Suchen

Is Cobra a Spy?

Spanien, 1984

Originaltitel

¿Cuánto cobra un espía?

Regisseur

Jesús Franco

Kamera

Juan Soler

Drehbuch

Jesús Franco

Inhalt

Ein junges Paar auf Hochzeitsreise (Lina Romay u. Juan Soler) gerät in eine Spionageaffäre und versucht schließlich die Vernichtung der westlichen Hemisphäre durch einen bösartigen Durchfallvirus zu verhindern, bei dem sich schon im frühen Mittelalter so mancher zu Tode gekackt hat.

Review

„¿Cuánto cobra un espía?“ ist eine Eigenproduktion von Jess Francos Manacoa Films, die dieser mitten in seiner Golden Films-Phase im Januar 1984 gedreht hat. Es ist eine quirlige Komödie und diesbezüglich recht straight. Franco bleibt auf Linie, liefert komische Dialoge und absurde Situationen, ohne diese durch eingestreute Sexszenen oder Nachtclub-Exzesse aufzuweichen. Das mag der eine gut, der andere schlecht finden, ich fand es sehr unterhaltsam.

 

Erst kürzlich hat der Experimentalmusiker Juan (Juan Soler) um die Hand der naiven Ana (Lina Romay) angehalten, und nun befinden die beiden sich in den Flitterwochen (luna de miel). Mit wenig Geld fahren sie in einem Schrottauto einem ungewissen Hochzeitsreisen-Ziel entgegen, die spärliche Portokasse diktiert in diesem Fall Benicàssim, da dort die Hotelpreise verträglich sind. Unterwegs nehmen sie das Anhalterpaar Carla und Albert (Alicia Príncipe u. Emilio Linder) mit, ohne zu ahnen, dass diese Spione sind und einen Mikrofilm mit einer verschlüsselten Audiospur bei ihnen im Auto deponieren.

 

In Benicàssim angekommen, interessieren sich nun auffällig viele Leute für das Flitterpaar. Neben Carla und Albert versucht ein gewisser Achmed (Carlos Ysbert, gedubbt von Jess Franco) ihnen das Auto abzukaufen, ein argentinischer Bilderbuch-Playboy namens Albino Radeck/Radetti (Antonio Mayans) will Ana Informationen entlocken, die Ostblock-Blondine Irina von Karlstein (die keine Dracula-Witze mag) schmeißt sich an Juan ran, ebenso wie das Starlet Marga (Analía Ivars). Natürlich sind sie alle Spione, die das Geheimnis des „Mariposa 2“ entschlüsseln wollen, einem Schmetterling dessen Flügelstaub tödlichen Durchfall verursacht. Für zusätzliche Verwirrung sorgt die Tatsache, dass Juan für seine Musik mit Insektengeräuschen experimentiert und ein Musikstück namens „Mariposa 2“ komponiert hat und so nicht recht zu begreifen scheint, dass alle hinter was ganz anderem her sind als seiner Musik. Doch der Schein trügt, wie wir am Ende erfahren, denn Juan ist nicht so unbedarft wie er vorgibt.

 

„¿Cuánto cobra un espía?“ lebt von seinen amüsanten Dialogen, welche in englischen Untertiteln nicht immer ganz akkurat übersetzt werden können. Wenn Albert etwa von den drängenden Gefühlen von Männern spricht und Juan ihm – in den Untertiteln – antwortet, ja, er kenne das, denn er mag Seehunde, dann klingt das befremdlich. Aber „Foca“ bedeutet eben nicht nur Robbe. Manche finden Lina Romay in dieser Charakterschablone der naiven, ewig plappernden und rasend eifersüchtigen Frau nervig, doch tatsächlich fand ich sie in „¿Cuánto cobra un espía?“ diesbezüglich weit weniger anstrengend als in anderen Filmen, wo sie ähnliche komödiantische Rollen spielt.

 

Die männliche Hauptrolle des Juan ging an Kameramann Juan Soler, der in Franco-Filmen so einige Nebenrollen verkörperte, aber in „¿Cuánto cobra un espía?“ seinen einzigen Hauptpart spielt. Er schlägt sich sehr gut, wenn man nicht zu sehr auf seine Augen achtet, die seltsam unbeteiligt wirken. Vielleicht liegt es auch an seiner Brille, ich weiß es nicht. Wer Franco-typische Extravaganzen bevorzugt, wird wohl erst im Finale auf seine Kosten kommen, das in punkto Location und Atmosphäre visuell überlegener wirkt als die übrige Szenerie.

 

Insgesamt ist „¿Cuánto cobra un espía?“ natürlich ein Schnellschuss, der wohl ebenso schnell Geld in die Kasse bringen sollte. Gedreht wurde im Januar 1984 in und um Benicàssim an der Costa del Azahar (Valencia), in Castellón de la Plana und nahe Madrid. Bereits bis März waren Endbearbeitung, Dubbing und Registrierung abgeschlossen und im Mai erfolgten erste Kinoaufführungen in Madrid. In den Folgemonaten gab es weitere spanische Aufführungen, es gab wohl nicht viele Kopien, und so dauerte es ein wenig, bis der Film seine Rundreise durch spanische Kinos hinter sich hatte und schließlich auf VHS rauskam.

 

Zu Anfang des Films, während dialoglastiger 10 Minuten einer Autofahrt fragt man sich noch, wo das alles wohl hinführen soll und die folgenden Szenen vermitteln eine doch etwas altbacken anmutende Story. Doch schließlich schafft es „¿Cuánto cobra un espía?“ den Zuschauer in seine amüsante Farce zu ziehen und liefert vergnügliche Sommerferien- und Strandunterhaltung.

Links

OFDb
IMDb

Bitte Kommentar schreiben

Sie kommentieren als Gast.