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Singapore Sling

Griechenland, 1990

  • Originaltitel: Singapore sling: O anthropos pou agapise ena ptoma
  • Regisseur: Nikos Nikolaidis
  • Kamera: Aris Stavrou
  • Drehbuch: Nikos Nikolaidis
  • Inhalt:

    Es ist Nacht. Es regnet. Zwei Frauen in Reizwäsche, Regenmantel und Gummistiefeln schaufeln ein Grab im Garten um den Chauffeur zu begraben. Früher, ja früher hat Vater immer die Bediensteten ermordet, und die Frauen brauchten sich nur um den Garten und die Pflanzen zu kümmern. Die erste damals war Laura. Sie kam als Sekretärin und war sehr schüchtern. Mutter und Tochter spielen heutzutage öfters das Spiel „Neue Sekretärin“, in dessen Verlauf unter anderem die Tochter der Mutter einen Blowjob verabreicht …

    Währenddessen liegt in einem Auto ein Mann in seinem Blut. Er ist ein Privatdetektiv. Einer von denen, die hoffnungslosen Fällen mit Frauennamen hinterjagen. Er sucht Laura, in die er sich verliebt hatte, und die vor 3 Jahren spurlos verschwunden ist. Aber in diesem Haus, in dieser Nacht, wird er sie finden, da ist er sich sicher. Und in dieser Nacht wird jemand sterben.

  • Autor: Maulwurf
  • Review:

    Eine Mumie, die eine Frau durchvögelt. Ein ans Bett gefesselter Mann der mit Stromstößen gefoltert wird, und die Zuckungen seiner Glieder dienen dem weiblichen Folterknecht als Mittel zum Orgasmus. Ein Abendessen in dem alles runtergeschlungen wird, absolut alles, und was nicht runter mag wird einfach wieder ausgewürgt. Ein Versuch der Kontaktaufnahme mit einem gefolterten und halbverrücktem Gefangenen mittels dem „Kniechen-Näschen-Öhrchen“-Spiel, das aus dem Laurel & Hardy-Film FRA DIAVOLO bekannt ist. Sex mit einem gefesselten Mann, dessen Höhepunkt darin besteht dem Mann ausgiebig ins Gesicht zu kotzen.

     

    Noch Fragen? Wer schon immer wissen wollte, was Sergio Bergonzellis IN THE FOLDS OF THE FLESH und Otto Premingers LAURA gemeinsam haben, und wie man Dick und Doof-Slapstick auf perfekte Weise mit herausquellenden Gedärmen kombinieren kann, in diesem filmischen Wahnsinn kann er die Antworten finden. Die Vorkenntnis des Film Noir-Klassikers LAURA ist dabei nicht unbedingt notwendig, erhöht aber den Spaß an SINGAPORE SLING enorm, denn nur dann wird klar welche die zentralen Fragen sind: Was ist in dem Haus am See passiert? Warum hat Laura nichts von ihrer Ermordung erfahren? Und wo ist Laura eigentlich? Fragen, die dem bedauernswertem Detektiv unter Verabreichung einer heftigen Mischung aus Strom- und Beckenstößen gestellt werden, und im Verlauf dieses Verhörs darf er dann auch gleich noch Gebärdensprache lernen: A, E, I, O, U … Mehr geht eh nicht. Doch: Kniechen-Näschen-Öhrchen …

     

    Eigentlich sind ja die beiden Damen nicht so ganz unsympathisch, und sexy sind sie auch, wenn sie nur nicht so eine Neigung zu Innereien hätten: „Wir schnitten ihr den Bauch der Länge nach auf und füllten ihn mit Steinen. Aber die fielen immer wieder raus …“. Auch sehr apart die Szene, in der herausgenommene Gedärme sorgfältig mit drapiertem Schmuck verziert werden.

     

    Ihr seht schon, dieser Film ist eher … speziell. Ich konnte eine Menge liebevoll referenzierter Filme identifizieren, neben dem erwähnten IN THE FOLDS OF THE FLESH auch den Noir-Klassiker TOTE SCHLAFEN FEST, Marco Ferreris DAS GROSSE FRESSEN nimmt einen beträchtlichen Raum ein, und natürlich Hal Roachs FRA DIAVOLO mit Stan und Ollie. Und neben Jess Francos EXORCISME sind auch Filme zu sehen die eher aus der Erwachsenenecke kommen: FOOD EXZESSE etwa, oder so etwas wie beispielsweise TAKE FIVE von Alex D. Am Ende wird gar auf gekonnte und elegante Weise eine Hommage an die klassischen Gialli eingebunden. Ich sag jetzt aber nicht welche, sonst wäre die Überraschung vorbei. Messer als phallisches Symbol? Hah, wie altmodisch … Plus die Unmengen von Filmen die ich nicht kenne, die aber irgendwo in diesem irrwitzigen Kaleidoskop zitiert und liebevoll umgestaltet werden. Wie DR. STRANGELOVE von Stanley Kubrick hier hineinpasst, das darf jeder selber entdecken. Und immerfort fällt der nächtliche Regen auf die Pflanzen und den Erdboden …

     

    Das Problem ist halt dass ich nicht zuviel verraten will, da der Film so einiges an Aha-Effekten bietet: Wie äußerst sich der Orgasmus der Mutter auf dem gefesselten Mann? Wer ist die Mumie? Wieviel Essen passt in einen Magen? Wo ist das Messer? Dies zu spoilern wäre gemein, denn dann würde der Mund nicht knappe 2 Stunden lang offen stehen (wie er es bei mir tat). OK, nach knapp einer Stunde verlässt SINGAPORE SLING die Gefilde der zumindest ansatzweisen Realität und dreht völlig weg. So ein klein wenig leidet die Spannung(!) unter dem fortgesetzten Drogenrausch, aber dafür nimmt die Intensität der Bilder schnell wieder Fahrt auf: Der Tod einer Person wird als wilde und intensive Collage von Szenen gezeigt, der Schluss lässt den Zuschauer auch nochmal kräftig erschauern (BLOOD SIMPLE anyone?), und wer nach dem Genuss dieses Films zukünftig noch eine Kiwi ohne Hintergedanken isst, der konnte wohl offensichtlich mit dem Film nichts anfangen und hat frühzeitig ausgeschaltet.

     

    Fakt ist, dass SINGAPORE SLING enormen Spaß macht, und mit seinem fortgeschrittenen Wahnwitz für einen extrem unterhaltsamen Abend sorgt. Ich liebe es, wenn sich die Schauspieler zur Kamera drehen und den Verlauf der Handlung kommentieren! „… und Mutter sagte zu mir ’Wer war an der Tür?’“, woraufhin die Darstellerin der Mutter sich umdreht und eben genau dieses sagt. Gigantisch. Irrwitzig. Unglaublich. Ein Film, wie ich ihn in den Jahren 1968 bis 1975 angesiedelt hätte, aber niemals 1990! Absolut lohnenswert!

     

    Und damit der Film auch komplett besprochen ist, hier das Rezept für einen vereinfachten Singapore Sling:

     

    ½ Limette
    3 cl Gin
    1 cl Kirschlikör
    1 cl Bénédictine D.O.M.

     

    Einen Tumbler mit geschlagenem Eis zur Hälfte füllen, die halbe Limette mit der Hand darüber ausdrücken und ins Glas geben. Gin, Kirschlikör und Bénédictine hinzugeben, umrühren und mit Trinkhalm servieren.

     

    Zu trinken am Besten in einer Nacht am Kaminfeuer. Wohl bekomm’s!

  • Autor: Maulwurf
  • Veröffentlichungen:

    In Deutschland ist der Film beim Label Bildstörung als DVD und als Blu-ray erschienen, jeweils in einer kleinen und einer größeren Ausgabe. Die kleine Ausgabe umfasst den Film im griechisch-englisch-französischem Originalton mit deutschen und englischen Untertiteln und ohne weitere Extras, die größere Ausgabe beinhaltet neben einem Booklet von Gerd Reda und einem Schwung Trailer noch einen 77-minütigen Dokumentarfilm über den Regisseur Nikos Nikolaidis, ein 22-minütiges Interview mit ebendiesem, sowie ein paar Werbefilme von Nikolaidis. Wie bei Bildstörung üblich müssen Bild- und Tonqualität nicht extra erwähnt werden, weil da die Superlative sowieso fehlen. Halt wie immer erstklassig …

  • Autor: Maulwurf
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