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Warteliste zur Hölle

Deutschland | Italien | Spanien, 1966

Originaltitel

Anónima de asesinos

Alternativtitel

Jerry Land, chasseur d'espions (FRA)

Jerry Land - Cacciatore di spie (ITA)

Man on the Spying Trapeze (USA)

Himmelhunde mögen's heiß

Thunder Mission

Deutsche Erstaufführung

28. Februar 1967

Regisseur

Juan de Orduña

Kamera

Aldo Ricci

Inhalt

Ein Mord an einem ihrer Agenten veranlasst die CIA ihre besten Agenten nach Rom zu schicken. Jerry Land (Wayde Preston) und Nick Collins (Reinhard Kolldehoff) beginnen, in dieser undurchsichtigen Angelegenheit zu ermitteln. Schnell führt eine heiße Spur nach Beirut. Offensichtlich geht es um einen Mikrofilm mit geheimen Konstruktionsplänen für einen neuartigen Ionen-Motor, welchen eine Verbrecherorganisation an sich bringen will und dabei äußerst brutal vorgeht, wenn sich ihr jemand in den Weg stellt. Unterstützung bekommt Jerry von der schönen Solange Dubonet (Helga Sommerfeld), doch schon bald ist er sich nicht mehr sicher, wem er überhaupt noch trauen kann. Wenig später gerät er auch schon in die Fänge der Verbrecher, die ihn auf der Folter dazu zwingen wollen, das Versteck des Mikrofilms preiszugeben...

Autor

Prisma

Review

Nach den traditionellen (christlichen) Vorstellungen soll die Hölle ein Ort sein, an den Missetäter nach ihrem Ende gelangen. Nicht nur die Glaubenslehre bediente sich häufiger dieses gefürchteten Ortes, sondern auch der Film, in der Regel als passender Aufhänger für diverse Titel. Da es in Juan de Orduñas Eurospy-Beitrag der Ankündigung nach eine Warteliste für dorthin geben soll, scheint der bevorstehende Weg für alle Verbrecher bereits vorprogrammiert zu sein. Dies ist in derartigen Reißern alles andere als unüblich, denn wie der Verlauf eindeutig belegt, wird wenig Gnade oder Nächstenliebe zu finden sein. Versehen mit einer gerne gesehenen Whodunit-Struktur, kann die Geschichte ihre anvisierte Spannung recht lange und beinahe durchgehend aufrecht erhalten, außerdem wird von Anfang an nicht an Tempo und Action gespart, was für zahlreiche turbulente Phasen sorgt, die in diesem Genre wie ein Motor funktionieren, falls sie denn Verwendung finden. Neben interessanten Ortswechseln und beeindruckenden Kulissen fällt insbesondere die bestehende Leichtfüßigkeit der Produktion auf, die sich auch auffällig in den Leistungen des internationalen Schauspiel-Ensembles widerspiegelt. Verbrecherische Gruppierungen haben Wind von geheimen Plänen bekommen und versuchen ihnen habhaft zu werden. Bei ihrer Vorgehensweise heiligt der Zweck alle erdenklichen Mittel, sodass nicht an gewaltsamen Einlagen, Folter und natürlich Mord gespart wird.

 

Die Dialogpassagen präsentieren sich merklich flapsig und erfreuen mit gut angepasster Ironie, doch es bleibt ebenso Raum für ernste Momente, die insgesamt jedoch zur Nebensache reduziert werden. Ganz in Genre-Manier tauchen immer wieder typische Charakteristika auf, von denen etliche bereits zu Genüge dagewesen sind. Der spanische Regisseur nimmt sich allerdings auch Zeit für ein paar empfundene Neuerungen, die vielleicht nur als solche wirken, da sie vergleichsweise nicht so häufig zum Einsatz kamen. "Warteliste zur Hölle" will sich insgesamt nicht dem Schicksal vieler Artgenossen beugen, als seelenloses Plagiat zurückzubleiben und daher nimmt man hier sogar frische Impulse wahr, die dazu verhelfen, dass die die Spielzeit wie im Flug vergeht. Die Hauptfigur, um die die Geschichte herumkonstruiert ist, wird vom US-amerikanischen Schauspieler Wayde Preston interpretiert. Obwohl er schon beinahe zehn Jahre im Filmgeschäft aktiv war, handelt es sich hierbei erstaunlicherweise um seine erste Kinorolle. Zuvor konnte er sich allerdings schon einen Namen in bekannten Serien machen, doch rückblickend dürfte er hauptsächlich für seine Auftritte in Italo-Western in Erinnerung geblieben sein. Preston sorgt für die nötige Agilität und entwaffnet seine Kontrahenten wahlweise mit der Sprache der Ironie, oder der Kraft seiner Fäuste. Schwungvolle Schlägereien mit Kung-Fu- oder Karate-Einlagen setzen die Gegner außer Gefecht, falls diese den umtriebigen Agenten nicht gerade selbst auf die Folter geschnallt haben.

 

In diesem Zusammenhang zeigt sich die Affinität der Regie, Kostproben von Brutalität und reinstem Sadismus in der Geschichte zu etablieren, was für einen gewissen Nervenkitzel sorgen kann. Genau wie sein deutscher Kollege Reinhard Kolldehoff liefert er eine sehr solide Performance ab und man erwartet mit Spannung, wie des Rätsels Lösung schließlich aussehen mag, oder wer über die Klinge springen muss. Für Aufsehen und Wiedersehensfreude sorgt die wie immer bezaubernde Helga Sommerfeld, die wohl eine der besten Interpretinnen aus dem weiten Feld der sogenannten zweiten Garnituren gewesen ist. Ihr attraktives Aussehen ist wie üblich mit der nötigen Hingabe und ambivalenten Finessen gekreuzt, und es ist stets ein Vergnügen, ihr variables Spiel mitzuerleben. Des Weiteren ist die feuerrote Kai Fischer als Gast zu sehen, der ihr knapper Rollenumfang keine Möglichkeiten für den großen Wurf einräumt. Eigenartigerweise ist ihr Name im Vorspann gleich doppelt, inmitten der Crew und separat als Gast, gelistet. Die tödliche Jagd um einen Mikrofilm wirkt am Ende vielleicht etwas zu herkömmlich, als dass man etwas Außergewöhnliches darin wittern könnte, aber dennoch verfügt "Warteliste zur Hölle" über ganz individuelle Stärken, die positiv nachhallen. Hier zu nennen ist sicherlich das überraschende Finale mit einer Entlarvung des Drahtziehers, die optimal gelöst und andernorts viel zu oft mit unnötig frühen Hinweisen verwässert wurde. Insgesamt ist dieser Vertreter des Eurospy-Genres inhaltlich wie inszenatorisch als gelungen zu bezeichnen und kann ohne Probleme gut unterhalten.

Autor

Prisma

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Kommentare (1)

  • Frank Faltin

    Frank Faltin

    09 Oktober 2019 um 11:48 |
    Ich habe den Film in der letzten Woche ebenfalls geschaut. Mich überkam immer wieder der Gedanke, dass ich zu Beginn des Films etwas Handlungstechnisch Wichtiges versäumt hätte, was sich allerdings nach der erneuten Sichtung als Trugschluss erwies. Das passiert mir häufig bei Eurospy-Vehikeln, da ich von den teils langatmigen Dialogen wesentlich mehr Output erwarte als schlussendlich transportiert wird, denn meist ist die Handlung einfach nur sehr dünn…

    WARTELISTE DES TODES ist eines der besseren Genrevehikel. Nicht so toll wie IM NETZ DER GOLDENEN SPINNE, aber angenehm konsumierbar.

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