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Daydream

Japan, 1981

Originaltitel

Hakujitsumu

Alternativtitel

La furia dei sensi (ITA)

Day Dream

Regisseur

Tetsuji Takechi

Inhalt

Im Wartezimmer eines Zahnarztes begegnen sich Junkichi Kurahashi (Akira Ishihama) und die junge Chieko (Kanako Michi). Obwohl Chieko ihm offensichtlich gefällt, spricht er sie nicht an. Nur kurze Zeit später sitzen sie nebeneinander auf Behandlungsstühlen, und als Kurahashi eine starke Betäubung bekommt, füllt sich sein Kopf mit grotesken Phantasien, in denen sich Chieko in der sexuellen Abhängigkeit eines vampirähnlichen Mannes befindet, der dem Zahnarzt stark ähnelt. Kurahashi will ihr helfen, sich von ihrem Peiniger zu befreien, doch als Kurahashi erkennt, dass sie die Begegnungen mit dem unheimlichen Peiniger genießt, will er sie töten.

Review

1981 drehte Tetsuja Takechi dieses Remake seines Pinku-Klassikers „Träume im Zwielicht“ (Hakujitsumu, 1964), mit dem er damals Film- und Zensur-Geschichte schrieb, da sein Film als erste Pinku-Präsentation eines großen Studios viel Aufmerksamkeit erregte. Wieder entstand dieses Remake zunächst als Eigenproduktion, die dann von Shochiku in die Kinos gebracht wurde. Und wieder versuchte er eine Provokation, die es allerdings nicht auf japanische Leinwände schaffte, da sie gegen in Japan geltende Gesetze verstieß. Dazu später mehr.

 

Zunächst hat man das Gefühl, nur eine Farbneuauflage von „Träume im Zwielicht“ zu sehen, denn der Beginn ist wie gehabt. Kurahashi und Chieko sitzen nebeneinander auf den Behandlungsstühlen des Zahnarztes, beide werden betäubt, er beginnt zu halluzinieren, von Blut, von Bissen, von Helferinnen, die ihre Brüste entblößen. Als nächstes kommt die Szene, in der Chieko für ihren Peiniger in einem Nachtclub diesmal nicht singt sondern tanzt, die Klänge hierzu (und auch im übrigen Film) sind um einiges experimenteller als im Original.

 

Doch schon in dieser Szene zeigt sich die Veränderung des Parts von Kurahashi. Während er im Original in dieser und der folgenden Bondage-Szene noch teilnahmsloser Voyeur war, der von den beiden Akteuren in seiner Rolle als Beobachter in ihre Session mit eingebunden wurde, bietet er diesmal schon hier Chieko seine Hilfe an. Er will sie aus den Klauen des Unheimlichen befreien. Während der Rettungsversuch in „Träume im Zwielicht“ an seiner Zögerlichkeit scheitert, geht Regisseur Takechi in „Daydream“ andere Wege. Denn Chieko genießt den Missbrauch durch ihren Peiniger, und so kommt Kurahashi zu dem Schluss, dass sie eine Schlampe und Hure sei. Nachdem er den „Vampir“ enthauptet hat, folgt ein bluttriefendes Finale, in dem er Chieko in einem Einkaufszentrum mit einem Messer attackiert und symbolisch pfählt.

 

Der Epilog ist diesem neuen Szenario angepasst. Aus der Narkose erwacht, vergisst Chieko erneut ihr Taschentuch in der Zahnarztpraxis, Kurahashi bringt es ihr, und die beiden lernen sich kennen. In der Finalszene sehen wir die Zwei auf einem Segelboot, und Chieko hat ein Bissmal auf der Brust, diesmal augenscheinlich von Kurahashi und nicht vom Zahnarzt. So ist am Ende von „Daydream“ der Zuschauer in der gleichen Position, die Kurahashi im Original von 1964 zukam: wir wollen Chieko warnen und ihr helfen, ihr zurufen, lauf weg, der Typ ist nicht ganz richtig im Kopf. Doch – will Chieko denn gerettet werden? Diese Frage bleibt offen.

 

Die japanische Fassung von „Daydream“ hat eine Lauflänge von 110 Minuten, und schon kurz nach der Veröffentlichung schockte Hauptdarstellerin Kyôko Aizome, die schon in den Jahren zuvor unter dem Namen Ryôko Aoyama in einigen Pinkus zu sehen war, die Öffentlichkeit mit der Mitteilung, für „Daydream“ eine Reihe von Hardcore-Szenen gedreht zu haben. Und tatsächlich existiert solch eine Hardcore-Fassung, die ich allerdings als wenig sehenswert bezeichnen möchte. Während in der offiziellen Kinofassung „kritische Stellen“ mit „Bildern-im-Bild“ (etwa dem Gesicht der Hauptdarstellerin, einem Fächer oder einer dämonischen Maske) überdeckt wurden, sieht man in der Hardcore-Version anales und vaginales Gefingere vom Peiniger an Chieko, einen Dildo-Moment, gespreizte Beine, etc. Allerdings ist diese Hardcore-Version – da offensichtlich für ein anderes Publikum gedreht – stark gestrafft, auf eine Lauflänge von nur 86 Minuten. Viele kunstvolle Momente gingen so verloren, vor allem aber ging Klasse verloren.

 

Erhalten ist von dieser Hardcore-Version eine VHS-Kopie mit eingebrannten holländischen Untertiteln, die es auch als Easter egg auf eine Bootleg-Veröffentlichung geschafft hat. Ist aber nur ihrer Seltenheit wegen zu empfehlen, ansonsten ist die Qualität schlecht und der Originalfilm (der nicht in Deutschland erschien) um Längen besser.

Filmplakate

Links

OFDb
IMDb

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