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Elsa Fräulein SS

Frankreich, 1977

  • Originaltitel: Elsa Fräulein SS
  • Alternativtitel:

    Fraulein Kitty (ITA)

    O Comboio Nazi do Prazer (POR)

    Captive Women 4 (USA)

    Fraulein Devil (USA)

    Fräulin Devil

  • Regisseur: Patrice Rhomm
  • Kamera: Michel Rocca
  • Musik: Daniel White
  • Drehbuch: Marius Lesoeur, Patrice Rhomm
  • Inhalt:

    Die Prostituierte Elsa Ackermann (Malisa Longo) wird mit einer wichtigen Aufgabe betraut und zugleich mit einem Offiziersrang belegt. Mithilfe von in Ungnade gefallenen deutschen Mädchen soll sie in einem speziell dafür eingerichteten Zug Soldaten und Offizieren Informationen entlocken, was deren Einstellung zum Deutschen Reich, dem Krieg und dem Führer betrifft. Verräter werden postwendend erschossen. Elsas Liebhaber Major Franz Holbach (Olivier Mathot) sind solche Methoden zuwider, zudem hat er mit seinen Erinnerungen an seinen Fronteinsatz in Russland zu kämpfen. Im Zug verliebt er sich in die junge Liselotte (Patrizia Gori), die eine Spionin für die französische Resistance ist. Als Liselotte in Gefahr gerät, zögert Holbach nicht länger und setzt sich mit Widerstandskämpfern in Verbindung, um die junge Frau zu retten. Elsa Ackermann hingegen schäumt vor Wut und will die beiden Abtrünnigen tot sehen.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Bei den fünf oder sechs Nazi-Exploitern, die Eurociné produziert hat (abgesehen von den Action-Filmen mit Nazi-Sub-Story) wäre es müßig darüber nachzudenken, welcher wohl zuerst entstand, denn bekanntlich lagen deren Produktionen manchmal auch etwas im Regal vor tatsächlicher Veröffentlichung. Zudem teilen sich diese Produktionen Szenen und Archivmaterial, und immer wieder taucht dieser verdammte Nazi-Zug auf. Egal. Ich glaube, dieser hier, „Elsa Fräulein SS“ könnte der erste gewesen sein, hauptsächlich wegen der Beteiligung von Patrice Rhomm.

     

    Machen wir es uns einfach. Patrice Rhomm wurde als Patrice Rondard 1931 in Lyon geboren und erlebte so die Besetzung durch die Deutschen mit, welche sich in seinem künftigen Wirken als wiederkehrendes Markenzeichen in Bezug auf Nazisymbole und -Uniformen wiederspiegeln würde. Von den frühen 50er Jahren bis zum Ende der 60er Jahre schrieb er unter zahlreichen Pseudonymen Geschichten für französischsprachige Magazine. Er selbst gründete zudem das SF-Magazin „Satellite.“ Immer wieder tauchten Nazithematiken in diesen Geschichten auf. „Elsa Fräulein SS“ ist somit ganz sein Ding. In den Credits zu diesem Film taucht Rondard unter immerhin vier Pseudonymen in verschiedenen Funktionen auf.

     

    Rhomms Film fühlt sich an wie ein sleaziges Fetisch-Comic. Eine blondgelockte, attraktive aber im Innern stahlharte Frau als Dienerin für Volk und Vaterland. Erschießungen ordnet sie zunächst nur an, dann schaut sie zu, schließlich betätigt sie selbst den Abzug. Als Gegenpol haben wir ihren (masochistisch veranlagten) Geliebten/Kunden Major Holbach, gespielt von Olivier Mathot. Überrascht musste ich feststellen, dass Mathot im französischen Original als durchaus passabler Schauspieler daherkommt. Rhomms Drehbuch hat ihm auch tatsächlich eine richtiggehende Charakterisierung verpasst, dafür gibt’s Extrapunkte.

     

    Bin ich der Einzige, der in diesem Nazi-Exploitationer beabsichtigten Humor feststellen konnte? Die Eröffnungsszene mit Roger Darton ist lustig. Er gratuliert dem Offizier, der sich den Kniff mit dem Nuttenzug mit Abhöranlage ausgedacht hat, dafür würde man ihn mit Eichenlaub und Eisernem Kreuz dekorieren – posthum, denn leider müsste man ihn jetzt erschießen. Scheiße, das ist voll witzig! Die musikalische Vertonung durch Jess Franco-Stammkomponist Daniel White (neue- und Archivtracks) trägt ebenfalls zu einer gewissen Leichtherzigkeit der Inszenierung bei. In eine Szene gibt es eine Feier im Salonwagen des Zuges, hier begleitet Daniel White persönlich die quirlige Pamela Stanford bei einer Gesangsnummer am Klavier. Für die Szene gibt’s weitere Extrapunkte.

     

    Ein wenig Langeweile kommt bei Erscheinen der Resistance-Kämpfer auf, denn verdammt, dieses Szenario taucht in jedem Eurociné-Nazi-Exploitationer so sicher auf wie das Amen in der Kirche. Wie der verdammte Zug. Doch dann folgt das Finale, ein sehr dramatisches Finale, auch wenn die Art der Dramaturgie wirklich an klassische Serials der Dreißiger erinnert. Das ist so süß, da gibt’s erneut Extrapunkte.

     

    Fassen wir also zusammen. Ich habe mich gut unterhalten. Malisa Longo ist nicht nur verdammt sexy, sondern spielt ihre Rolle sehr überzeugend, ebenso wie Patrizia Gori und Olivier Mathot. In weiteren – nur sehr kleinen Rollen – eine wundervoll agierende Pamela Stanford, sowie Claudine Beccarie und Nadine Pascal. Mit all den Extrapunkten und unter Berücksichtigung des (möglichen Irr-) Glaubens, dass es sich hier um die erste Eurociné-Verwurstung dieses Thema handelt, gebe ich dem tatsächlich eine 7/10.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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