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Amanda Lear - Follow me

Italien, 1978

Originaltitel:

Follie di notte

Alternativtitel:

Mondo Erotico (BRD)

Follow me, suivez-moi (FRA)

Crazy Nights (USA)

Deutsche Erstaufführung:

10. August 1978

Regisseur:

Joe D'Amato

Kamera:

Joe D'Amato

Drehbuch:

Joe D'Amato

Inhalt

Sängerin und Model Amanda Lear führt durch eine World-Tour sexueller Perversionen.

Review

Mit einer Review zu Joe D’Amatos FOLLIE DI NOTTE betrete ich ein bisschen unbekanntes Territorium, denn neben verschiedenen Schnittfassungen, die ich schlicht nie gesehen habe, gibt es weiterhin Querverbindungen zu weiteren D’Amato Mondo-Regiearbeiten und -produktionen. Und wenn ich sehe, wie ein anderer Reviewer zu FOLLIE DI NOTTE schreibt, dann aber Szenen aus LE NOTTI PORNO NEL MONDO N. 2 (1978, und nicht zu verwechseln mit EMANUELLE E LE PORNO NOTTI NEL MONDO N. 2) ist die Verwirrung komplett. Das heißt, nicht ganz. Denn den Gipfel liefern deutsche und französische Poster (Eurociné) zum Film, die weitere Disco-Sternchen sowie Amon Düül II und eine Band namens Dreck zeigen, die im fertigen Director‘s Cut nicht auftauchen. Hierbei handelt es sich um musikalische Inserts, wohl in Deutschland vorgenommen. Es sollte eigentlich auch ein komödiantisches Disco-Musical werden. Da Amanda Lear die ganze Bagage später verklagte, liegt nahe, dass man Amanda Lear über die Art des Inhalts zu informieren vergaß und schließlich ein völlig anderer Film gemacht wurde als man ihr weismachte.

 

Willkommen in der Welt von Joe D’Amato, Amanda. Bevor sie zu Beginn ihren Hit „Follow Me“ performt, weist sie folgerichtig darauf hin, dass es in dem Song um den Teufel geht, der seinem Publikum eine verworfene Welt präsentieren möchte und herzlich zur Teilhabe einlädt. Eine gelungene Introduction für das Folgende. In zahlreichen Szenen werden anzügliche Tanznummern und sexuelle Darstellungen aus aller Welt (Rom) präsentiert, stets mit einer vorherigen Ansage Amanda Lears. Die Behauptung, es handele sich um Spezialitäten rund um den Globus ist schnell entlarvt. Akteure wiederholen sich, und wenn sie nicht auf der Bühne sind, findet man sie im Publikum. Das angebliche Berliner Hotel könnte dem Interieur einer römischen Villa kaum ähnlicher sein. Und es gibt, wie oben schon erwähnt, Querverbindungen zu anderen D’Amato-Filmen. In einer Szene wird ein Mann – in jenem „Berliner“ Hotel – von einer Domina gepiesackt. Während er an einen antiken Stuhl geschnallt ist, masturbiert sie außerhalb seiner Reichweite. Dann bringt sie ihm mit einem Stilett Schnittwunden bei, in die sie genüsslich Zitronensaft träufelt, bevor sie ihm einen bläst. In LE NOTTI PORNO NEL MONDO N. 2 (1978) begegnen wir den beiden wieder. Am selben Setting ist diesmal die Frau an den Stuhl gefesselt und wird von dem Kerl ausgepeitscht. Nur ein Beispiel, es gäbe weitere.

 

Ich fand FOLLIE DI NOTTE erstaunlich unterhaltsam. Die Tänzerin im angeblichen Rio de Janeiro ist nicht nur wunderschön, sondern kann sogar tanzen. Andere Dinge sind durchaus komisch, manchmal gewollt manchmal unfreiwillig. So scheint einem der Tänzer beim Schwanensee die Hose geplatzt, für den Bruchteil einer Sekunde scheint einem seine Arschritze entgegen. Die Szene mit einem alten Mann, der Hochgenuss dabei empfindet, seine Nüsse auf die Liegestatt genagelt zu bekommen, ist so over the top, dass man sie nur liebhaben kann. In den Kellergewölben eines Doms heizt ein junges Liebespaar einer Reihe von durchnummerierten Mönchen an. Das Paar dient den Mönchen jedoch nur als Motivation, gevögelt wird der Zeremonienmeister. Und während einer Zaubernummer, in der ein Magier allerlei Gegenstände und Getier aus der Vagina seiner Assistentin zaubert, muss diese dauernd kichern, weil sich eine Taube auf ihren Bauch gesetzt hat, was offensichtlich ordentlich kitzelt. Niedlich sind auch die heimlichen Bemühungen des Magiers, die Taube zu verscheuchen – doch die bleibt, wo sie ist.

 

Die Musik im Film ist toll. D’Amato scheint breiten Zugriff auf einen Musikverlag mit Piero Umiliani-Tracks gehabt zu haben, denn ich wette dagegen, dass diese Ende der 70er komponiert wurden. Zudem sind auch bekannte Klänge dabei, fällt mir jetzt aber spontan nicht ein, aus welchen einzelnen Filmen. Ein paar stammen jedoch aus MONDO PERVERSO – DIESE WUNDERVOLLE UND KAPUTTE WELT (Questo sporco mondo meraviglioso, 1971, R: Mino Loy und Luigi Scattini). Ein Stück wiederum scheint mir von Nico Fidenco zu sein, gut zu erkennen am quätschenden Schmalz. Zum Schluss performt Amanda Lear noch „Enigma (Give A Bit Of Mmh To Me)“. In der deutschen Video-Fassung scheinen allerdings die Musiknummern von Amanda Lear entfernt oder gekürzt worden zu sein, obwohl diese im Kinotrailer noch vorhanden waren. Ein einziges Chaos.

Veröffentlichungen

FOLLIE DI NOTTE erschien bei Full Moon unter dem Titel CRAZY NIGHTS auf Blu-ray. Die verwendete Kopie enthält mit knapp 100 Minuten die wohl längste Fassung des Films. Das englische Dubbing ist ordentlich asynchron, ich bezweifle aber, dass das je anders war. Der Film wurde damals einfach schlampig gedubbt. Es gibt auch einiges an Dialogen, wo niemand die Lippen bewegt. Verzichten muss man dagegen auf die deutschen musikalischen Inserts.

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