Wenn Du krepierst - lebe ich

Italien, 1977

Originaltitel:

Autostop rosso sangue

Alternativtitel:

Der Todes-Trip (Alt.)

O Fugitivo Sanguinário (BRA)

El cínico y la casada (ESP)

La proie de l'autostop (FRA)

Hitch Hike (USA)

The Naked Prey (USA)

Deutsche Erstaufführung:

25. November 1977

Veröffentlichungen

"Wenn du krepierst lebe ich lebe" feiert seine digitale Heimkinopremiere in Deutschland als Blu-ray/DVD-Combo von ofdb Filmworks. Das ansprechend gestaltete, auf 2000 Exemplare limitierte, durchnummerierte Digipak kommt im matten Schuber in DVD-Höhe. Das Set beherbergt 3 Discs, den Film auf Blu-ray und DVD sowie eine Bonusdisc, auf einem Einzel- und einem Doppeltray aus transparentem Hartplastik. Die Vorlagen- und Druckqualität sowie die Verarbeitung sind hochwertig und akkurat. Die Materialstärke des Schubers zusammen mit dem dreigliedrigen Innenteils liegen ebenso auf hohem Niveau. Abgerundet wird das Ganze durch ein leicht entnehmbares 16-seitiges Booklet. Nach dem Einlegen der Disc erfreut sich das Auge an ansprechend gestalteten und dezent animierten Menüs, welche schnell und funktional reagieren.

 

 

Bildqualität:

 

Viele dürften den Film nur von VHS oder der mittlerweile 13 Jahre alten Import-DVD von Anchor Bay kennen. Wer letztlich mal einen Blick richtung Anchor Bay DVD riskiert hat sollte festgestellt haben, dass die Scheibe nicht mehr zeitgemäß ist. Sie leidet unter Edge Enhancement, Videoartefakten und mangelnder Definition. Der neue HD-Transfer im intendierten Seitenverhältnis von 1.85:1 (1080p/23.976fps/AVC) ist leicht windowboxed (hat also schwarze Balken an allen vier Seiten). Der Bildausschnitt wurde adäquat bestimmt und zeigt etwas mehr Fleisch an allen Seiten (ohne in nicht geschützte Bereiche vorzudringen). Die Kompositionen von Kameraduo Franco Di Giacomo/Giuseppe Ruzzolini wirken so keinesfalls beengt wie noch auf der DVD. Der Zugewinn an Auflösung und Detailgrad ist ebenfalls sofort sichtbar. Es lassen sich enorm viele Feinheiten im Bild entdecken die sonst schlicht nicht erkennbar waren. Einstellungen mit stark reduziertem, verlangsamtem Filmkorn wechseln sich mit durchaus homogen wirkenden Einstellungen mit starker, sauber abgebildeter Körnung ab welche sich aber teils auch mit Rauschen mischt (6). Gerade die Korn-reduzierten Einstellungen rauben Details (5) und führen zu leichten Schmiereffekten (4). Der Detailgrad bleibt wie eingangs beschrieben nichtsdestotrotz immer auf einem angenehmen bis gutem Niveau. Der Schwarzwert ist zumeist knackig wobei gerade in Schattendetails die Nuancen verloren gehen (12) und dunkle Bereiche so oft recht hart abgestuft wirken (7, 13). Der Kontrast sowie die Farben sind teilweise nicht optimal eingestellt. Hier hat der Transfer ganz offenbar mit dem großen Dynamikumfang der Vorlage zu kämpfen (8, 12). Dadurch verliert das Bild an Tiefe und wirkt flach und ausgewaschen (10). Neben einer Vielzahl guter Einstellungen (2, 3, 15), besonders zu Beginn, zeigt sich eine erdige Orange/Rot-Tendenz (11, 14). Das Bild wirkt teilweise fast monochrom (12). Das Master ist sehr sauber und zeigt nur vereinzelt feine (weiße) Schmutz und Staubpartikeln und dezente Farbflecken (16), die aber nicht störend auffallen. Das Bild wurde augenscheinlich einer automatisierten Schmutzentfernung unterzogen die leider dazu führt, dass ab und an feine Details für wenige Bilder verschwinden oder angegriffen werden. Augenfällig wird dies z.B. beim "FORD" Emblem auf der Motorhaube, welches wiederholt für einige Frames wie von Geisterhand verschwindet und wieder auftaucht (9 1/2). Des weiteren gibt es an sehr vielen Einstellungswechseln geometrische Verformung und eingefrorene Bildteile zu entdecken (16 1/2). Man hat immer wieder den Eindruck das Bild würde kurz Stocken und die vertikale Synchronisierung verlieren. Dieser Tearing-Effekt scheint ebenfalls durch automatische Korrekturen hervorgerufen, bzw. verstärkt worden zu sein. An diesen Stellen wurde leider mehr kaputt gemacht als repariert. Der Bildstand ist allgemein recht unruhig, was aber häufig auch Aufnahme bedingt ist. Durchschnittliche Datenraten von 35 Mbit/s und gute Encodingeinstellungen sorgen dafür, dass die Kompression sehr sauber bzw. völlig unauffällig arbeitet und selbst bei schwierigen Szenen standhält. Hier besteht kein Anlass zur Kritik. Alles in allem also ein recht inhomogenes Bild. Vor allem durch eine sorgfältigere Farbkorrektur und zurückhaltendere bzw. sorgsamere digitale Restauration hätte ein besseres Ergebnis erzielt werden können, das Potential zeigt das zugrundeliegende Filmmaterial immer wieder. Alles in allem macht das Bild gerade aufgrund des Zugewinns an Details einen guten Eindruck. Man möchte nicht mehr zur alten DVD zurück kehren (ein direkter Bildvergleich ist ebenfalls angefügt).

 

Angemerkt sei noch, dass auf der Blu-ray das selbe Master wie bereits auf der Ende 2014 veröffentlichten Japan BD zum Einsatz kommt. Das Bild ist (abgesehen von der besseren Kompression der deutschen Blu-ray) identisch, das gilt auch für den eng. und ita. Ton (siehe nächster Absatz). Die Kritikpunkte sind also nicht auf die Aufbereitung des Labels, sondern auf das vom Lizenzgeber gestellte Master zurück zu führen. Es ist zu erwarten, dass auch die kommende UK Blu-ray von 88 Films bzw. Raro (US) Blu-ray eben jenes Master verwenden wird.

 

 

Ton:

 

Alle drei Tonspuren (Deu./Ita./Eng.) liegen als DTS-HD Master Audio in Mono vor, wobei das sauber getrennte Monosignal jeweils auf Zwei-Kanäle verteilt wurde. Die deutsche Tonspur platziert sich im Mittelfeld. Sie bietet keinerlei Bass-Fundament, sehr wenig Tiefen, ist verzerrt- Mitten-betont und geprägt von scharfen Zischlaute. Der Klang bleibt dabei aber allgemein transparent und moderat dynamisch. Hintergrundrauschen, Störgeräusche sind zwar vorhanden, bleiben völlig im Rahmen. Es gibt keine ohrenfälligen Spuren von Rauschfiltern, wobei im Superhochton völlige Funkstille herrscht. Die Spur klingt alles in allem dreckig, scharf, aggressiv und gerade auf hohen Lautstärken schneidend. Lediglich das Abspann-Lied zeigt etwas Fundament, es ist aber höchstwahrscheinlich aus einer anderen Quelle eingefügt.

 

Schaltet man auf die englische Tonspur bietet sich ein im Vergleich dumpferer aber allgemein ausgewogenerer Klang. Der Superhochton ist auch hier völlig stumm. Trotz minimal hörbarem Einsatz von Rauschfiltern behält die Spur ihre Natürlichkeit. Gegenüber der AB-DVD hat sich wenig verändert. Die DVD hatte vielleicht eine Idee mehr Dynamik und kein dezentes Brummen wie die BD-Tonspur, dies fällt aber nur im direkten Vergleich auf, der Klang ist mehr oder weniger identisch. Unterm Strich bietet sich ein solides Erlebnis ohne große Einschränkungen.

 

Die ita. Tonspur hat ein etwas besseres Fundament als die deutsche Spur, dafür fehlt es völlig an hochfrequenten Informationen. Der Frequenzgang endet knapp über den Mitten (welche so sehr überbetont wirken) und klingt dementsprechend auch sehr nach "Telefonhörer". Aufgrund des stark beschnittenen Frequenzgangs gibt es natürlich auch kein hochfrequentes Rauschen, trotzdem ist die Spur durchzogen von Störgeräuschen, Brummen und Verzerrungen. Ebenso ist die Dynamik sehr mager. Dialogverständlichkeit ist zwar gegeben, aber die Spur nimmt eindeutig den letzten Platz ein. Die optionalen deu. Untertitel orientieren sich an den Dialogen der ita. Sprachfassung, welche sich teilweise von den deu./eng. unterschieden. Sie sind gut lesbar im Bild platziert und zeitlich sauber gesetzt.

 

 

Bonusmaterial:

 

Das Herzstück der Specials, das 85 minütige Feature "Road To Hell", findet sich allein auf einer separaten DVD. In der abendfüllenden Dokumentation von Federico Caddeo kommen neben den drei Hauptdarstellern auch Regieassistent Neri Parenti zu Wort. Die Beteiligten erzählen detailliert, anekdotenhaft und kurzweilig über die Entstehung des Films. Hier handelt sich praktisch um eine massiv erweiterte Version der "The Devil Thumbs A Ride" Featurette der alten DVD. Die Archivaufnahmen und das neu gedrehte Material fügen sich dabei zu einer flüssigen, teils pointierten, Narration zusammen die alle Stationen der Produktions durchläuft und umfassend informiert. Immer wieder wird das Gesagte mit Filmausschnitten, Einspielern, Fotos und Plakaten unterfüttert und bebildert, die deutschen Untertitel sind erneut gut und flüssig lesbar. Ein rundum gelungenes Feature.

 

Die restlichen Specials sind jeweils gedoppelt auf beiden Filmdiscs (BD/DVD) zu finden. Der Audiokommentar von Filmwissenschaftler Marcus Stiglegger dupliziert einige Informationen aus der Dokumentation, bietet neben etwas zu ausführlichen (und dafür zu oberflächlichen) Besprechungen einzelner Filmographien der Beteiligten überdies aber auch theoretische Ansätze. Es hätte der spürbaren und ausgesprochenen Begeisterung ruhig noch mehr Ausdruck verliehen werden dürfen und gerade die Analyse hätte etwas differenzierter ausfallen können (wobei dies nur einen Abzug in der B-Note bedeutet). Abgerundet werden die Extras durch den deutschen und englischen Trailer (beide SD/MPEG-2, auch auf der Blu-ray) und einer Fotogalerie, welche neben dem deutschen Werbematerial, verschiedenen Plakaten und Videomotiven auch das seltene japanische Presseheft zeigt. Das 16-seitige Booklet von Christian Kaiser bedient einen ähnlichen Ansatz wie die Audiokommentar, in dem es den Film historisch einordnet und filmwissenschaftlich analysiert. Hier werden die Informationen dicht gepackt und ansprechend formuliert präsentiert.

 

Alles in allem also ein rundum sorglos Paket.

 

 

Fazit:

 

Auch wenn das Bild und der Ton nicht vollständig überzeugen, die Präsentation und das Bonusmaterial sind rundum gelungen. Alles in allem führt kein Weg an der Veröffentlichung vorbei. Neben allen nötigen Sprachfassungen samt Untertiteln, allen voran natürlich die schmierige deutsche Synchro und den interessanten, umfangreichen Features ist man hier umfassend ausgestattet. Auch international dürfte keine Veröffentlichung jener so schnell das Wasser reichen. So dürfte die Veröffentlichung insgesamt (fast) jeden Genre-Fan glücklich machen.

Autor

Jan

Filmplakate

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