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L'uomo della sabbia

Italien, 1981

Originaltitel

L'uomo della sabbia

Alternativtitel

I giochi del diavolo (TV-Film Reihe)

Regisseur

Giulio Questi

Inhalt

Der Student Nataniele (Donato Placido) ist im Begriff, bald seine Halbschwester Clara (Francesca Muzio) zu heiraten. Doch nun eröffnet er ihr und ihrem Bruder Lotario (Saverio Vallone) ein Geheimnis seiner Kindheit. Einst hat sein Vater alchemistische Experimente mit dem geheimnisvollen Coppelius (Mario Feliciani) durchgeführt, und wenn Coppelius stets am selben Wochentag das Haus aufsuchte, erzählten die Bediensteten Nataniele, dieser sei der Sandmann, der schlafunwilligen Kindern die Augen herausreißt. Als der Vater bei einer Explosion in seinem Arbeitszimmer ums Leben kommt, ist der Junge überzeugt, Coppelius habe seinen Vater ermordet.

 

Seine Mutter macht dagegen deutlich, dass das Unsinn und der Tod des Vaters nur ein Unfall gewesen sei. Nach seiner Rückkehr an die Universität wird Nataniele von dem Straßenhändler Coppola aufgesucht, der ihm ein Fernrohr verkauft. Er ist überzeugt, dass Coppola und Coppelius ein und dieselbe Person sind. Zudem erspäht er durch das Fernrohr im Haus gegenüber eine überirdisch schöne Frau, die er für die Tochter des Physikprofessors Spallanzani (Feruccio de Ceresa) hält. Ihr Name ist Olimpia, und Nataniele verliebt sich in sie, nichtsahnend, dass diese nur ein Automaton ist, das Spallanzani und Coppelius geschaffen haben. Auf Nataniele wartet der Wahnsinn.

Review

Giulio Questis „L'uomo della sabbia“ ist eine Adaption der Erzählung „Der Sandmann“ von E.T.A. Hoffmann und war die Eröffnungsfolge der 6-teiligen TV-Serie „,I giochi del diavolo“, die Schauergeschichten aus dem 19. Jahrhundert präsentierte. Die anderen 5 Episoden bestanden aus Mario und Lamberto Bavas „La Venere d'Ille“ (nach Prosper Mérimée), Piero Nellis „La presenza perfetta“ (nach Henry James), Marcello Aliprandis „La mano indemoniata“ (nach Gérard de Nerval), Tomaso Shermans „Il diavolo nella bottiglia“ (nach Robert Louis Stevenson) und Giovanna Gagliardos „Il sogno dell'altro“ (nach H. G. Wells). Während die ersten drei Episoden mit kinematografischen Mitteln inszeniert wurden, entstanden die übrigen drei mit TV-Kameras. Die Miniserie wurde erstmals von Mai bis Juni 1981 vom Sender Rete 1 ausgestrahlt.

 

E. T. A. Hoffmanns „Der Sandmann“ ist eine sehr vielschichtige Erzählung, und ich war gespannt, was Giulio Questi daraus machen würde. Handlungstechnisch gibt es leichte Kürzungen, die offensichtlich nur aus dem Grund vorgenommen wurden, um Locations zu einzusparen. Es ist nun mal eine TV-Produktion. Inhaltlich fügt Questi hingegen so einiges hinzu, was die Geschichte vielschichtiger macht, auch wenn diese Inhalte (angedeutet) ebenso bei Hoffmann zu finden sind.

 

Zu Anfang werden die bei Hoffmann nur in Briefform geschilderten Kindheitserlebnisse Natanieles (ich bin bei den italienischen Namen geblieben) anders eingebracht. Er, seine Verlobte Clara und deren Bruder Lotario treffen sich im seit 15 Jahren verlassenen Haus aus Natanieles Kindheit, wo er ihnen die Geschichte von Coppelius, dem vermeintlichen Sandmann, und dem Tod seines Vaters erzählt, den er auf die Einwirkung des Sandmanns zurückführt. Schnell wird in den ersten 15 Minuten eine interessante Verknüpfung zwischen den Charakteren geschaffen. Nataniele ist Literaturstudent, seine Gedanken sind triebhaft und im weiteren Verlauf des Filmes zunehmend paranoid. Er ist besessen von seinem Glauben daran, dass das Leben der Menschen von fremden Mächten aus der Bahn gelenkt werden kann. Lotario ist der klare Gegenpart, ein Student der Wissenschaften, der an die Kraft des Willens glaubt und diese als einzige Triebfeder der menschlichen Entwicklung betrachtet. Selbst als es zu einem Fechtduell zwischen Nataniele und Lotario kommt, diskutieren die beiden mit erhitzten Gemütern weiter.

 

Und dann wäre da Clara (eine Doppelrolle für Francesca Muzio, die auch Olimpia spielt). Clara und Lotario waren offenbar Waisenkinder, die einst von Natanieles Mutter aufgenommen wurden. Clara ist mitfühlend und fürsorglich, doch Natanieles Gedanken und triebhafte Stimmungsschwankungen entziehen sich völlig ihrem Verstehen. Sie ist nett, aber nur eine Hülle. Während man sich noch fragt, warum sich Nataniele ausgerechnet in sie verliebt hat, setzt er mit seiner späteren Besessenheit für Olimpia noch eins drauf. Olimpia wird ihm schon im Vorfeld von Kommilitonen als Schön aber seelenlos beschrieben. Eine leblose Puppe. Doch während Clara eine Sphinx ohne Geheimnisse ist, besitzt Olimpia dagegen tatsächlich ein Geheimnis. Sie ist genau das, was sie scheint, eine schöne Hülle, die nur die Worte und Gedanken ihres Schöpfers wiedergibt.

 

Auf einer Soiree macht Nataniele endlich die Bekanntschaft von Olimpia, und hier ist Giulio Questi ein perfides Szenario gelungen. Zu Natanieles Paranoia gesellt sich nun die Rolle des Narren. Questi inszeniert die Abendgesellschaft so, als wäre Nataniele der einzige, der nicht weiß, dass Olimpia nur ein Automaton ist. Und so werden seine Verliebtheit und seine Avancen gegenüber Olimpia von der übrigen Gesellschaft als belustigend empfunden, als böser Scherz auf seine Kosten. Und so steht ihm ein großer Schock bevor, über den ihm wohl nur Clara hinweghelfen kann – falls der Sandmann nichts dagegen hat.

 

Sehr sehenswert.

Links

OFDb
IMDb

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