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Heart Beat

Spanien, 1983

Originaltitel:

Latidos de pánico

Alternativtitel:

Dark Motel (DEU)

Das Geisterhaus im Nebel (DEU)

Nightmare House (DEU)

Cris de panique (FRA)

Le chevalier d'outre-tombe (FRA)

Panic Beats (USA)

Regisseur:

Paul Naschy

Kamera:

Julio Burgos

Inhalt

Paul de Marnac (Paul Naschy) ist mit der wohlhabenden Geneviève (Julia Saly) verheiratet, die einen schweren Herzfehler hat. Ein Pariser Arzt empfiehlt ihnen einen Aufenthalt auf dem Land, damit Geneviève in der Ruhe der Abgeschiedenheit noch ein paar Jahre weiterleben kann. Doch genau das hat Paul nicht im Sinn.

Review

Ich war überrascht, so viele schlechte Reviews zu diesem Film zu finden. Ja, als ich ihn das erste Mal auf DVD von Laser Paradise gesehen habe, auf den Tag genau vor (ungefähr) 250 Jahren, da fand ich ihn ebenfalls ziemlich mies, aber … da habe ich auch keine Reviews geschrieben. Inzwischen, nach ausführlicher Beschäftigung sowohl mit italienischen als auch spanischen Horrorfilmen, sehe ich das anders. Was ist also schiefgelaufen? Ein Erklärungsversuch: bei den schlechten Reviews handelt es sich größtenteils um Beurteilungen aus dem deutschen Sprachraum – vielleicht sollte man deshalb mal unterscheiden, ob Darsteller wirklich schlecht sind oder ob man nur eine miese Synchro vor sich hat. Oder miese Bildqualität? Irgendwo habe ich was von einem Ritter gelesen, der aus einem Schrank kommt, aber sorry, niemand kommt aus irgendeinem Schrank. Hat der Film Unzulänglichkeiten? Jede Menge. Ist er deswegen schlecht? Nein.

 

Zielpublikum ist freilich manchmal ein Problem, insbesondere wenn man falsche Erwartungen weckt oder zu spät dran ist. HEART BEAT beginnt wie ein Horrorfilm. Die Legende vom alten Alaric de Marnac, der mit einem Morgenstern sein untreues Weib und die vermeintlichen Bastarde erschlägt, die sie ihm untergeschoben haben soll, eröffnet den Film. Alle 100 Jahre soll er wiederauferstehen, um nach dem Rechten zu sehen, sprich, untreue de Marnac-Weiber erschlagen. Doch die Fluch-Geschichte dient zunächst nur als Aufhänger, mit dem man die herzkranke Geneviève zu Tode ängstigen will. Sorry für den Spoiler, aber wir haben hoffentlich alle Clouzots DIE TEUFLISCHEN gesehen, außerdem macht Naschy kein großes Geheimnis aus Richtung und Fortgang der Story. So finden wir uns plötzlich in einem Paella-Giallo, und dieser Teil ist durchaus spannend gemacht.

 

Sind die Darsteller also wirklich schlecht? Nein, sind sie nicht, schaut Euch den Film in Spanisch an. Julia Saly zeigt souveräne Leistung, herausragend ist dagegen Lola Gaos als ältliche Haushälterin Mabile. Deren Nichte Julie wird hübsch aber kalt gespielt von Frances Ondiviela, aber genau das ist ihre Rolle. Julie sorgt sich allenfalls um Julie. Pauls Geliebte Mireille ist hohl, war in der Vergangenheit sicher so schön wie Julie, aber inzwischen nervt sie Paul mit ihren Forderungen nach absichrung und Einhaltung längst vergangener Versprechen. Ich finde nicht, dass Darstellerin Silvia Miró dieser Figur etwas schuldig geblieben wäre. Schwächster Darsteller des Films, und das schreibe ich mit allem Respekt für die Gesamtleistung und das Lebenswerk dieses Mannes, ist Paul Naschy. Bei seiner Todesszene hätte ich mich fast eingepinkelt, huuuhh, und schwupps taucht er unter. Das war lustig.

 

Also haben wir einen Giallo gesehen? Nicht ganz, denn im Finale kehrt die Story zum Horrorthema zurück, und Julie entwickelt erstmals Gefühle. Für sich selbst natürlich, Todesangst. Ein Meisterwerk? Wohl kaum. Aber ein guter spanischer Horror/Giallo/Thriller-Beitrag mit blutigen Effekten, die freilich nicht so sorgfältig umgesetzt sind, wie in italienischen Produktionen dieser Zeit.

 

HEART BEAT wurde im März 1983 gedreht und kam bereits im Mai 1983 (wenig erfolgreich) in spanische Kinos. Also eindeutig ein Schnellschuss, und über seine Zeit hinaus – zu spät für einen Giallo, zu altbacken für einen zeitgemäßen Horrorfilm. Jahrzehnte später ist das aber kaum von Belang, solange man als Liebhaber vergangener Euro-Produktionen nicht mehr als einen guten Naschy-Film erwartet – denn diese Erwartung wird erfüllt. Gedreht wurde HEART BEAT lt. Naschy selbst in einer Villa, die zuvor dem Ex-Diktator Franco gehörte.

Veröffentlichungen

In Deutschland erschien HEART BEAT nach VHS-Veröffentlichungen erstmals von Laser Paradise auf DVD, in eher schwacher Auflösung. Einige Jahre später folgte eine DVD von CMV in der Trash Collection, in besserer Auflösung aber leider abgedunkelt.

 

In den USA erschien der Film im Februar 2021 unter dem Titel PANIC BEATS auf Blu-ray bei Mondo Macabro, in herrlicher Auflösung, mit spanischem Ton und englischen Untertiteln. Das Bonusmaterial ist dünn aber immer noch dicker als bei bisherigen deutschen Veröffentlichungen. Neben zwei Archivinterviews mit Naschy findet sich ein Audiokommentar mit Troy Guinn and Rodney Barnett vom sog. Naschycast.

Links

OFDb

IMDb

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