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Der Tod fährt mit

Großbritannien, 1962

Originaltitel:

Journey Into Nowhere

Alternativtitel:

Murder by Agreement (CAN)

Deutsche Erstaufführung:

21. August 1962

Regisseur:

Denis Scully

Inhalt

Um seine Spielschulden von £ 1.500 begleichen zu können, bleiben Ricky (Tony Wright) drei Tage, um das Geld zusammenzubringen. Die Hiobsbotschaft überbringt ihm ausgerechnet sein alter Freund Joe (Helmut Schmid), der ihm ein Ultimatum stellt: entweder Geld oder Tonys Leben. Der Spieler begibt sich auf die Flucht, doch plötzlich wirft sich ihm eine Frau vor den Wagen. Er kann im letzten Moment ausweichen und sich aus dem Auto befreien, bevor dieses in eine Schlucht stürzt. Die lebensmüde Malerin Maria (Sonja Ziemann) wollte ihrem Leben ein Ende setzen, da sie erfahren hat, dass sie innerhalb kürzester Zeit erblinden wird, falls sie nicht operiert wird. Doch für diesen Eingriff benötigt sie £ 2.000, die sie nicht besitzt. Nach einiger Zeit gehen Tony und Maria eine makabere Allianz ein. Sie schließen eine Unfallversicherung bei einer Bahngesellschaft ab, und tragen den anderen jeweils als Nutznießer im Todesfall ein. Auf der Fahrt beginnt ein unerbittliches Tauziehen um Leben und Tod, bis sich die beiden näher kommen. Dennoch ist die Gefahr nicht vorüber, denn Ricky beauftragte zuvor Joe, Maria zu erledigen. Wer wird unbeschadet von diesem Todeszug abspringen können..?

Autor

Prisma

Review

Regisseur Denis Scully inszenierte mit "Der Tod fährt mit" seinen dritten von insgesamt nur vier Spielfilmen, hier vor imposanter südafrikanischer Kulisse und in beeindruckend-sterilen Schwarzweiß-Kontrasten. Die Geschichte rund um merkwürdige Verstrickungen und perfide Launen des Schicksals klingt schon einmal interessant genug, um für Aufsehen zu sorgen. Dafür, dass Denis Scully kein renommierter Regie-Experte war, brachte er dennoch ein recht beachtliches Ergebnis zustande, auch wenn bei diesem Film im Endeffekt zu viele Möglichkeiten liegen gelassen wurden. Bei einer konsequenteren Ausarbeitung und höheren Budgetierung hätte durchaus ein Thriller der Spitzenklasse entstehen können. Doch der Weg dorthin ist weit, und diese bis heute weitgehend unbekannte Produktion von 1962 hat schließlich mit etlichen Längen im Mittelteil zu kämpfen. Der Einstieg in das Szenario geschieht unmittelbar, rasant und auf unmissverständliche Art und Weise, sodass man als Zuschauer sofort über die Marschrichtung orientiert ist und gleich mitfiebern darf. Nach Marias gescheitertem Selbstmordversuch entsteht im Rahmen der Dialoge eine eigenartig bedrückende und makabere Atmosphäre, und die Protagonisten werden sofort als potentielle Gegenspieler aufgebaut, wobei die diffus im Raum stehende Diagnose mit dem wahrscheinlichen Verlieren des Augenlichtes etwas fahrig wirkt. Als die Abmachung jedoch perfekt ist, wird der Zug der Entscheidung bestiegen, und man ahnt bereits, dass es gefährlich und streckenweise spannend werden wird. Die Geschichte hat lediglich mit den drei Hauptdarstellern auszukommen, die wenig Identifikationspotential offerieren. Ansonsten sieht man nur Kurzauftritte von Nebendarstellern.

 

Sonja Ziemann, abermals fast burschikos im Auftreten, spielt gewohnt überzeugend und hier gibt sie sogar Kostproben ihres sonst eher diskreten Temperaments zum Besten. Dabei wird die Palette von Zuständen der Verzweiflung, über klassisches weibliches Kalkül, bis hin zu emotionalen Ausbrüchen sehr gut abgedeckt. Trotz dieses mörderischen Spiels ist sie es, die Mitleid hervorruft und man deswegen zunächst mit ihr mitfiebert. Des Weiteren sorgt die Deutsche für die wenigen erotischen Momente des Films, als sie ihren Kontrahenten beispielsweise mit glänzend nasser Haut und in Unterwäsche für sich zu interessieren versucht. Tony Wright spielt relativ unspektakulär und fällt eher durch eine gewisse Holzhammer-Methode auf, zeigt sich aber ebenso mit verantwortlich für das Kreieren der pre­kären Situation zwischen den beiden potentiellen Todes-Kandidaten. Hierbei ist es erstaunlich, dass das Duo Sonja Ziemann und Tony Wright wesentlich überzeugender als erbitterte Feinde zu funktionieren scheint, denn als angehendes Liebespaar wirken die beiden unfreiwillig gestelzt, was der Geschichte beim Thema Spannungsaufbau immer wieder das Wasser abzugraben droht. Helmut Schmid gibt den rücksichtslosen und gewaltbereiten Geldeintreiber sehr überzeugend und er ruft eine große Abscheu hervor, wofür vor allem die immer labiler werdende Maria die Projektionsfläche wird, da man in ihren Augen die Verachtung ablesen kann. Insgesamt gesehen funktioniert diese Dreieckskonstellation jedoch sehr gut, da sie den Verlauf gegebenenfalls ordentlich in Schwung bringt und den Zug letztlich ins Ziel lenkt.

 

Die Produktion ist phasenweise recht unorthodox gestaltet und teils hervorragend im Bilde festgehalten worden. Die interessanten Kamera-Perspektiven, die schönen Panorama-Aufnahmen der unberechenbar wirkenden Landschaft, zahlreiche rasante Schnittfolgen und ein immer wieder schön gemischtes Licht- und Schattenspiel wirken hochwertig. Auch die serielle Untermalung im Bereich der Akustik, vor allem durch die Lokomotive und die Schienen, wirkt beinahe bestimmend, da so der Eindruck entsteht, auf eine Katastrophe zuzusteuern. Nur die Musik von Ivor Slaney ist nicht besonders eingängig geraten und wirkt eher einfallslos und konservativ. Den Mordanschlägen fehlt es in ihrer verhalten Art an Drive und leider flacht die Spannung immer wieder ab, um möglicherweise die Eruptionen der richtigen Momente zu unterstützen. Das größte Plus bleibt ein überaus denkwürdiges Finale, welches für ein paar Aussetzer zu entschädigen weiß. Denis Scully hat im Endeffekt ein sehr unkonventionelles Thema abgehandelt und im weitläufigen Bereich Auftragsmord neue Akzente setzen können. Der vollkommen destruktive Grundtenor der Geschichte trägt entscheidend dazu bei, dem Film einen besonderen Stellenwert einzuräumen. Die teils ausladenden aber prosaischen Dialoge transportieren zusätzlich den harten Charakter dieser tragisch wirkenden Geschichte, die blendend als Labyrinth der ausweglosen Situationen funktioniert. Für einen Thriller der gehobeneren Sphären fehlt diesem Beitrag vielleicht an Konsequenz und Stringenz, sodass sich "Der Tod fährt mit" relativ isoliert und eingebettet in einer gewissen Grauzone wiederfindet. Sehenswert und unterhaltsam ist dieser in Vergessenheit geratene Flick aber allemal, denn dieses makabere Tauziehen zwischen Leben und Tod übt eine nur schwer zu beschreibende Faszination aus.

Autor

Prisma

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