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Die Nacht des Todes!

Frankreich, 1980

Originaltitel:

La nuit de la mort!

Alternativtitel:

Les griffes de la mort

Night of Death!

Regisseur:

Raphaël Delpard

Inhalt

Nach einem Streit mit ihrem Verlobten nimmt Martine (Isabelle Goguey) eine Stelle in einem Altenheim an. Dieses wird von Hélène (Betty Beckers) mit strenger Hand geführt, neue Angestellte dürfen das Grundstück während der ersten zwei Monate nicht verlassen. Aus gutem Grund, denn keine von ihnen hat dieses Haus lebend verlassen. Hélène hat ein ganz besonderes Angebot für ihre Senioren: Unsterblichkeit durch Kannibalismus.

Review

„La nuit de la mort!“ von Raphaël Delpard ist ein wenig bekannter und wenig erfolgreicher Horrorfilm aus Frankreich, der durch seinen Stil, seine Charaktere, einen unheimlichen Score und eine dichte Atmosphäre zu überzeugen weiß. Die Grundidee ist originell und die Stimmung erinnert ein wenig an (den wesentlich einfacher ausgeführten) „Don’t look in the Basement“ (1973) von S. F. Brownrigg. Grundidee und Stimmung sind es auch, die „La nuit de la mort!“ die Vorhersehbarkeit von Fort- und Ausgang vergessen lassen.

 

Raphaël Delpard bezeichnet sich selbst als Quereinsteiger in den Regiestuhl, der nur wenig Ahnung von Technik hatte. Vornehmlich war Delpard Drehbuchautor, davon, dass er seine Kamera(leute) nicht im Griff gehabt hätte, merkt man in „La nuit de la mort!“ allerdings nichts. Seit 1993 hat er eine Reihe von erfolgreichen Romanen geschrieben. Produzent von „Die Nacht des Todes!“ war Claude Pierson (Justine de Sade, 1972), seine Tochter Isabelle Goguey übernahm die Hauptrolle. Während des Drehs muss die sehr natürlich wirkende Rothaarige um die 20 gewesen sein, und sie macht ihre Sache gut. Überhaupt sind es eher die Frauen aus „La nuit de la mort!“, die mitunter längere Filmkarrieren hatten. 

 

Betty Beckers, die die herzfressende Leiterin des Altersheims spielt, hatte Nebenrollen in einigen Romy Scheider-Filmen, beendete ihre Filmkarriere aber 1981 in Delpards „Les bidasses aux grandes manoeuvres“, bevor sie 1982 verstarb. Ihre erste größere Filmrolle hatte in „La nuit de la mort!“ Charlotte de Turckheim, welche Martines Vorgängerin Nicole verkörpert. Apropos: der Kannibalismus, den die Alten an Nicole verüben, ist verdammt gut inszeniert. Man kann die Gänsehaut auf dem Körper der Toten sehen, während die Alten die Innereien aus ihr rausholen. Faszinierend, wie das gemacht wurde, sieht ziemlich realistisch aus. Im Gegensatz zu den Resten, die Martine gegen Ende des Films im Schrank findet. Ein weiteres bekanntes weibliches Gesicht findet sich unter den Residenzlern des Heimes, Germaine Delbat („Oscar“, 1967). Delbat und Kollegin Jeannette Batti dürften sich zudem bereits 1957 am Set von „Zwei Mann, ein Schwein und die Nacht von Paris“ (La traversée de Paris, 1956) begegnet sein.

 

Doch zurück zur Vorhersehbarkeit. Vieles ist zu offensichtlich. Achtung Spoiler. Dass Nicole kein schönes Ende bevorsteht ist klar. Als Nicole ihren Verlobten gegenüber Martine erwähnt, ihr ein Foto zeigen will, dies aber nicht macht, damit WIR es nicht zu sehen bekommen, ist ebenso klar, dass es sich um denselben Mann handelt, mit dem Martine verlobt ist. Ein A…loch, dass Frauen gegen Geld als Altenfutter verscherbelt. Der Goldnadel-Killer wird so oft erwähnt, dass er auftauchen musste. In der Zeitung wird ein Phantombild desselben abgebildet, dass der Zuschauer aber nicht zu sehen bekommt, somit ist ebenso klar, dass wir ihn kennen. Und so weiter, der Fortgang des Films ist insgesamt wenig überraschend, Atmosphäre und Charaktere können dies aber kompensieren.

 

Wer diesen Film verpasst, hat wirklich etwas verpasst.

Veröffentlichungen

Camera Obscura veröffentlichte „Die Nacht des Todes!“ in bestechender Bild- und Tonqualität als Mediabook, hierzu wurden Master und Bonusmaterial des französischen Releases von Le Chat Qui Fume verwendet. Als Bonus findet sich ein Interview mit Regisseur Raphaël Delpard, dass seinen gesamten Werdegang anschneidet. Da nur wenig davon mit „La nuit de la mort!“ selbst zu tun hat, wirken die ständigen Zwischeneinblendungen von Ausschnitten desselben ein wenig irritierend. Im zweiten Interview erzählt Hauptdarstellerin Isabelle Goguey einiges über sich und ihren Vater Claude Pierson. Desweiteren liegt der Veröffentlichung ein 12-seitiges Booklet mit einem analytischen Text von Marcus Stiglegger und Jakob Larisch bei.

Links

OFDb
IMDb

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