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Die Rache des Dr. Fu Man Chu

Deutschland | Hong Kong | Irland | Vereinigtes Königreich, 1967

  • Originaltitel: The Vengeance of Fu Manchu
  • Alternativtitel:

    La venganza de Fu-Manchú (ESP)

    La vengeance de Fu Manchu (FRA)

    La vendetta di Fu Man Chu (ITA)

  • Deutsche Erstaufführung: 25. Mai 1967
  • Regisseur: Jeremy Summers
  • Kamera: John von Kotze
  • Musik: Malcolm Lockyer
  • Drehbuch: Harry Alan Towers
  • Inhalt:

    Dr. Fu Man Chu (Christopher Lee) und seine Tochter Lin Tang (Tsai Chin) streben erneut die Weltherrschaft an, außerdem soll ihr Erzfeind Nayland Smith (Douglas Wilmer) endgültig zur Strecke gebracht werden. In diesem Zusammenhang will der größenwahnsinnige Doktor zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, und zu diesem Zweck wird der Missionar Dr. Lieberson (Wolfgang Kieling) in seine Gewalt gebracht. Um ihn gefügig zu machen, wird seine Tochter Maria (Suzanne Roquette) gefoltert. Lieberson soll eine plastische Operation vornehmen und einen von Dr. Fu Man Chus willenlosen Lakaien optisch so verändern, dass er Commissioner Smith ähnlich sieht. Der Plan ist, ihn durch seinen Doppelgänger auszutauschen, der einen Mord begehen soll, damit Naayland Smith zum Tode verurteilt wird. Fu Man Chu will die Welt außerdem mit zahllosen Doubles bekannter Persönlichkeiten überschwemmen, um die Macht zu ergreifen...

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Der dritte Teil der fünfteiligen Serie entstand nicht nur unter anderer Regie, sondern weist auch eine unterschiedliche Marschrichtung auf, um der Reihe ein paar neue Impulse zu liefern. Zwar wählt Dr. Fu Man Chu auch hier das Mittel der Rekrutierung eines Wissenschaftlers, doch dieser soll ihm zu einer neuen Geheimwaffe verhelfen, deren Stärke nicht darin besteht, beliebige Orte auf der Welt in Schutt und Asche zu legen. Die Vision einer Armee von willenlosen Lakaien, die Gestalt bekannter Persönlichkeiten annehmen um Polizeiapparat und Justiz aus den Angeln zu heben, stellt eine interessante Abwechslung dar, doch bleibt zu erwähnen, dass unter Jeremy Summers' Regie alles eine Nummer kleiner als zuvor wirkt, und das in einigen Bereichen. Erstmals sieht man einen Verzicht bezüglich der erweiterten Hauptrollen und deren Konstellationen untereinander, denn agile Co-Ermittler und Wissenschaftler, wie Joachim Fuchsberger oder Heinz Drache, spielen hier keine Rolle neben Nayland Smith. Die Wahl dieser Variante macht diesen Beitrag nicht kleiner oder uninteressanter, allerdings fällt "Die Rache des Dr. Fu Man Chu" durch die vergleichsweise eckigere Regie etwas ab. Die Hauptkonzentration liegt hier noch deutlicher auf Dr. Fu Man Chu und seiner Tochter, die beide ihren sadistischen Adern freien Lauf lassen und im Zweifelsfall nicht kleinlich sein werden. Somit brodelt erneut die Gefahr im Hintergrund und es entsteht ein spannender Wettlauf gegen die Zeit, zumal die Justiz hinter Licht geführt wurde.

     

    Einen prominenten Part nimmt aus diesem Grund Nayland Smith alias Douglas Wilmer ein, der dem teuflischen Komplott des Fu Man Chu zum Opfer fällt. Da sein Doppelgänger einen Mord begeht, obendrein an der sympathischen und zerbrechlich wirkenden Hausangestellten, entsteht ein Hauch Dramatik, der dem Verlauf gut steht. Wilmers Auftritt ist in zwei Parts aufgeteilt, die von roboterhaft und emotionslos, bis auflehnerisch hin- und herpendeln. Christopher Lee stellt seine ganze Routine zur Schau und kann seine Figur immer wieder mit ein paar neuen Facetten anreichern, was sich hier insbesondere in der Dialogarbeit zeigt. Tsai Chin steht ihm in nichts nach und lebt von ihrer auffälligen Präsenz, die auf der einen Seite so dämonisch wirkt, andererseits aber auch ein gewissen Lakaientum offenbart. Offensichtlich gibt es für sie nichts Schöneres, ihrem Vater zu dienen; sei es bis zur Selbstaufgabe. Als Wissenschaftler fungiert dieses Mal Wolfgang Kieling als Doktor Lieberson, dessen Interpretation solide wirkt, aber dramaturgisch wenig ausgefeilt wirkt. Ihm wird zu wenig Screentime gestattet, sodass der gerne gesehene Darsteller zum Stichwortgeber degradiert wird. In diesem Zusammenhang ist auch Suzanne Roquette zu erwähnen, deren Karriere so vielversprechend begann. Als Staffage dient sie fürs Auge und Projektionsfläche für Qual und Folter. Howard Marion Crawford als treuer Begleiter Nayland Smiths vermitteln hohe Wiedererkennungswerte, genau wie ein aggressiver Horst Frank und eine naiv wirkende Maria Rohm.

     

    So teilt Jeremy Summers seine Crew ausschließlich in Gut und Böse ein und der Zuschauer erlebt ein klassisches Tauziehen zwischen diesen beiden Fraktionen. angereichert mit etlichen Finessen aus Fu Man Chus Folterkeller kommt erneut eine Ahnung davon auf, dass es jede beliebige Person aus dem Bereich der Nebenrollen erwischen könnte, was die Spannung und den Nervenkitzel forciert. Musikalisch bleibt man bei altbewährten Themen, die schon in den Vorgängern für Atmosphäre gesorgt haben. Die große Stärke dieses stilistisch vielleicht schwächeren Teils ist seine aufsehenerregende Geschichte, die man zwar nicht immer als plausibel identifizieren möchte, aber zumindest das Potential für Mord und Anarchie anbietet. Dr. Fu Man Chu und seine Gefolgschaft arbeitet nach dem altbewährten Prinzip, nicht lange herumzufackeln und einen tödlichen Pragmatismus anzuwenden, beziehungsweise diesem bedingungslos zu folgen. Da selbst diejenigen ausrangiert werden könnten, die dem Tyrannen die Treue halten, sorgt für die nötige Bedrohlichkeit der Titelfigur, aber auch für eine immer präsente Konfrontation mit dem Ernst der Lage, wenngleich der Zuschauer ohnehin darauf spekuliert, dass man am Ende wieder einmal hören wird, dass Doktor Fu Man Chu selbst ankündigen könnte, dass die Welt wieder von ihm hören werde. Jeremy Summers lieferte mit "Die Rache des Dr. Fu Man Chu" eine unterhaltsame und unsentimentale Fortsetzung, die Anhänger aber auch Gegner des Superschurken überzeugen dürfte, wenn möglicherweise auch nicht restlos.

  • Autor: Prisma
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