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Night of the Bloody Apes

Mexiko, 1969

  • Originaltitel: La horripilante bestia humana
  • Alternativtitel:

    Sex Monsters (FRA)

    Korang, la terrificante bestia umana (ITA)

    Gomar: The Human Gorilla

    Horror and Sex

  • Regisseur: René Cardona
  • Kamera: Raúl Martínez Solares
  • Musik: Antonio Díaz Conde
  • Drehbuch: René Cardona Jr., René Cardona
  • Inhalt:

    Die Luchadora Lucy (Norma Lazareno) hat bei einem Kampf ihre Kontrahentin Elena aus dem Ring geschleudert, wobei ein Knochensplitter in deren Gehirn dringt. Sie kommt in die Klinik von Dr. Krallmann (José Elías Moreno), welcher eigene Probleme hat. Sein erwachsener Sohn Julio (Agustín Martínez Solares) leidet an Leukämie und hat nicht mehr lange zu leben. Doch Dr. Krallmann hat eine Idee: er will das Herz eines Gorillas, welchen er gemeinsam mit seinem Faktotum Goyo (Carlos López Moctezuma) aus einem nahegelegenen Zoo stiehlt, in den Körper seines Sohnes verpflanzen. Die Operation gelingt zunächst, doch nun beginnt sich Julio sporadisch in ein blutrünstiges Monster (Gerardo Zepeda) mit affigem Gesicht und ausgeprägtem Sexualtrieb zu verwandeln. Dr. Krallmann will die Verwandlung rückgängig machen, indem er seinem Sohn das herz der im Koma liegenden Elena verpflanzt. Auch diese Operation gelingt, doch Julios Gehirn ist bereist zu sehr von Affentrieben derangiert, dass er sich erneut verwandelt. Luchadora Lucys Freund Lt. Arturo Martinez (Armando Silvestre) von der Geheimpolizei ermittelt, und auch Lucy selbst gerät in Gefahr.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    „Night of the Bloody Apes“ ist ein Kracher, und sein Regisseur René Cardona ein Urgestein des mexikanischen Genrefilms. Nicht nur hat er zwischen 1930 und 1982 an die 145 Filme gedreht (wahrscheinlich sogar einige mehr, ich weiß nicht, wie akkurat Filmdatenbanken in Bezug auf alte mexikanische Genrefilme sind), auch für den ersten Santo-Film zeichnete er sich verantwortlich. 1963 rief Cardona mit „Doctor of Doom“ (Las luchadoras contra el médico asesino) eine Reihe von Wrestling/Horror-Crossovern ins Leben, der hier besprochene „La horripilante bestia humana“ ist ein Remake desselben. Obwohl zwischen den beiden Filmen sechs Jahre liegen, sind erstaunlicherweise einige Kulissen nahezu identisch, etwa der Keller, in dem der Doktor seine Operationen durchführt. Als Co-Drehbuchautor ist René Cardona jr. gelistet.

     

    Von „La horripilante bestia humana“ wurden zwei Fassungen erstellt. Für den internationalen Markt drehte man eine Reihe von blutigen Effekten und ein paar Nacktaufnahmen, welche in der längeren Fassung teils inkohärent wirken. Dazu zwei Beispiele: bei der ersten OP operiert Dr. Krallmann am offenen Herzen, sein Faktotum Goyo fungiert als Anästhesist. Dazu gibt es Nahaufnahmen einer echten Herzoperation, bei der man deutlich vier blutverschmierte Hände in OP-Handschuhen sieht. Zwischendurch folgen jedoch wiederholt Einstellungen von Goyos blitzsauberen Händen, die die Anästhesie-Maske auf den Mund von Julio drücken. Schmunzelnd fragt man sich, ob der Patient selbst bei der Herz-OP mitgeholfen hat. Oder die Vergewaltigung im Park. Das Monster fällt über eine Rothaarige im grünen Kleid her, nach dem Akt ist ihr Kleid komplett in Fetzen gerissen und die Haare lustig verwuschelt, die stehen in alle Richtungen ab. Nur kurz darauf erscheint die Frau hilfesuchend in einem Kiosk, das Kleid ist intakt, hängt nur an einer Schulter etwas herunter, und die Haare sind wieder frisch toupiert. Ist sie zwischendurch nach Hause gefahren, um sich frisch zu machen?

     

    Natürlich gibt es noch viel mehr unfreiwillig komische Momente. Etwa die Menschentraube vor selbigem Park, die auf die Ankunft der Polizei wartet. Erst kracht der erste Polizeiwagen fast in ein vorbeifahrendes anderes Fahrzeug, dann schafft es der zweite nicht rechtzeitig, vor der Menschentraube zu bremsen, so dass die Statisten zur Seite springen müssen. Und was ist mit dem medizinischen Aspekt? Das ist der pure Wahnsinn! Eine Herzverpflanzung gegen Leukämie? Man wird zur urgesichtigen Bestie, weil ein Gorillaherz mehr Blut ins Hirn pumpt als ein menschliches Herz? Irre. Und wenn das Monster im blauen Herrenpyjama durch die Bude läuft, kann man ebenfalls ein Schmunzeln nicht unterdrücken, welches aber durch das brachiale Abreißen von Goyos Kopf unterbrochen wird.

     

    Egal. Bei all den himmelschreienden Inkonsistenzen und medizinischen sowie filmischen Irrsinnigkeiten funktioniert dieser Film! Dank erfahrener Darsteller, die mit soliden Leistungen diese Story bierernst und dramatisch bis zum Ende durchziehen, untermalt von ebenso dramatischer Musik. Schaut man sich die Hauptdarsteller-Credits genauer in der Datenbank an, stößt man ohnehin auf sehr lange Schauspielkarrieren, die teils bis zum Tod der älteren Darsteller anhielten und bis heute bei den damals noch jüngeren Darstellern. Und was hat das Ganze mit der Luchadora Lucy zu tun? Nun, wenig. Entgegen vielen anderen Filmen dieser Art kommt der Luchadora eher eine Randrolle (in der Story, nicht von der Screentime her) zu. Aber auch sie darf in einer kurzen Szene ihre niedlichen kleinen Brüste beim Telefonieren nach der Post-Wrestling-Dusche rausbammeln lassen.

     

    Zumindest eine der „Splatterszenen“ scheinen nicht von Cardona gedreht, sondern vom US-Verleiher Jerald Intrator eingefügt. Hier fällt insbesondere eine Szene ins Auge, der Tod eines nur wenig mexikanisch aussehenden Pflegers im Krankenhaus zu Beginn des Finales. Das Monster selbst ist hier – im Gegensatz zu den meisten anderen Momenten dieser Art – nicht im Bild. Bei den meisten solcher Szenen handelt es sich aber um die Originaldarsteller von Cardonas Film, weshalb ein weiteres Hereinpfuschen Intrators eher ausgeschlossen werden kann.

     

    Prädikat: muss man gesehen haben. Eine deutsche Veröffentlichung gab es leider nie.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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