nicht zu leugnen. Spiele mit Licht und Kamera, manchmal die seltsamsten Einsätze von Musik in der Filmgeschichte und selbstredend die familiäre Atmosphäre – ungewöhnlich für ein kommerzielles Filmprodukt – in der man mit kaum zwei Handvoll guter Bekannter, Freunde und einer Kamera einsame Strände, belebte Straßen (mit unfreiwilligen Zufallsstatisten) und Hotelzimmer in Beschlag nimmt. BLACK BOOTS, LEATHER WHIP spiegelt all dies wider, mit Ausnahme von unfreiwilligen Statisten, tatsächlich ist die Szenerie eher einsam. Aber es war halt Januar, da ist an der Costa del Sol nicht viel los.

 

Die Geschichte ist zunächst bekannt. Ein Detektiv mit zweifelhaftem Ruf wird in zweifelhafte Dinge hineingezogen, von einer Frau natürlich, mit ebenso zweifelhaftem Ruf. Al Pereira ist wieder da. Was wie eine straighte Kriminalerzählung beginnt, schlägt aber schnell francoeske Wege ein. Linas Liebhaber oder Ehemann ist ein bisexueller Gangsterboss. Dass Franco diesbezüglich ausnahmsweise ein stimmiges Charakterbild eines solchen gelungen ist, darf man ruhig dem Darsteller Alfredo Kier zuschreiben. Denn obwohl Franco schon seit Beginn seiner Karriere viel mit Homosexuellen gearbeitet hat und auch gut befreundet war, sind seine Darstellungen solcher Charaktere in seinen Filmen oft von mal weniger unerträglichen und dann wieder von schwer ansehbaren Klischees durchwirkt.

 

Höhepunkt von BOTAS NEGRAS, LÁTIGO DE CUERO ist die titelgebende Sequenz, die mit Sicherheit auch Francos Ideenquelle war. Al Pereira will einen der Köpfe hinter der Gangsterbande erschießen, eine blinde Ärztin (ok…?). Sie lockt ihn in ein Zimmer, wo er erwartet wird. Ein Stricher, der nicht nur mit Gangsterboss Gene sondern auch mit Pereiras Lebensgefährtin (Rocío Freitas) eine Affäre hat, hält ihm eine Waffe an den Kopf. Die Domina Bruta (Asunción Calero) zwingt ihn so sich auszuziehen und peitscht ihn zum Lustgewinn der blinden Doktorin, die sich währenddessen mit einem Gehstock (der eine versteckte Klinge enthält) warmrubbelt. Ein Höhepunkt für den Zuschauer, ein Tiefpunkt in der Karriere des Detektivs.

 

Während Jess Franco die eigentliche Kriminalstory ebenso rudimentär wie effektiv erzählt, fallen einige wundervoll gefilmte Sequenzen auf, siehe Screenshots.

 

BLACK BOOTS, LEATHER WHIP ist Franco gut gelungen, unterhaltsam auch für Nicht-Franco-Fans (bitte trotzdem nicht mit den Kindern anschauen), wird aber nie zu meinen persönlichen Lieblingsfilmen des spanischen Maestros gehören.

Veröffentlichungen

BOTAS NEGRAS, LÁTIGO DE CUERO erschien im August 2021 von Severin Films unter dem Titel BLACK BOOTS, LEATHER WHIP in den USA auf Blu-ray. Der Hauptfilm liegt in Spanisch mit englischen Untertiteln vor. Außerdem ist ein Audiokommentar von Robert Monell und Rodney Barnett vorhanden.

 

Als Bonus gibt es Teil 5 der Doku „In the Land of Franco“ mit Stephen Thrower und Antonio Mayans auf Location-Tour. Diesmal geht es in die Ferienanlage aus DIE SÄGE DES TODES (1981), den „Dschungel“ aus MONDO CANNIBALE 3. TEIL – DIE BLONDE GÖTTIN DER KANNIBALEN (Mondo cannibale, 1980) und auf das Castillo de Santa Bárbara (DER HEISSE TOD, 1969 und viele andere). Ferner gibt es ein 30-minütiges Feature, in dem Stephen Thrower über den Film erzählt.

Filmplakate

Links

OFDb

IMDb

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