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Das Geheimnis der gelben Narzissen

Deutschland | Vereinigtes Königreich, 1961

  • Originaltitel: Das Geheimnis der gelben Narzissen
  • Alternativtitel:

    Le Narcisse jaune intrigue Scotland Yard (FRA)

    Il segreto del narciso d'oro (ITA)

    El misterio de los narcisos amarillos (ESP)

    The Devil's Daffodil (GBR)

    Daffodil Killer (USA)

    Edgar Wallace - Das Geheimnis der gelben Narzissen

  • Deutsche Erstaufführung: 20. Juli 1961
  • Regisseur: Ákos Ráthonyi
  • Kamera: Desmond Dickinson
  • Musik: Keith Papworth
  • Drehbuch: Basil Dawson, Egon Eis, Donald Taylor
  • Inhalt:

    In London treibt ein Serienmörder sein Unwesen, der innerhalb kürzester Zeit drei Frauen umgebracht hat. Die Bevölkerung ist beunruhigt, da es sich offensichtlich um einen Wahnsinnigen handelt, der stets ein bizarres Szenario veranstaltet. Bei jeder der Toten wurde bislang ein Strauß gelber Narzissen deponiert, was den ermittelnden Beamten, Oberinspektor Whiteside (Walter Gotell), vor ein Rätsel stellt. Da die Spur ins Drogenmilieu führt, wird ihm Jack Tarling (Joachim Fuchsberger) zur Seite gestellt, der Sicherheitsbeamter der Fluggesellschaft Global Airways ist, da eine Ladung geschmuggeltes Heroin am Flughafen sichergestellt wurde, das in künstlichen Narzissen versteckt war, aber durch einen Bombenanschlag vernichtet wurde. Tarling befragt den Londoner Geschäftsmann Raymond Lyne (Albert Lieven), dessen Firma für den Handel mit den künstlichen Blumen verantwortlich war, doch er stößt nicht gerade auf Kooperationsbereitschaft. In der Zwischenzeit schlägt der Narzissenmörder erneut aus dem Nichts zu...

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Diese bereits siebte Edgar-Wallace-Verfilmung der Nachkriegszeit besitzt in vielerlei Hinsicht einen besonderen Stellenwert, rangiert sie doch unter den erfolgreichsten Wallace-Produktionen in Deutschland auf Platz 2, mit 3,5 Millionen Kinobesuchern hinter Alfred Vohrers "Das Gasthaus an der Themse", der seinerzeit gut 100 000 Zuschauer mehr in die Kinos locken konnte. "Das Geheimnis der gelben Narzissen" besitzt in Fankreisen einen zwiespältigen Status, was oftmals in Zusammenhang mit der Arbeit von Gast-Regisseur Ákos von Ráthonyi gebracht wird, der bei seinem Film eine - fast möchte man sagen - konträre Strategie verfolgte und diesem Beitrag ein weitgehend beispielloses Profil mit auf den Weg geben konnte. Vielleicht ist mit der Wendung beispiellos etwas zu viel versprochen, hält sich doch auch dieser Film grundlegend an bestehende Gesetze der Serie, vor allem aber an diejenigen des Kriminalfilms an sich. Allerdings bekommt man auch zahlreiche Unterschiede bei diesem gelben Ausreißer angeboten, die die Meinungen teilweise weit auseinander gehen lassen. Kritikpunkte auf der einen können auf der anderen Seite naturgemäß große Stärken darstellen, und hier ist vor allem der überaus prosaische Charakter und die vollkommen ernste Atmosphäre zu nennen, die bei anderen Produktionen als Charakteristika eher in der zweiten Reihe zu finden waren, wenn überhaupt. Ákos von Ráthonyi erspart den Kinogängern den mittlerweile typisch etablierten Humor der Vorgänger. Es handelt sich interessanterweise um den einzigen Rialto-Film in Schwarzweiß, der ohne Eddi Arent auszukommen hatte. Dieser Verlauf nimmt es dankend an, steht doch ein doppelzüngiger Christopher Lee zur Verfügung, der zwar nicht für obligatorischen Humor steht, allerdings für geistreiche Kommentare und eine Art Sarkasmus, der für Wallace-Verhältnisse beinahe schon überqualifiziert wirkt.

     

    Alleine die Produktionsnotizen bescheinigen dem Film formell gesehen eine klassische Seele. Erstmalig wurde mit Großbritannien, sprich mit der dort ansässigen Omnia Pictures coproduziert, was den besonderen Effekt mit sich bringt, dass man in den Genus von Außenaufnahmen an Originalschauplätzen kommt und nicht auf Archivmaterial zurückgreifen musste, oder wenige speziell gedrehte Szenen vor Ort. Des Weiteren wurde bei "Das Geheimnis der gelben Narzissen", der der letzte deutsche Film des Prisma Verleihs war, bevor er als deren Tochterfirma in die Constantin-Film integriert wurde, sozusagen zweigleisig gedreht, denn für jeden der beiden Produktionsmärkte kam es zu einer landesspezifischen Orientierung im Rahmen der Besetzung. Joachim Fuchsberger, Sabina Sesselmann und Klaus Kinski wurden durch William Lucas, Penelope Horner und Colin Jeavons ersetzt, der Rest der Crew blieb dabei identisch. Bei einem halben Dutzend Beiträge war es unter Ákos von Ráthonyi also an der Zeit für grundlegende und weitreichende Veränderungen, die sich auch wie ein roter Faden durch den Stab ziehen, wenn es natürlich auch mit den britischen Partnern zu tun gehabt haben dürfte. Bleibt man bei den strukturellen Veränderungen, darf im Wallace-Orbit von einer Art Pionierarbeit gesprochen werden, die in folgenden Beiträgen weniger kopiert, geschweige denn aufgegriffen wurde. Als unmittelbarer Nachfolger von "Die toten Augen von London" lassen sich vielleicht einige Ansätze und Parallelen der härteren Marschroute herausfiltern, allerdings schwimmt erstmalig ein empfunden realer Transfer in der Geschichte mit, die mit Mord und Drogenhandel eher von dieser Welt zu sein scheint Was auf den ersten und vielleicht sogar auch zweiten Blick eher als herkömmlich und weniger ausgefallen abqualifiziert werden könnte, wird durch die zahlreichen Finessen innerhalb des Plots mehr als ausgeglichen.

     

    »Eine wenig geschmackvolle Edgar-Wallace-Verfilmung«, lautet die lapidare Einschätzung des "Lexikon des internationalen Films", was letztlich die Frage aufwirft, wie die Wendung geschmackvoll in diesem Zusammenhang überhaupt gemeint sein könnte. Handelt es sich um die doch sehr sterile Mechanik der Mordserie, bei der die Toten mit einem Markenzeichen das Grabschmuck gleicht versehen werden, oder begründet sich die vorgeworfene Geschmacklosigkeit darin, dass dieser ernst gehaltene Film vollkommen auf Tendenzen des Haudrauf-Humors verzichtet hat, was die laufende Geschichte nicht nach bekanntem Schema entschärfen konnte? Der Geschmack, ob gut oder schlecht, liegt wie eigentlich immer im Auge des Betrachters und rechtfertigt sich darin, was man im Endeffekt sehen möchte. Kritisiert man eine Änderung der Marschroute und fühlt sich wegen Neuerungen und Kehrtwendungen irritiert, die ja insbesondere in späten Wallace-Jahren zum Streitthema avancierten, oder erkennt man den Mut innerhalb noch junger Strukturen an und weiß den neuen Charakter dieser Geschichte zu schätzen? Es bleibt eine interessante Frage, die sich gar nicht so einfach klären lässt; wenn überhaupt. Die Passion der Wallace-Beiträge in der langen Phase der Schwarzweiß-Filme basiert für nicht wenige Anhänger auf typischen Charakteristika, bei der nicht nur die Tatsache ausschlaggebend ist, dass es sich eben um keine Farbfilme handelt. Schlagwörter wie Flair oder die typische Wallace-Atmosphäre verurteilen einige Filme zum Dasein in niedrigeren Sphären der Zuschauergunst; meistens spielen dabei aber nur klassische Lockvögel eine prominente Rolle, wie beispielsweise ein altes Gemäuer oder Nebel, eine Märchengestalt und das genaue darauf Hinweisen auf eben jenen Märchen-Charakter der Geschichten. Wallace kann aber so viel mehr sein wie die Historie eindeutig belegt. Dieser dritte von fünf angelaufenen Beiträgen im Jahr 1961 ist schließlich als eine der wenigen Alternativen zur Masse anzusehen.

     

    Interessant für die Geschichte ist die titelgebende, gelbe Narzisse, die in der Blumensprache sagt: »Mein größter Traum, meine größte Sehnsucht hat sich mit dir erfüllt!« In vielerlei Hinsicht kann dieser Satz hier für bare Münze genommen werden, allerdings schleicht sich dabei ein doch sehr zynischer Unterton ein. Große Träume, große Sehnsucht - die Narzisse, zweckentfremdet und missbraucht als Drogenkurier, übernimmt in diesem Fall genau diese Funktion, allerdings im negativen Sinn. Die unscheinbare und nahezu fragile Wirkung, die von dieser bildschönen Blume ausgeht, schlägt bereits nach kurzer Spieldauer in diesen Eindruck um, da die todbringend ist und für Gefahr steht. Der Narzissenmörder hat sie sich somit nicht nur als Markenzeichen auserkoren, sondern sie findet eine makabre Funktion, die quasi Grabschmuck gleicht. Im Rahmen der Symbolik der gelben Narzisse kündigt sie den Tod eigentlich nicht nur an, sondern der Mörder demonstriert unter ihrem Einsatz einen unausweichlichen Abschluss, obwohl sie auch fü das ewige Leben steht. Doch diese Toten erstehen nicht wieder auf. Im Film ist die Titelrolle allgegenwärtig, erzielt ihre Wirkung trotz exponierter Erscheinung allerdings nur aus der zweiten Reihe, da sie vordergründig als Dekor eingesetzt wird und eigentlich vielmehr rückwirkend als eine Art Omen angesehen werden darf. Ein beliebtes Thema zwischen Mord und Verbrechen bleibt also die regelrechte Zerstörung von Schönheit und Anmut. Insgesamt setzt die Regie jedoch keinesfalls auf symbolträchtige Offensiven, obwohl die Todesbotin in sehr vielen Szenen beiwohnt. Unterm Strich hat die Narzisse diese kleinere Betrachtung aber durchaus verdient, ist sie doch quasi wie ein Bindeglied für viele Sequenzen und letztlich mitverantwortlich für das Entstehen einer bedeutenden, wenn auch einer alternativ angelegten Wallace-Atmosphäre.

     

    Im Bereich der jeweiligen Besetzungen wurde bislang stets auf große Aufgebote geachtet, was in "Das Geheimnis der gelben Narzissen" nicht anders ist. Joachim Fuchsberger kann in seinem bereits vierten Wallace-Auftritt schon zur prägenden Stammbesetzung gezählt werden. Als Sicherheitsbeamter einer Fluggesellschaft übernimmt er zwar nicht den klassischen Part wie in anderen Filmen, allerdings wird es vor allem seine Ermittler-Funktion sein, die Licht ins Dunkel bringt. Dem Empfinden nach befindet sich sein Jack Tarling in Gefahren, die vergleichsweise wesentlich akuter auf den gespannten Zuschauer wirken. Ein früher Mordanschlag, der eigentlich eher als diffuser Rundumschlag gedacht war, bahnt die prekäre Situation an, die für die meisten Beteiligten einem buchstäblichen Würgegriff gleichkommen wird. Tarling überrascht mit erhöhter Sachlichkeit und es scheint, als nehme man erstmalig weniger Temperament wahr, was nicht gleichzeitig heißen soll, dass diese Figur sich irgend eine Blöße erlaubt. Bei ihm weiß das jeweilige Gegenüber nicht nur in Windeseile mit wem man es zu tun bekommt, sondern vor allem was der Ermittler von seinen Kontrahenten hält. Unbequeme Fragen und eine fordernde Attitüde hüllen die Stilrichtung in eine trockene Fasson; selbst der Umgang mit den Damen gestaltet sich teilweise als wenig taktvoll, was ihn umso resoluter erscheinen lässt. Insbesondere Sabina Sesselmann , als Partnerin in spe, bekommt die Hartnäckigkeit zu spüren, von der zunächst eine beinahe eisige Aura auszugehen scheint. Die Münchnerin überzeugt auf alternativ angelegter Basis mit einem Präzisionsauftritt der wenig tief blicken lässt und den Zuschauer nicht mit der üblichen Transparenz oder vielleicht sogar Sympathie verwöhnen will. Einzeln und als Gespann erzielen beide Arbeitssiege, die schauspielerische Qualität wird dem Eindruck nach noch exemplarischer dargelegt, als man es gewohnheitsmäßig kennt.

     

    Ingrid van Bergen und Klaus Kinski konnten bereits Wallace-Erfahrung in der Kurt Ulrich-Produktion "Der Rächer" aus dem Jahr 1960 sammeln. Insbesondere für Kinski sollte eine langjährige Verbindung mit dieser Reihe entstehen. Seine Kollaborationsbereitschaft wurde im Rahmen unterschiedlichster Rollen erprobt und endete erst 1969 mit der Hauptrolle "Das Gesicht im Dunkeln". Dieser meistens so unberechenbare Darsteller scheint auch hier von Zeit zu Zeit den irren Blick an den Tag zu legen. Seine Impulsivität schreckt auf, seine Ausraster aus dem Nichts irritieren, und in Verbindung mit seinen sarkastischen Kostproben entsteht angesichts der interpretierten Figur ein insgesamt unbehaglicher Eindruck, der aber auf darstellerischer Ebene gleichzeitig seine brillanten Züge preisgibt. Ingrid van Bergen als halbseidene Gloria weiß ebenso zu überzeugen, wenngleich sie Überraschungen vermissen lässt. Sie gibt eine der wenigen Gesangsdarbietungen der Reihe zum Besten, und zwar auf der kleinen Bühne des Kosmos-Club, einem Umschlagplatz für Drogen, Erpressung und Mord. Außergewöhnliches in Sachen Rhetorik und Spiellaune bekommt man von Albert Lieven angeboten, der den schmierigen Geschäftsmann Lyne mit Dutzenden Gesichtern der Verachtenswürdigkeit ausstaffiert. Mit Peter Illing, Jan Hendriks und Marius Goring sind weitere Gestalten aus dem Zwielicht wahrzunehmen, die souverän interagieren und sich immer wieder glaubhaft in den Fokus spielen können. Eine ebenfalls genaue Betrachtung verdient Walter Gotell als Oberinspektor Whiteside, der auf den ersten und sogar auch zweiten Blick recht wenig mit dem bislang präsentierten Rollenschema des Ermittlers gemein hat. Dennoch hat seine Darbietung etwas Erfrischendes an sich, da er sich weder um Sympathien bemüht, noch an unnötigen Höflichkeiten interessiert zu sein scheint.

     

    Einen ganz bemerkenswerten Coup im Bereich der überdurchschnittlich ausgewogenen Besetzung stellt die Verpflichtung von Christopher Lee dar; hier als zweiter Co-Ermittler Ling Chu. Mit chinesischen Weisheiten und bissiger Doppelzüngigkeit steht er den Verantwortlichen bei, verfolgt aber ganz offensichtlich eigene Ziele, die lange unklar bleiben. Seine Methoden sind unorthodox und bewegen sich häufiger jenseits der Grenzen der Legalität. Doch wie es eben so ist, heiligt der Zweck schließlich alle Mittel. Lee veredelt die tückische Geschichte mit seiner ganz speziellen Note und es bleibt zu sagen, dass Regisseur Ákos von Ráthonyi eine insgesamt hervorragende Besetzung zur Verfügung gehabt hat, bei der er eine gute Schauspielführung unter Beweis stellen konnte. Die Geschichte präsentiert innerhalb mehrerer gut verknüpfter Handlungsstränge ein recht hohes Tempo und immer wieder beunruhigende Bilder die in Atem halten. Eine ungewöhnliche, aber forcierend musikalische Gesamtkomposition sorgt für die richtigen Momentaufnahmen. Sicherlich tauchen ganz im guten Ton derartiger Kriminalfilme Wendungen, Erklärungen und sogar Lösungen auf, die wie aus dem Nichts herbeigezaubert zu sein scheinen, aber so wird letztlich nur das oberste Gebot einer derartigen Produktion bedient, keinen Leerlauf oder vielleicht sogar Stillstand entstehen zu lassen. Diese Geschichte aus dem Drogenmilieu vermittelt für Edgar-Wallace-Verhältnisse eine ungewohnte Härte und Sterilität, die möglichen Anflügen eines Märchencharakters und der Stagnation eine deutliche Abfuhr erteilen. Unterm Strich bleibt zu betonen, dass das Funktionieren der Kriminalfälle im Wallace-Orbit sehr häufig Ermessenssache bleibt, das eng und ausgiebig an persönliche Präferenzen gekettet ist, doch der beste Schwarzweiß-Film der Serie heißt womöglich tatsächlich "Das Geheimnis der gelben Narzissen". Ein Spitzenbeitrag!

  • Autor: Prisma
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