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Playgirl

Deutschland, 1966

  • Originaltitel: Playgirl
  • Alternativtitel:

    That Woman (USA)

    Playgirl - Berlin ist eine Sünde wert

    Schlaraffia an der Spree

  • Deutsche Erstaufführung: 23. Juni 1966
  • Regisseur: Will Tremper
  • Kamera: Wolfgang Bellenbaum, Wolfgang Lührse
  • Musik: Peter Thomas
  • Drehbuch: Will Tremper
  • Inhalt:

    Das Model Alexandra Borowski (Eva Renzi) ist es gewöhnt, dass ihr die Männer zu Füßen liegen und ihr die Zeit vertreiben. Außerdem benutzt sie ihre schnell wechselnden Bekanntschaften, sie beruflich weiterzubringen. Angekommen in Berlin, sucht sie den erfolgreichen Bauunternehmer Joachim Steigenwald (Paul Hubschmid) auf, den sie von einem Aufenthalt in Rom her kennt, denn eine erneute Affäre mit ihm würde ihrer Ansicht nach Vorteile mit sich bringen. Um sie schnell abzuwimmeln, schickt er allerdings kurzerhand seinen Bürovorsteher Siegbert Lahner (Harald Leipnitz) vor, der sich Hals über Kopf in Alexandra verliebt. Für sie wird es jedoch weitere männliche Etappen in Berlin geben, so beispielsweise den Mode-Fotografen Timo (Umberto Orsini), mit dem sie in der Abwesenheit von Steigenwald zusammenarbeitet, doch im Endeffekt findet Alexandra nichts anderes als kurze Affären und ist sich nicht im Klaren darüber, wie sie ihre Gefühle ordnen soll, falls denn überhaupt welche vorhanden sind...

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Will Trempers vierter, und gleichzeitig vorletzter Film sollte unter dem Namen "Playgirl", beziehungsweise unter dem Arbeitstitel "Berlin ist eine Sünde wert" in die deutsche Filmlandschaft eingehen, und wurde am 16. November 1965 fertig gestellt. Seine gut 50 Jahre sieht man diesem pulsierenden und vereinnahmenden Beitrag allerdings zu keiner Minute an. Interessant und vollkommen logisch zugleich erscheint hierbei die Tatsache, dass die komplette Geschichte mit deren gesamtem Verlauf um niemand anders als Eva Renzi herumkonstruiert wurde, die Tremper dem Vernehmen nach bereits zu den Dreharbeiten zu "Die endlose Nacht" als Evelyn Renziehausen kennenlernte. In seinem Buch "Die große Klappe" ist diesem Film ein großes Kapitel gewidmet, das weit blicken lässt und viele interessante Hintergrundinformationen liefert, vor allem über den neuen Star der Produktion. Bereits der Einstieg in den Film offenbart sich wie eine kleine Liebeserklärung an die Stadt, die doch dem Titel nach eine Sünde wert sein sollte, aber vor allem wird Eva Renzi in nahezu atemberaubenden Bildstrecken präsentiert. Wenn das Spektakel beendet ist, fragt man sich zurecht, wie es dramaturgisch zu einigen offensichtlichen Qualitätsunterschieden kommen konnte, doch Will Tremper räumt in seinem Buch mit allen Spekulationen auf und nennt das Kind beim Namen. Es heißt wieder einmal und eigentlich immer wieder Eva Renzi. Die Schilderungen des Regisseurs zu seiner Hauptdarstellerin gleichen einem strapaziösen Wechselbad der Ansichten. Einerseits spürt man die weitreichende Anerkennung bezüglich ihrer fulminanten Leistung, andererseits nimmt man aber auch ein quasi nervenaufreibendes Tauziehen wahr, bei dem es sich nicht gerade so anhört, als habe es eine Verjährungsfrist gegeben. Wie dem auch sei, zurück bleibt ein Ergebnis, das eines der visuell schönsten und aussagekräftigsten Aushängeschilder des jungen deutschen Films geworden ist. Die Verbindung mit gesellschaftskritischen Aspekten geht - um ehrlich zu sein - nicht immer auf, da dem Empfinden nach eine unwillkürliche Oberflächlichkeit ausfindig zu machen ist, die sich bei genauerem Hinschauen jedoch als ein nötiges Mosaiksteinchen herausstellt, um Tiefe zu bahnen.

     

    »Mann, ist die ne Klasse!« Nachdem die Kamera in einer regelrechten Offensive von Groß- und Nahaufnahmen auf die filmische Neuentdeckung Eva Renzi aufmerksam gemacht hat, hört man diesen kurzen Satz von einem jungen Mann, der die gerade in Berlin angekommene Alexandra mit einfachen Mitteln, aber dennoch gestochen scharf charakterisiert. Jeder der sie sieht, denkt es. Jeder der sie erlebt, fühlt es. Eva Renzi ist auf dem besten Wege es im Spaziergang zu schaffen, dass eine ganze Stadt ihr zu Füßen liegt. Was muss sie tun? Nichts weiter als sie selbst sein, andere von ihrer Ausstrahlung profitieren zu lassen. Alexandra verkörpert ein neues Lebensgefühl, eine unbekümmerte Sicht auf die Dinge, Konventionen und erzmoralische Gesellschaftsvorstellungen kehrt sie einfach um, hat dabei ihren eigenen Lebensplan. Ja, sie lebt, sie steckt so voller Leben, dass es geradezu ansteckend wirkt. Die Männer die sie trifft, nimmt sie sich ganz selbstverständlich, und es kristallisiert sich schnell heraus, dass ihr Weg das Ziel sein wird. Auf der Suche nach einem tieferen Gefühl, nimmt sie somit mehrere Etappen in der Stadt, von der es im Film heißt, dass sie eine Liebe wert sei. Alexandras Profession als gefragtes Model bringt den Kampf gegen Oberflächlichkeiten und unterschiedliche Interessen mit sich. Trotz ihrer Stärke und Bodenständigkeit wird sie aus vielen Richtungen damit konfrontiert, dienstbar gemacht zu werden. Sie ist die Frau, die man gerne an seiner Seite hat, die man gerne neben sich vorführt, und sie zu diesem Zweck auch ausführt. Die Szenerie ist aufgeladen mit faszinierten Blicken. Dabei wird allerdings strikt getrennt, ob es sich um Blicke von Männern, oder Frauen handelt. Männer ergeben sich ihr bedingungslos, denn die daraus entstehenden Vorteile liegen auf der Hand. Frauen beobachten sie kritisch mit einer Mischung aus Bewunderung, Neid, aber auch Angst, in Alexandra Borowskis strahlendem Licht nur ein Schatten zu sein.

     

    Eva Renzis Einstieg in die Filmbranche erweist sich mit "Playgirl" als bahnbrechender Erfolg und wegweisende Episode in ihrer Karriere, obwohl es laut Regisseur Will Tremper hinter den Kulissen alles andere als einfach mit ihr gewesen sein soll. Vom Empfinden her spielt die Berlinerin weniger die erforderliche Rolle des schönen Jet-Set-Mädchens, sondern man sieht eigentlich eine Leistung, die eher der eigenen Person angepasst ist. Dabei entsteht also förmlich eine Selbstinszenierung, die allerdings überhaupt nichts Aufdringliches mit sich bringt. So zählt Eva Renzi zu den wenigen Interpretinnen, denen man es nicht übel nimmt, dass sie sich wahlweise selbst in den Mittelpunkt stellen. Der Grundstein eines Images war also von der ersten Minute an zementiert, unabänderlich und ohne Kompromisse, sodass es wenig verwunderlich erscheint, dass sich Eva Renzi selbst oft kritisch zu derartigen Modell-Schablonen äußerte. Alexandra ist in Will Trempers Film eine einzige Offensive, die pure Verführung, die erst zu einer solchen wird, weil sie bereitwillig erscheint und ohne konventionelle Hemmungen ist. Mit ihrem Körper geht sie ganz natürlich um, sogar irgendwie unbefangen, ihre vollkommene Nacktheit im Film scheint absolut selbstverständlich zu sein. Umso verständlicher, dass das schöne Fotomodell wie ein Magnet für alle Männer wirkt, die mit ihr in Kontakt kommen. Das Thema um die Suche nach der wahren Liebe erschließt sich über die Liebe, die zunächst eine Art Ware ist. Die Auswahlkriterien sind sprunghaft und impulsiv, das Temperament bleibt ungebrochen. Insgesamt hört sich all dies eher nach einer Beschau der Ware Eva Renzi an, doch diesen Zweck verfolgt der Film nur sekundär, beziehungsweise mit indirekter Unterstützung der Schauspielerin. Die Art der Inszenierung ist über weite Strecken unbekümmert und herrlich mit anzusehen, jedoch verfolgt Tremper auch ein weitsichtigeres Fazit, dass sich beim genauen Betrachten verständlich erschließt.

     

    Die Verbindung Berlin und Eva Renzi sieht wie eine beidseitige Liebe auf den ersten Blick aus. Doch das zunächst reibungslose Bild wird getrübt von der Anonymität einer kompletten Stadt. Alexandra findet schnell Anschluss, bei ihrem Beruf wirkt dies auch nicht gerade wie ein Wunder, jedoch bleiben es lediglich scharenweise Bekannte, oder um es mechanisch zu formulieren, Interessenten. Ein ungleiches Geben und Nehmen dominiert die Zwischenstation Berlin, die sicherlich eine Liebe wert wäre, wenn man sie denn auch finden würde. So ist es eine erinnerungswürdige Einschätzung Rudolf Schündlers, die das sogenannte Playgirl gut charakterisiert, und ihre Wirkung auf den Punkt bringt, als er über ihr Flair und ihre Ausstrahlung philosophiert. So klingt seine Anmerkung, dass sie eruptive Emotionen unter den Herren der Schöpfung auslöse nicht nur logisch, sondern auch überaus präzise. »Sie werden immer die Männer gegeneinander aufbringen, ob Sie nun wollen oder nicht!« Alexandra tut zumindest so, als wolle sie es nicht, aber im Grunde genommen handelt es sich um ihr einziges Elixier. Eva Renzi wurde in "Playgirl" sehr mutig in Szene gesetzt, dabei entsteht eine nahezu angriffslustige Erotik. Will Tremper setzt dabei alles auf eine Karte und spart nicht an den falschen Enden. Gemessen am Produktionsjahr, sieht man doch ungewöhnlich viel Haut und findet viele sexuell aufgeladene Untertöne, die in Verbindung mit den gezeigten Bildern zu einer auffordernden Einheit werden. Für all das steht hier die wirklich umwerfende Eva Renzi, die einen wahrhaften Zauber mit allen Beteiligten veranstaltet. Von diesem Spielfilmdebüt sollte sie im Sinne eines Sprungbretts, dass ihr zweifellos Türen öffnete, noch lange zehren, auf der anderen Seite wurde aber auch ein Image kreiert, bei dem es die Frage ist, ob letztlich der Film und die Rolle, oder Eva Renzi selbst für eine Festlegung verantwortlich zu machen sind. Nichtsdestotrotz, von Alexandra Borowski sollte man sich unbedingt einmal selbst inspirieren lassen.

     

    Eine Frau sucht ihr Glück in der Großstadt, die ihr bereits nach den ersten kleinen Schritten zu Füßen zu liegen scheint. Damit gemeint ist natürlich hauptsächlich die Männerwelt, die, wie es aussieht, auf die Lichtgestalt Alexandra Borowski gewartet hat. Das schöne Fotomodell wartet erst gar nicht darauf, dass man an sie herantritt, sie nimmt sich das was sie will, was ihr zusteht, was sie braucht. Was sich nach einem Spiel anhört, wird im Verlauf immer wieder Tendenzen bitteren Ernstes bekommen, und es geht schließlich darum, wer die besseren Karten haben wird. Betrachtet man Eva Renzi, so dürfte sie es sein, die stets die bessere Ausgangsposition inne haben wird, und man kann es nicht anders sagen, dass es herrlich ist, ihr bei ihrem episodenhaften Tanz durch Berlin zuzusehen. Der komplette Film schöpft seine Dynamik aus ihrem Spiel, dabei ist es absolut erstaunlich und gleichzeitig erfrischend, diese Seltenheit miterleben zu dürfen. Eigentlich steht es außer Frage, dass "Playgirl" ohne Eva Renzi niemals funktioniert hätte, und man kann sogar ein Stück weiter gehen und behaupten, dass das Gerüst in seine Bestandteile zusammengefallen wäre. Laut Tremper wusste es jeder, auch er selbst, aber vor allem wusste es seine Hauptdarstellerin, die durch diverse Kapriolen während des Drehs, ebenso  davor und danach, für Atemlosigkeit sorgte. Alexandra Borowski beschäftigt sich und den Zuschauer insgesamt mit der Suche, oder vielmehr mit einer unbestimmten Suche, die zwar durch die dazu gehörenden Bilder transparent gemacht wird, aber den Kern der Sache eigentlich nicht verraten möchte. Das Finale des Films schafft keine Abhilfe angesichts offener Fragen, der Regisseur widmet diesem sogar ein eigenes Kapitel in seinem Buch unter dem Namen "Der schlechte Schluss", benutzt Wendungen wie »scheißegal« und betrachtete das »Unternehmen Eva Renzi« sogar als gescheitert. Es ist überaus spannend und ernüchternd zugleich, wenn man eine Ahnung davon bekommt, was hinter den Kulissen abgelaufen sein muss, und die Produktion bei all seiner Bildgewalt und Poesie plötzlich einen merklich faden Beigeschmack vermittelt. Eine gewisse Unschlüssigkeit bleibt dem Zuschauer somit gleichermaßen nicht erspart.

     

    Was die Schauspieler angeht, so bleibt zu sagen, dass sich bekannte und etablierte Stars aus TV und Kino hier lediglich im Licht einer zu diesem Zeitpunkt noch unbekannten, aber nicht unbegabten Eva Renzi sonnen. Ganz erstaunlich ist die Tatsache, dass sie ein regelrechtes Diktat vorgibt und dadurch bei anderen Kollegen fokussiertere Leistungen abruft. Harald Leipnitz und Paul Hubschmid stoßen in diesem Becken aus Flexibilität und Kehrtwendungen hin und wieder an ihre Grenzen, da ihre Routine neben der aufkommenden darstellerischen Spontaneität wie ein alter Hut wirkt. Man bekommt auf einem langen Weg schließlich empathische und regelrecht abgestimmte Leistungen geboten, oftmals wirkt es so, als versuchten diese - und schließlich alle Herren - aufkommende Unruhen glattzubügeln und eine nicht vorhandene, oder zumindest gestörte Struktur wieder herzustellen, weil diese systematisch von der Hauptperson umgekehrt wird, die in ihrem Auftreten absolut unberechenbar, aber genauso mitreißend wirkt. Das große Plus sind ohne jeden Zweifel die teilweise überwältigenden Schauplätze des Szenarios, die Alltägliches, Spektakuläres und Traumhaftes widerspiegeln und transparent machen. Die vorhandene Ziellosigkeit des Films verkommt bei aller sicht- und hörbaren Information zur Nebensächlichkeit und es ist Verlass auf den außergewöhnlich guten Instinkt der Regie, welcher unterm Strich wie eine Offenbarung wirkt. Was zählt, ist also wieder einmal die Liebe; doch hartnäckige Antagonisten wie beispielsweise Oberflächlichkeit, Misstrauen oder Eifersucht stören dieses schwierige Unterfangen sogar in Berlin. Schlussendlich ist es recht verwirrend, dass man einem Film, der dramaturgisch sicherlich ausbaufähig gewesen ist, einen derartig hohen Stellenwert einräumen kann, aber unbefangen oder auch nicht bleibt nur zu sagen, dass hier alle Wege zu der schönen, fordernden, voller Leben und Energie steckenden Eva Renzi führen, die einen einfach nicht unberührt lassen wird, auf welcher Ebene auch immer. "Playgirl" ist daher vielleicht eher ein Film für notorische Genießer und diejenigen die es schätzen, wenn ein Film einem sein beinahe zeitloses Flair sozusagen verführerisch um die Augen schlägt. Trotz gewisser Ungereimtheiten ist dieses Schmuckstück einfach nur toll!

  • Autor: Prisma
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