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The Violent Professionals

Italien, 1973

  • Originaltitel: Milano trema: la polizia vuole giustizia
  • Alternativtitel:

    La muerte está de mi lado (ARG)

    Milán, tiembla, la policía pide justicia (ESP)

    Polices parallèles (FRA)

    Rue de la violence (FRA)

    Italian Connection

  • Regisseur: Sergio Martino
  • Kamera: Giancarlo Ferrando
  • Musik: Guido De Angelis, Maurizio de Angelis
  • Drehbuch: Ernesto Gastaldi
  • Inhalt:

    Als Kommissar Del Buono (Chris Avram) von einem Unbekannten auf offener Straße erschossen wird, will sein Protegé Giorgio Caneparo (Luc Merenda) – der ohnehin nicht gerade zimperlich ist – Rache. Und Giorgio hat eine Spur: seit ein paar Wochen hält eine Serie von Raubüberfällen auf Banken das Land in Atem. Er knüpft Kontakte zur Unterwelt. Gibt sich zunächst eine Fassade als Gelegenheitszuhälter, der einen Job als Fahrer sucht. Dabei gerät er an den „Geschäftsmann“ Padulo (Richard Conte), der ihn schließlich engagiert als Fahrer bei einem Überfall zu fungieren. Doch einmal inmitten der Gangster, realisiert Giorgio, dass es hier um etwas ganz anderes zu gehen scheint, nämlich um die dubiosen politischen Interessen einer mysteriösen Gruppe, die im Dunkeln zu bleiben sucht.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Sergio Martinos „Milano trema: la polizia vuole giustizia“ (übersetzt in etwa „Mailand zittert: die Polizei will Gerechtigkeit“) gehört zu den spannendsten Vertretern des Poliziesco und durfte sich in Italien zudem über einen großen kommerziellen Erfolg freuen. Doch zunächst zum Original-Filmtitel. Dass die Polizei Gerechtigkeit will, scheint sich zunächst auf den Tod des Kommissars Del Buono zu beziehen, den sein Protegé Giorgio aufklären will. Doch Giorgio ist nicht DIE Polizei und außerdem will er nicht nur Gerechtigkeit sondern Rache. Erst mit der Aufklärung der Geschichte am Ende verstehen wir den augenzwinkernden Zynismus dieses Titels. Die ich hier nicht verraten will. Es scheint aber in diesem Zusammenhang kurios, dass als Inspiration für diese Story die Ermordung des italienischen Polizeikommissars Luigi Calabrese gedient haben soll, da es bei dessen Tod um völlig gegensätzliche Motive ging. Egal, offenbar hat Drehbuchautor Ernesto Gastaldi das Stichwort Calabrese eben für ein anderes, eigenes Endergebnis verwendet. Payback-Time.

     

    Der englischsprachige Titel „The Violent Professionals“ klingt zwar zackig und verlockend, ist aber seltsam unzutreffend, wie man nach Sichtung des Films feststellen wird. Gewalt gibt es zwar reichlich, aber die angeheuerten Gangster sind nur wenig professionell, oftmals sogar Amateure. Einen deutschen Titel gibt es nicht, weil dieser Film sträflicherweise nie hier veröffentlicht wurde.  Ja, Milano zittert, auch wenn uns während des Titelvorspanns nicht die Silhouette Mailands sondern die Novaras begrüßt. Das macht aber nichts, denn gleich zu Anfang geht Martino in die Vollen. Ein Ausbruch von Sträflingen aus einem Zug, eine anschließende Geiselnahme, die mit dem Tod eines Familienvaters und einem kleinen Schulmädchen endet, dann ein knallharter Polizist, der anscheinend Selbstjustiz übt. Oder doch nicht? Die übrigen Polizisten unterhalb des Felsenverstecks der Gangster konnten es nicht sehen, doch Martino zeigt uns Zuschauern in einer ganz kurzen Einstellung, dass einer der Killer seine Maschinenpistole in Richtung Luc Merenda aka Giorgio bewegte. Doch der hält es keine Sekunde für nötig, sich gegenüber Kollegen oder gar Vorgesetzten zu rechtfertigen, und so bleiben auch wir Zuschauer irgendwie im Unklaren. Nicht, dass das wichtig wäre, denn Giorgio ist knallhart. Seine Menschlichkeit wird uns aber immer wieder vor Augen geführt. Etwa beim Tod des kleinen Mädchens, oder später mit der drogenabhängigen Prostituierten Maria X oder Ex.

     

    Wie bereits erwähnt, kann „Milano Trema“ mit vielen spannenden Szenen aufwarten. Hierzu gehören neben der Anfangsszene ein paar Überfälle und Autoverfolgungsjagden, welche in Teilen später Wiederverwendung in Umberto Lenzis „Der Berserker“ (Milano odia: la polizia non può sparare, 1974) und „Die Viper“ (Roma a mano armata, 1976) fanden. Gastaldis Drehbuch lässt aber auch Platz für Dramatik und Tragik, was Sergio Martino mithilfe eines passenden Scores umzusetzen vermag. Überhaupt ist die Musik von Guido e Maurizio de Angelis zu diesem Film ein kleines Meisterwerk. Für das übrige Genre-Feeling sorgen eine ganze Reihe altbekannter Gaunergesichter, etwa Antonio Casale, Riccardo Petrazzi, Claudio Ruffini und Luciano Rossi. Wer genau hinschaut, kann sogar Sergio Martino selbst entdecken.

     

    Produziert wurde „Milano trema: la polizia vuole giustizia“ von Luciano Martino und Carlo Ponti.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Veröffentlichungen:

    Nach äußerst grenzwertigen englischsprachigen Veröffentlichungen auf DVD, wo es sich um eine verwaschene und beim Ton leiernde Public Domain-Abscheulichkeit handelte, erschien „Milano Trema“ nun als „The Violent Professionals“ von Code Red auf Blu-ray. Die Disc ist in Regionalcode A/B, so dass ich keine Probleme beim Abspielen hatte. An Bild und Ton gibt es nichts auszusetzen, alles schön. Leider wars das. Für den italienischen Ton sind die Untertitel leider nicht passend, das merkt man sehr schnell. Offenbar wurden diese dem englischsprachigen Dubbing nachempfunden, welches die zweite Tonoption auf der Disc ist. Bonusmaterial gibt es – abgesehen von ein paar Trailern – keins. Trotzdem bisher die beste Veröffentlichung des Films.

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