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Arme Millionäre

Italien, 1959

Originaltitel:

Poveri milionari

Alternativtitel:

Pobre y millonario (ESP)

Pobres Milionários (PRT)

Pauvres millionnaires (FRA)

Fattiga miljonärer (SWE)

Poor Millionaires (USA)

Regisseur:

Dino Risi

Inhalt

Romolo (Maurizio Arena) ist endlich mit Annamaria (Alessandra Panaro) verheiratet und Salvatore (Renato Salvatori) mit Marisa (Lorella De Luca). Nun geht es ab in die Flitterwochen, doch Salvatore verpasst den Zug und nach einigen Wirren sind die Paare wieder zurück in Rom, anstatt im Urlaub in Florenz. Eine Woche verfrüht ist ihre Wohnung noch nicht fertig, es fehlen die Fenster und Salvatore hat versehentlich Kinderbetten für sich und seine Frau bestellt. Es kommt zum Streit zwischen ihm und Marisa und als er wütend aus der Wohnung stürmt, wird er von einem Auto angefahren und verliert das Gedächtnis.

 

Der hilflose Salvatore landet so bei der reichen aber einsamen Erbin Alice (Sylva Koscina), die nun endlich den Mann gefunden zu haben glaubt, den sie immer wollte – einen hilflosen Tropf ohne Vergangenheit, den sie nach ihrem Willen formen kann. Sie macht ihn zum Geschäftsführer ihres Kaufhauses, wo Salvatore sich viel besser als erwartet zurechtfindet.

 

Natürlich will Marisa ihren Mann zurück, doch der Psychiater (Roberto Rey) rät ihr, Salvatore vorerst nicht mit der Vergangenheit zu konfrontieren, um keinen Schock auszulösen. Sie bewirbt sich im Kaufhaus und wird Salvatores Angestellte, der eine seltsame Zuneigung für sie empfindet. Und es passiert etwas Einmaliges – der ansonsten stets faule und zutiefst oberflächliche Salvatore beginnt sich erstmals für die Gedanken und Empfindungen seiner Frau zu interessieren, jetzt, wo er nicht mal mehr weiß, dass sie seine Ehefrau ist.

 

Am Ende wendet sich natürlich alles zum Guten – und Salvatore kehrt zurück in liebevolle Armut.

Review

Nach den ersten beiden Filmen dieser Trilogie von Dino Risi stand ich dem dritten Teil zunächst misstrauisch gegenüber. Denn so gut mir die ersten beiden Filme auch gefallen haben, reichte es langsam. Doch was bei Publikum und Kritikern nicht so gut ankam, fiel bei mir auf fruchtbaren Boden. Denn man ging neue Wege.

 

Am Anfang stehen natürlich noch die Wirrungen um die verpasste Hochzeitsreise, und diese Momente repräsentieren noch voll und ganz den Stil der beiden Vorgänger. Doch dann kommt die Story um Salvatores Gedächtnisverlust, und der weitere Film ist größtenteils auf Darsteller Renato Salvatori zugeschnitten. Möglicherweise kam es zu dieser Richtungsänderung auch, weil die fünfte Hauptdarstellerin der Reihe, Marisa Allasio, nicht mehr zur Verfügung stand, die nach ihrer Heirat ihre Filmkarriere an den Nagel hängte.

 

Eine interessante erotische Komponente ergibt sich aus der Idee, einer Frau im Schaufenster als Werbefigur. Während sich Männer an der Scheibe die Nase plattdrücken, geht Marisa ganz alltäglichen Verrichtungen nach, und gerade hier kann man den Einfluss von Co-Drehbuchautor Pasquale Festa Campanile spüren, der in nicht wenigen späteren Komödien als Regisseur kuriosen erotischen Phantasien nachging.

 

Doch auch viele andere Momente sind zum Schreien komisch. Ein Beispiel. Salvatore hat das Haus mit Romolos Jacke verlassen, in dem sich die restlichen 300.000 Lire für die Hochzeitsreise befinden. Nachdem er das Gedächtnis verloren hat, zieht er an der Seite Alices durch eine Nachtcluberöffnung, die im TV übertragen wird. Hilflos muss Romolo vor dem TV-Gerät zuschauen, wie der noch sehr verwirrte Salvatore sein Geld sinnlos auf den Kopf haut.

 

Die Krönung der Trilogie besteht jedoch in der Charakterveränderung Salvatores. Es war in den ersten beiden Teilen mitunter schwer anzusehen, wie die beiden Männer ihre Frauen und deren Bedürfnisse ignorieren. Das hat sie nicht selten unsympathisch gemacht. Nun ändert sich das. Salvatore erinnert sich nicht mehr an Marisa, doch sein Unterbewusstsein will ihm etwas mitteilen. Und so hört er erstmals nicht nur in sich, sondern auch in Marisa hinein. Er will herausfinden, was für ein Mensch sie ist und was sie fühlt.

 

Das Finale knüpft dann schließlich wieder an den Stil der ersten beiden Filme an. Wenn die beiden „Helden“ ihren Eltern freudestrahlend verkünden, dass sie ihre Wohnung aufgegeben haben und nun wieder zur Piazza Navona zurückkehren werden, um für alle Zeit bei ihren Eltern zu leben und dafür von diesen Prügel beziehen.

Veröffentlichungen

ARME MILLIONÄRE ist derzeit – wie auch die ersten beiden Teile – auf Netflix im Original mit deutschen Untertiteln verfügbar.

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