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Lillian, the Perverted Virgin

Spanien, 1984

Originaltitel:

Lilian (la virgen pervertida)

Alternativtitel:

Lilian (ESP)

Regisseur:

Jesús Franco

Kamera:

Juan Soler

Drehbuch:

Jesús Franco

Inhalt

Die junge Deutsche Lilian (Katja Bienert) möchte eine schöne Zeit in Spanien verbringen, gerät jedoch in die Hände des skrupellosen Gangsters Jorge Miranda (Emilio Linder). Missbraucht und heroinabhängig gemacht gelingt ihr die Flucht, wobei sie von dem abgehalfterten Ermittler Mario Pereira (Antonio Mayans) gefunden wird. Sie erzählt ihm ihre Geschichte und er nimmt bittere Rache an dem Hauptschuldigen.

Review

LILIAN ist eine schwierige Angelegenheit. Der Hauptteil des Films entstand im Frühjahr 1982 unmittelbar nach DIAMONDS OF KILIMANDJARO (El tesoro de la diosa blanca, 1983), auch bekannt als MONDO CANNIBALE 4. Teil: NACKT UNTER WILDEN. LILIAN war eine Produktion der Golden Films Internacional S.A. des Ehepaars Larraga, welches aufgrund von mangelnder Erfahrung und Kontakten Probleme hatte, die Filme in die Kinos zu bekommen. Jess Franco musste viele dieser Filme schließlich selbst bearbeiten, was aus Zeit- und Geldmangel schon eine gewisse Zeit dauern konnte.

 

Viel Zeit blieb diesen „Classificada S“-Filmen aber nicht – mit einer Gesetzesänderung, die die Pornographie in Spanien legalisierte, wurden auch die „Classificada S“-Filme in Pornokinos verbannt. Dort hatten sie allerdings keine Chance, denn die Pornokinos wollten nur Pornofilme zeigen. Und so saß Franco auf ein paar Filmen fest, die er nicht verkaufen konnte – es sei denn, er fügte nachträglich Hardcore-Szenen hinzu. Und so geschah es.

 

Für den ursprünglichen LILIAN wurden etwa 15 Minuten Hardcore-Material gedreht und eingefügt, und um die übliche Laufzeit von knapp 80 Minuten nicht zu überschreiten, musste anderes Material weichen, welches sich teilweise in Francos zusammengestückeltem Fervi-Film LAS CHUPONAS (1985) wiederfinden soll. Hauptdarstellerin Katja Bienert war verständlicherweise verärgert, dass sie plötzlich in einem Pornofilm zu sehen war, wobei sie in den Nahaufnahmen irgendwelcher Geschlechtsteile oder Penetrationen selbstverständlich gedoubelt wurde. In einer Szene zoomt Franco die Kamera gar einmal so weit zurück, dass auch der Zuschauer erkennen kann, dass das nicht Katja Bienert ist. Und letztlich kann ich als Franco-Fan natürlich nur betonen, wie schade es ist, dass dieser Film nicht in seiner ursprünglichen angedachten „Classificada S“-Fassung montiert wurde.

 

LILIAN (LA VIRGEN PERVERTIDA) beginnt recht abrupt. Katja Bienert betritt ein Zimmer, in dem wir (zwei Jahre später, lol) zwei ihrer Entführer bei einer Hardcore-Nummer sehen. Daraufhin flieht sie (in ihren Gefühlen verletzt?), was inhaltlich keinen Sinn ergibt, da wir in Folge sehen werden, wie sie an diesem Ort zu Drogen und Sex gezwungen wurde, mit Gewalt, unter Schmerzen und bitteren Tränen. LILIAN (LA VIRGEN PERVERTIDA) ist ein düsterer Film.

 

Es geht stilvoller weiter, mit wunderschönen Aufnahmen in Orange-Tönen, in der die unbekleidete Katja Bienert vor Meer- und Strandlandschaften ihre Flucht antritt, schließlich zusammenbricht und von Mario Pereira (Antonio Mayans) gefunden und zu einem Polizei-Außenposten gebracht wird, wo sein Kumpel Bernardo (Jesús Franco) ihn erwartet. Dort berichtet Lilian halluzinierend von ihren Erlebnissen, und jetzt wird es mal wieder schwierig. Franco präsentiert eine bittere Abrechnung mit dem Drogenmissbrauch, aber er ist, wie schon in früheren Versuchen mit diesem Thema, nicht gut darin. Man merkt dem Ganzen an, dass Franco im Grunde nicht viel darüber weiß. Wenn Bernardo anfängt, Lilians Unterarme mit einer Lupe nach Einstichen abzusuchen, musste ich lachen. Gleichzeitig kämpft er mit seiner Obsession, möglichst viele schmeichelhafte und erotische Aufnahmen von Katja Bienert einzufangen und übertreibt es damit ein wenig. Diese Momente sind sehr lang. Katja Bienert flüstert und wispert, Antonio Mayans und Jess Franco machen dazu betroffene Gesichter, weil ihnen kein Dialog einfällt.

 

In Rückblenden erfahren wir von Lilians Erlebnissen, die Mario Pereira und Bernardo schockieren. Pereira will ihr helfen, und die Schurken ihrer gerechten Strafe zuführen. Doch er muss herausfinden, dass der Mistkerl, der für Lilians Leiden verantwortlich zeichnet, ein mächtiger Mann ist, der gar vom Polizeichef (Daniel White) gedeckt wird. Zudem kehrt Lilian nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus zu den Schurken zurück. Nun sieht Pereira nur noch einen Ausweg – den Schurken zu beseitigen.

 

Wie Franco-Chronist Stephen Thrower bemerkt, ist die Geschichte nicht sonderlich logisch. Der Zuschauer erhält aufgrund der Rückblenden Informationen, die Lilians Geschichte belegen. Pereira wiederum hat nichts in der Hand als das Gestammel einer jungen Frau mit Entzug und Sonnenstich, aber das reicht ihm für Selbstjustiz? Freilich erfährt der Zuschauer am Ende wieder mehr, während einer inhaltlich recht unwahrscheinlichen Sado-Szene, in der sich ein Homosexueller (der Polizeichef) und der junge José (José Lllamas) an einem rein lesbischen Missbrauch ergötzen, um sich anzuheizen. In Francos Universum ist das freilich plausibel, und als Franco-Fan nehme ich das locker mit. Man kann einem Exploitation-Film nicht mit Logik kommen.

 


Aber trotz vieler schöner Aufnahmen, einer wahren Zeitreise durch Daniel Whites Library-Musik und einer melancholischen Stimmung von Verfall, die einige von Francos besten Werken der 80er Jahre auszeichnen, ist LILIAN wegen der eingefügten Hardcore-Szenen weder Fisch noch Fleisch. Man kann lediglich erahnen, wie der Film, unter anderen Umständen und mit einer besseren Montage, hätte werden können. Katja Bienert sieht in LILIAN übrigens zum Anbeißen aus.

Links

OFDb

IMDb

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