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Vampyres

Spanien | Vereinigtes Königreich, 1974

  • Originaltitel: Vampyres
  • Alternativtitel:

    Ossessione carnale (ITA)

    Las hijas de Drácula (ESP)

    Vampyres: Daughters of Darkness (USA)

    Daughters of Dracula (USA)

    Blood Hunger (USA)

    Satan's Daughters (USA)

    Vampyre Orgy

  • Regisseur: José Ramón Larraz
  • Kamera: Harry Waxman
  • Musik: James Kenelm Clarke
  • Drehbuch: Diana Daubeney, José Ramón Larraz, Thomas Owen
  • Inhalt:

    Auf dem englischen Land laben sich zwei Vampirinnen an einsamen Herren und werden dabei von einem Touristenehepaar misstrauisch beäugt. Doch wie es so ist, die beiden trauen ihren Augen nicht und können sich auf die seltsamen Vorgänge keinen Reim machen. Indessen wird der Geschäftsmann Ted (Murray Brown) seltsamerweise nicht von der Vampirin Fran (Marianne Morris) wie die anderen Opfer getötet, sondern er erlebt stets den nächsten Morgen. Doch anstatt seine Gelegenheit zur Flucht zu nutzen, kehrt er immer wieder zu der begehrenswerten Frau zurück – und dann ist es zu spät, für alle.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Kaum zu glauben, aber José Ramón Larraz „Vampyres“ war für mich eine Erstsichtung. Manchmal, da liegt ein Film im Regal, man weiß, dass einen etwas Besonderes erwartet, und so schiebt man den unvermeidlichen Genuss noch ein wenig vor sich her. Oder ein paar Jahre.

     

    „Vampyres“ bietet eine Art Abschluss für Larraz. Seine Frühphase, in der er alle seine Filme vorwiegend in England drehte, neigte sich dem Ende. 1976 würde er nach Spanien zurückkehren. Für den britischen Produzenten Brian Smedley-Aston hatte er bereits „Symptoms“ (1974) gedreht, und auf die Frage, ob er denn noch eine Idee für ein weiteres Projekt habe, konterte Larraz mit „irgendwas mit Vampiren.“ Bedient hat er sich hier sichtlich bei Jean Rollin und der Hammer Karnstein-Trilogie, hat dies aber in seinen eigenen Stil umgesetzt. Die gewohnt sorgfältig umgesetzten Landschaftsaufnahmen – inszeniert um den Herrensitz Oakley Court in Windsor, Berkshire (auch zu sehen in zahlreichen Hammer-Produktionen) – werden ergänzt durch ein nicht zu unterschätzendes Bündel an Erotik und Massen von Kunstblut. Kameramann dieser Bilder war diesmal Harry Waxman (der im Jahr zuvor Robin Hardys „The Wicker Man“, 1973, filmte), Larraz hat allerdings ein paar Landschaftsaufnahmen von Trevor Wrenn aus „Symptoms“ (1974) mit reingeschmuggelt.

     

    Die Musik in „Vampyres“ stammt von James Kenelm Clarke, der neben seiner Tätigkeit als Filmkomponist auch selbst einige Male Regie führte. Abgesehen von „House on Straw Hill“ (Exposé, 1976) mit Udo Kier kam bei Letzterem allerdings nichts Gescheites raus. Das Drehbuch zu „Vampyres“ war inspiriert von Thomas Owen und ist gecredited an Larraz‘ damalige Lebensgefährtin (oder Ehefrau?) Diana Daubeney. Dies hatte jedoch rechtliche Gründe, tatsächlich hat Larraz das Drehbuch selbst verfasst, „unterstützt“ von seinem Produzenten, der ihm die Wahl ließ, ob er jetzt beim Schreiben mit dem Streichen beginnen soll oder erst später beim Schnitt. Offenbar enthielt Larraz‘ Script einige Dinge, von denen Smedley-Aston überzeugt war, sie nicht durch die englische Zensur zu bekommen. Dies galt allerdings ebenso für den fertigen Film, der für den britischen Kinostart (als Double Feature mit „The Devil’s Rain“) um drei Minuten an Sex und Gewalt gekürzt wurde.

     

    Was die Larraz-typischen Gewaltexplosionen betrifft, so sind diese in „Vampyres“ – im Vergleich zu seinen vorherigen Regiearbeiten – sowohl expliziter als auch zahlreicher. Tatsächlich werde ich die Pre-Creditsequenz wohl erst bei einer Zweitsichtung verstehen, denn auch wenn diese die beiden Vampirinnen enthält, die von einem Unbekannten erschossen werden – verstehe ich nicht, wieso, warum, weshalb, und was das mit dem nachfolgenden Film zu tun hat. Egal. Als weitere – wohl kameratechnisch bedingte - Schwäche des Films kann den großzügigen Umgang mit Tag- und Nachtszenen betrachten, denn es wird wiederholt deutlich, dass Larraz‘ Vampirinnen Nachtgeschöpfe sind, trotzdem sieht man sie immer wieder bei Tagaufnahmen.

     

    Während die Rollen der beiden attraktiven Vampirinnen – trotz hoher Attraktivität der Darstellerinnen Marianne Morris und Anulka Dziubinska – mangels darstellerischer Überzeugungskraft eher farblos bleiben, bietet die Rolle des Ted – gespielt von Murray Brown, einen interessanten Blickwinkel. Wie die anderen Opfer nimmt er die Vampirin Fran als Anhalterin mit und lässt sich von dieser zum Herrenhaus und zu einer rauschenden Liebesnacht verführen. Dann wird es interessant, denn offenbar ist dieser wenig attraktive und schon leicht in die Jahre gekommene Geschäftsmann eine Rakete im Bett, denn er darf noch ein paar Tage weiterleben. Zwar trinkt die Vampirin während, bzw. nach – dem, Liebesakt aus einer Schnittwunde an seinem Arm Blut, doch am Morgen erwacht er stets aufs Neue und allein. Wieso flieht er nicht, er ahnt doch längst, dass einiges nicht mit rechten Dingen zugeht? Irgendwie erscheint dies wie eine Adaption der Phantasie, wie schön es doch sei, beim Sex zu sterben, denn er legt es sichtlich drauf an.

     

    Ebenso interessant ist die Besetzung eines der Opfer mit Karl Lanchbury. Dieser hatte bei Larraz immerhin drei Mal den frauenfeindlichen Soziopathen oder gar Killer gegeben, in „Flash Light“ (Whirlpool, 1970), „Deviation“ (1971) und „Scream... and Die!“ (1973). In „Vampyres“ wird Lanchbury nun selbst zum Opfer, in einem blutigen Inferno von zwei Frauen ausgeschlachtet bis zum Gehtnichtmehr. Ein Versöhnungsversuch?

     

    Bei allem Lob zur technischen Umsetzung kann man nach „Vamypres“ nun ein Fazit in Bezug auf Larraz‘ Frühwerk ziehen. Er war ein Kontrollfreak. Trotz wechselnder Crew und Kameraleute ist es sein persönlicher Stil, der sich stets die Bahn bricht. Die Art der Bilder, die Dekorationen, die Musik, an allen Ecken und Enden gibt es unübersehbare Übereinstimmungen. Es sind seine Bilder. Seine Darsteller empfanden ihn oft als tyrannisch. Während der Dreharbeiten von „Vampyres“ hatte er es wohl vor allem auf Darstellerin Sally Faulkner (die Malerin, Wohnwagenehepaar) abgesehen, die er wohl als zu unscheinbar empfand. Ich persönlich fand sie sehr attraktiv.

     

    Mit dieser Frühphase von Larraz‘ endet leider auch eine Qualitätsphase. Nur selten – abgesehen von „The Coming of Sin“ (1978) und „Black Candles“ (Los ritos sexuales del diablo, 1982) – werden seine Filme die gleiche Intensität erreichen wie seine frühen Regiearbeiten. Trotzdem gibt es noch einiges zu entdecken in der Karriere dieses großen und – zum Glück nicht mehr ganz so – unterschätzten Regisseurs.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Veröffentlichungen:

    Die Arrow Films Blu-ray findet sich in der Box „Blood Hunger: The Films of José Larraz.“ Zusammen mit „Flash Light“ (Whirlpool, 1970) und „The Coming of Sin“ (1978) liegt „Vampyres“ dort als 2k-Abtastung vor. Die Box kommt mit reichlich Bonusmaterial und einem mehr als 80 Seiten dicken Booklet.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Filmplakate

    Links

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