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Love Hunter

Japan, 1972

Originaltitel:

Koi no karyûdo: Rabu hantâ

Inhalt

Das junge Paar Kazuo (Ryûji Ôizumi) und Hisako (Mari Tanaka) macht in seiner Beziehung keine wirklichen Fortschritte. Während Kazuos Kopf mit pornographischen Phantasien angefüllt ist, lässt die schüchterne Hisako ihn nicht ran. Da begegnen sie der wohlhabenden und promiskuitiven Kyoko (Hidemi Hara), die trotz vieler erotischer Abenteuer keine wirkliche sexuelle Erfüllung findet, da sie sich eine Heirat mit ihrem Cousin aufgrund eines Kindheitstraumas versagt. Das junge Paar wird in die Kyokos Welt hineingezogen, findet am Ende aber dennoch seinen eigenen Weg, während Kyokos Abwärtsspirale sich schließt.

Review

Wenn man bereit ist, in die Welt von Nikkatsus Roman Porno-Reihe einzudringen, dann ist LOVE HUNTER der perfekte Einstieg. Eine dichte Story, wundervolle Photographie, richtige Charaktere und ein großartiges Spätwerk des japanischen Filmkomponisten Riichiro Manabe schaffen eine dichte Atmosphäre, die erstaunlich stark an europäische Exploitation-Filme erinnert. Wobei einem Jess Franco oder Joe D’Amato – das muss man leider sagen – selten eine solch dichte Figurenzeichnung oder sensible Umsetzung gelungen ist.

 

Der „Love Hunter“ im Film ist natürlich die unbefriedigte Kyoko. Trotz zahlreicher Affären mit wirklich jedem Geschlecht und sexueller Ausrichtung, ist das Hauptobjekt ihrer Begierden - die sie körperlich auch wiederholt praktiziert haben - eigentlich ihr Cousin. Der ist bereit sie zu heiraten, doch das kann Kyoko nicht, denn ihre Gefühle für ihn sind mit einer unangenehmen Jugenderinnerung verbunden. Und so eilt sie von Abenteuer zu Abenteuer, doch wie Cesare Canevaris Emmanuelle bleibt ihr wirkliche Befriedigung verschlossen. Der komplette Originaltitel des Films ist nicht leicht zu übersetzen, da er sich auf ein Wortspiel bezieht, das mit der Unausweichlichkeit von Liebe und Begierde zu tun hat. Kyoko jagt nach Liebe, doch sie findet nur vergängliche Lust.

 

Nikkatsu hatte bereits im November 1971 mit APARTMENT WIFE: AFFAIR IN THE AFTERNOON und CASTLE ORGIES seine Roman Porno-Reihe begonnen, doch erst mit LOVE HUNTER begann der Ärger mit den Behörden. Warum es gerade dieser Film war, der der Justiz sauer aufstieß, darüber lässt sich nur spekulieren. Vielleicht war es gar nur wegen des lockeren Umgangs mit Homosexualität und Transgender-Charakteren, die am Rande (und in sexuellen Handlungen) auftauchen.

 

Die Polizei von Tokyo verhaftete Regisseur Seiichiro Yamaguchi vorübergehend und LOVE HUNTER wurde mit dem gesamten übrigen Tagesprogramm (OFFICE LADY DIARY: SCENT OF THE SHE-CAT von Kazuhiko Fujiio und HIGHSCHOOL GEISHA von Kaoru Umezawa) beschlagnahmt. Auch die Begutachter der „Eirin“, der freiwilligen Selbstkontrolle Japans, die den Film durchgewunken hatten, wurden in der Folge angeklagt.

 

Regisseur Yamaguchi zeigte sich kampfbereit und wurde neben Hisako-Darstellerin Mari Tanaka zu einer Art Gallionsfigur im Kampf gegen die behördliche Willkür. Als die beiden jedoch gemeinsam die Fortsetzung LOVE HUNTER: DESIRE (1973) inszenieren, stuft Nikkatsu sie als Troublemaker ein, die nur zusätzlich Öl ins Feuer gießen. Während des Drehs zu einem dritten Teil, LOVE HUNTER: LUSTFUL MURDER (1973), wird Yamaguchi schließlich gefeuert und durch Masaru Konuma ersetzt. Für ihn fast das Ende seiner Karriere. Er würde im Anschluss nur noch einen Film für die Art Theatre Guild drehen, KITAMURA TOUKOKU: MY WINTER SONG (1977).

 

Das Drehbuch zu LOVE HUNTER wurde pseudonym von Seiichiro Yamaguchi mit seinem Regie-Kollegen Tatsumi Kumashiro verfasst. Eine interessante Darstellerin in LOVE HUNTER ist Sumiko Minami, welche Kyokos Mutter spielt. Sie war ein Urgestein in Nikkatsus Schauspielerriege, dem Publikum durch viele eher konservative oder gar komödiantische Rollen bekannt. Während viele andere Nikkatsu-Vertragsdarsteller mit Aufkommen der Roman Porno-Filme es vorzogen das Studio zu verlassen, war Sumiko Minami geblieben. Auch das trug zu einem gewissen Schock beim Kinopublikum bei, besagte Dame in einer Szene zu sehen, in der sie von ihrem Vater mit einem Gehstock penetriert wird. Aber ihr größter Moment kommt im Finale.

 

Als 1978 im Prozess um LOVE HUNTER ein Urteil gefällt wird, hat Nikkatsu längst mehr als 200 Roman Porno-Filme auf den Markt gebracht. Die Richter befanden, dass LOVE HUNTER zwar obszöne Szenen beinhalte, in seiner Gesamtheit jedoch nicht obszön sei. Das kann ich nur unterstreichen. Für Yamaguchi kam das Urteil zu spät, seine Karriere war vorbei.

Links

OFDb

IMDb

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