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Eine Jungfrau in den Krallen von Vampiren

Frankreich | Portugal, 1972

  • Originaltitel: La fille de Dracula
  • Alternativtitel:

    La hija de Drácula (ESP)

    Dracula's Daughter (GBR)

    A Filha de Dracula (POR)

    Daughter of Dracula

  • Regisseur: Jesús Franco
  • Kamera: José Climent
  • Musik: René Sylviano, Daniel White
  • Drehbuch: Jesús Franco
  • Inhalt:

    Luisa Karlstein (Carmen Yazalde aka Britt Nichols) erfährt am Totenbett ihrer Großmutter, dass sie ein Spross des ersten Grafen„Dracula“ Karlstein (Howard Vernon) ist, welcher im Keller liegt und wartet, dass man ihm Opfer bringt. Offenbar ist er nicht mehr gut zu Fuß. So völlig überraschend kommt diese Eröffnung für Luisa allerdings nicht, denn ihr gelegentlicher Blutdurst ist ihr keineswegs entgangen. Als ein erstes Opfer vom Meer an den Strand gespült wird, ermittelt Inspektor Ptuschko (Alberto Dalbés), dabei erhält er unfreiwillig Unterstützung von dem Reporter Charlie (Fernando Bilbao). Als weitere Opfer auftauchen scheint die Spur allerdings zum jetzigen Grafen Max Karlstein (Daniel White) zu führen. Auf der richtigen Fährte scheint jedoch dessen Sekretär Cyril (Jesús Franco), der dem Glauben an das Übernatürliche nicht abgeneigt ist. Da er in Gedanken viel Zeit in der spirituellen Welt verbringt, entgeht ihm allerdings die Affäre seiner Frau Ana (Yelena Samarina). Luisa beginnt indessen eine Affäre mit ihrer Cousine Karine (Anne Libert). Dabei versucht sie, ihren Blutdurst zu zügeln, doch die Chancen stehen nicht gut, dass ihr das auf Dauer gelingt.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Nicht von der Inhaltsangabe täuschen lassen, wir befinden uns nicht in einer Komödie. Mir war nur gerade so, denn die Handlung ist eh nur Mittel zum schönen Zweck. Ein (mehr oder weniger) geheimnisvoller Killer, der das Blut seiner Opfer trinkt, stalkt in Männerkleidung und mit Hut seine Opfer und zunächst könnte man meinen, sich in einem Giallo zu befinden. Und ja, ich habe die Auflösung gespoilert. Warum? Weil jeder Zuschauer dieses Films vielleicht nicht unbedingt Carmen Yazalde an den Großaufnahmen der „Killeraugen“ erkennt (wer schaut einer Frau schon in die Augen), aber die Großaufnahmen ihrer Lippen sind unverkennbar. Somit bei der Auflösung keine Überraschung.

     

    Darum geht es ohnehin nicht. Obwohl Franco im Januar - März 1972 endgültig der Teufel geritten hat, denn er stellte gleich drei Filme in dieser Zeit fertig, ist ihm zumindest bei diesem ein visuelles Meisterwerk gelungen. Die Locations sind nicht neu, wir kennen sie bereits aus seinen unmittelbar vorangegangenen Filmen „Das Grauen von Schloss Montserrat“ (La nuit des étoiles filantes, Nov. – Dez. 1971, veröffentlicht 1973) und „Die Nacht der Offenen Särge“ (Drácula contra Frankenstein, Nov. 1971, veröffentlicht 1972) und werden sie mindestens in „Eine Jungfrau in den Krallen von Frankenstein (La Maldición de Frankenstein, 1972) auch wiedersehen. In „Eine Jungfrau in den Krallen von Vampiren“ fällt jedoch umgehend eine wundervolle Kameraarbeit und die stilvolle Verwendung zahlreicher wunderschöner Landschaften, Location und Inneneinrichtungen ins Auge.

     

    Die Darsteller tragen ebenfalls dazu bei, aus diesem Film ein stilistisches Erlebnis zu machen. Alle agieren professionell und motiviert, lediglich Howard Vernon leidet nach wie vor an derselben Vampirmaulsperre, die wir schon aus „Die Nacht der offenen Särge“ kennen als hätte niemand ihm gesagt, dass man schon beim Drehen des nächsten Films ist. Eine Besonderheit im Franco-Oevre ist zudem dieser frühe längere Auftritt Francos als Darsteller mit viel Dialog, ebenso die längere Rolle seines Stammkomponisten Daniel White. Das erotische Spiel zwischen Carmen Yazalde und Anne Libert allein ist den Film wert. Geschlampt wurde erst in der finalen Szene, denn wir wissen nicht hundertprozentig, wer das weibliche Opfer im Sarg neben Dracula ist. Sein Opfer der Nacht zuvor oder Luisa? Luisa ist die logischere Wahl, denn ansonsten würde sie einfach sang- und klanglos aus dem Film verschwinden, aber zu sehen ist sie nicht. Hatte Carmen Yazalde was anderes vor, war sie nicht mehr vor Ort? Außerdem wirkt das Ende insgesamt sehr abrupt.

     

    Apropos Daniel White. Als Komponist des Films ist im Vorspann René Sylviano genannt, welcher auch den Vorspann von Francos „Un capitán de quince años“ (1972/73) ziert. Das ist sehr schwer einzuschätzen. Sylviano ist bekannt für ein paar sehr frühe Chansons der Dreißiger und Vierziger Jahre, war aber auch in den Fünfziger und Sechziger Jahren als Filmkomponist tätig. In den Siebzigern sind seine zwei Credits für Franco anscheinend seine einzigen Nennungen und nichts davon klingt nach Sylviano, der neben Chansons noch ruhige Solo-Gitarrenstücke komponiert hat. Sehr schwierig, denn natürlich kann man einem Komponisten nicht unterstellen, dass er nichts anderes könne. Für mich klingt das Meiste aus „Eine Jungfrau in den Krallen von Vampiren“ nach Daniel White. Vielleicht eine Kollaboration? In der 2003 erstellten spanischen Tonfassung von „Eine Jungfrau in den Krallen von Vampiren“ werden andere Stücke verwendet, teils von Daniel Whites LP „Ambience“ (1971), sowie von Jess Franco selbst und Ezequiel Caldas.

     

    Womit wir bei den Credits wären. Produziert wurde „Eine Jungfrau in den Krallen von Vampiren“ in Portugal von Interfilme, es gibt aber keine portugiesische Fassung. Vielmehr ging der Film anschließend an Robert de Nesles CFFP, welche die Vertonung in Französisch und den Vertrieb in Frankreich übernahm, dem einzigen Land, wo er in Kinos gezeigt wurde. 2003 erstellte Franco eine spanische Tonfassung – welche auf der X-Rated-DVD enthalten ist – und hier werden erstmals Arturo Marcos‘ Fenix Film sowie Marte Films genannt. Dieser Credit scheint nur für diese Tonfassung zu gelten. Gedreht wurde in Sintra und Cascais in Portugal sowie in Alicante, Spanien. Zusehen sind in den portugiesischen Szenen unter anderem der Palacio de Montserate und der Palacio Conde Castro Guimaraes. Letzterer ist lt. Stephen Thrower nicht nur das Schloss der Karlsteins sondern dessen Interieur musste obendrein für die Polizeistation, die Zellen und die Lobby von Ana Kramers Hotel herhalten.

     

    Apropos Stephen Thrower: er hat absolut recht, was die Nichtbeteiligung von Luis Barboo und Lina Romay anbelangt, welche fälschlich auf IMDb gelistet sind. Aber er verneint die Präsenz von Fernando Bilbao, wie schon bei „Das Grauen von Schloss Montserrat.“ Ich habe mir erneut alles an Fotos angesehen, was ich von Fernando Bilbao finden konnte, und komme zu demselben Ergebnis: er ist es. Hier in „Eine Jungfrau in den Krallen von Vampiren“ spielt er die größere Rolle des Reporters. Leider bietet Thrower keine Alternative Namensnennung, nach der man vergleichen könnte, aber ich denke, es ist eindeutig Fernando Bilbao.

     

    Fazit: wer auf der Suche nach einem Film mit einer schlüssigen Geschichte ist, wird hier halbwegs bedient. Wer auf der Suche nach Spannung und Action ist, der ist hier falsch. Wer sich aber nur von schönen Bildern berauschen lassen möchte, liegt mit „Eine Jungfrau in den Krallen von Vampiren“ goldrichtig.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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