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Abnormal Family

Japan, 1984

Originaltitel:

Hentai kazoku: Aniki no yomesan

Alternativtitel:

Une famille dévoyée (FRA)

Brother's Bride

Spring Bride

Regisseur:

Masayuki Suo

Drehbuch:

Masayuki Suo

Inhalt

Yuriko (Kaoru Kaze) zieht als neue Schwiegertochter von Shukichi (Ren Osugi) in dessen Haushalt, in dem neben ihrem Schwiegervater noch Ehemann Koichi (Shirô Shimomoto) und seine Schwester Akiko (Miki Yamaji) und der jüngere Bruder Kazuo (Kei Shuto) leben. In der Enge des Hauses, in dem jeder jeden hören kann, gelingt es Yuriko nicht, die sexuellen Gelüste ihres Ehemannes zu befriedigen. Der nimmt sich eine Geliebte, während Yuriko versucht, Trost und Wärme aus der Nähe zu Koichis Familie zu finden. Irgendwann kommt Koichi schließlich gar nicht mehr nach Hause, und obwohl Yuriko bewusst scheint, wie lieblos das Verhältnis zwischen ihr und ihrem Mann von Anfang an war, will sie an ihrem Ehegelübde festhalten und auf Koichis Rückkehr warten. Vergeblich.

Review

„Abnormal Family“ ist ein höchst ungewöhnlicher Pinku, produziert von der Kokuei Company und vertrieben von Shintoho. In statischen Bildern präsentiert Regisseur Masayuki Suo ein gleichsam düsteres wie ironisches Bild von japanischem Familienleben. Dabei entbietet er stilistisch, inhaltlich und kameratechnisch Hommage an die Familiendramen von Yasujirô Ozu, wie etwa „Die Reise nach Tokio“ (Tôkyô monogatari, 1953) oder „Ein Herbstmittag“ (Sanma no aji, 1962). Freilich hätte der eher konservative Ozu selbst wohl nicht so viel davon gehalten, seinen Stil in einen Pinku verpackt zu sehen.

 

Die Ironie findet sich schon im Titel „Abnormal Family“, denn so abnormal ist die Familie eigentlich gar nicht. Nach Außen findet sich eine Fassade, wie in Ozus Filmen auch. Hinter vor Außenstehenden verschlossenen Türen spielt sich das Privatleben der Familienmitglieder ab. Jeder hat Geheimnisse, doch Geheimnisse halten sich nicht gut in diesem Haushalt mit Papierwänden und Schiebetüren. Zu Anfang sitzen Schwiegervater Shukichi, Sohn Kazuo und Tochter Akiko beim Essen, während sie der Entjungferung der frisch gebackenen Braut lauschen. Das hat Folgen.

 

Abgesehen davon, dass die Beziehung zwischen Yuriko und ihrem Bräutigam zu keinem Zeitpunkt liebevoll anmutet, reagieren die übrigen Hausbewohner auf unterschiedliche Weise.  Vater Shukichi – gespielt von Schauspiel-Veteran Ren Osugi, der 2018 verstarb – sieht in jeder Frau, die ihm begegnet ein Abbild seiner verstorbenen Ehefrau, neben einer Bardame, die er regelmäßig aufsucht, auch in seiner Schwiegertochter. Tochter Akiko ist dagegen ihr unauffälliges Leben als Bürokraft leid, und heiraten will sie ohnehin nicht. Sie will Spaß und Abenteuer, die Ehe sieht sie dagegen als ein langwieriges Ende vor dem Tod. Und so heuert sie in einem „Türkischen Bad“ als Massagekraft (Prostituierte) an. Erster Kunde: Bruder Koichi. Zukünftiger Bräutigam: der ältliche Eigentümer der Einrichtung.

 

Während sich Yurikos Ehemann von einer Arbeitskollegin auspeitschen und anpinkeln lässt, erwachen auch in seinem jüngeren Bruder Kazuo die Triebe. Er stiehlt einen Führer durch Tokyos Bordelle und wird von der Polizei erwischt. Yuriko löst ihn aus und erlaubt ihm – einmalig – mit ihr zu schlafen, damit er Dampf ablassen kann. Na gut, vielleicht ist die Familie doch nicht so normal, aber angesichts der alltäglichen Banalität und Beiläufigkeit mit der Regisseur Masayuki Suo diese Begebenheiten erzählt, kommen sie einem sehr normal vor.

 

Für Suo war „Abnormal Family“ freilich nur eine Fingerübung, und obwohl er zuvor bereits als Regieassistent und Autor bei anderen Pinkus tätig war, zeigt sein Ansatz – das Spiel mit Yasujirô Ozu Stil und die Ironie, mit der er diesen adaptiert - dass sein Interesse an erotischen Darstellungen in dieser Form nicht allzu groß war. Und so blieb „Abnormal Family“ seine einzige Pinku-Regiearbeit. Anschließend wandte er sich der Komödie zu, drehte zum Beispiel „Lust auf Sumo“ (Shiko funjatta, 1992) und den Mega-Erfolg „Shall we dansu?“ (1997), der in den USA durch Miramax vertrieben wurde und 2004 ein banales aber ansehbares US-Remake mit Richard Gere und Jennifer Lopez spendiert bekam.

 

Zuschauer, deren Hauptaugenmerk auf Cheap Thrills und sexuelle Ausschweifungen liegt, werden „Abnormal Family“ wohl eher langweilig finden. Aber es gibt viel Interessantes in den kompakten 63 Minuten Lauflänge zu entdecken.

Links

OFDb
IMDb

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