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The Two Marshals

Italien, 1961

Originaltitel:

I due marescialli

Alternativtitel:

Los dos oficiales (ESP)

The Two Sergeants

Regisseur:

Sergio Corbucci

Kamera:

Enzo Barboni

Inhalt

Am 8. September 1943 versucht der Carabiniere-Marschall Vittorio Cottone (Vittorio de Sica) während seines 24-stündigen Heimaturlaubs nach Neapel zu kommen, um seine Verlobte Immacolata (Olimpia Cavalli) zu heiraten. Doch am Bahnhof von Scalitto macht ihn jemand auf einen als Priester verkleideten Kofferdieb aufmerksam. Cottone entdeckt, dass es sich bei besagtem Dieb um Antonio Capurro (Totò) handelt, den er schon seit einem Jahr sucht. Cottone will ihn festnehmen, doch eine Bombenexplosion lässt ihn bewusstlos werden. Capurro nutzt die Gelegenheit zu einem Kleidertausch. Marschall Cottone erwacht in der Kirche von Scalitto, bekleidet mit einem Priestergewand. Dort versteckt Don Nicola (Arturo Bragaglia) bereits das jüdische Mädchen Lia (Inger Milton), einen jungen Partisanen und einen versprengten amerikanischen GI, der nicht sehr helle ist. Nun kommt noch Cottone hinzu, denn der hat beschlossen die Rolle des Priesters weiter zu spielen, nachdem Don Nicola ihm erzählt, dass die Deutschen alle Carabiniere erschießen. Der Dieb Capurro ist derweil natürlich in Scalittos Carabinieri-Uniform unterwegs und wird von den Deutschen gefangen. Kommandant Kessler (Roland Bartrop) will ihn jedoch als Ermittler gegen Partisanen und Widerständler einsetzen. Capurro fügt sich in diese Rolle, doch der faschistische Bürgermeister Pennica (Gianni Agus) traut ihm nicht. Schließlich treffen Cottone und Capurro aufeinander und beschließen, dass jeder in seiner Rolle verbleibt, um die von den Deutschen Gesuchten zu verstecken. Capurro macht den Partisanen und den GI zu seinen Helfern und versteckt Lia im Bordell seiner alten Freundin Vanda (Elvi Lissiak). Doch die Sache fliegt auf und Capurro droht das Erschießungskommando.

Review

„I due marescialli“ ist ein wirkliches Highlight mit dem Komiker Totò, eine Kriegskomödie mit Verwechslungsthematik und zugleich ein Aufeinandertreffen mit dem großen Vittorio de Sica. Sergio Corbucci drehte den Film größtenteils in der Gemeinde Castel San Pietro Romano, etwa 40 km von Rom entfernt.

 

Die erste Drehwoche gestaltete sich als schwierig. An den Vormittagen drehte Corbucci noch die letzten Szenen zu „Romulus und Remus“ (Romolo e Remo, 1961) von wo er auch die Darstellerin Inger milton mitbrachte, die dann an den Nachmittagen für „I due marescialli“ die Rolle des jüdischen Mädchens Lia übernahm. Vittorio De Sica wiederum musste seine Drehtage mit seiner Arbeit an "Boccaccio '70" (1962) aufteilen. Totò ist dagegen in Hochform, hat reichlich Gelegenheit für Wortspiele mit italienischer und deutscher Sprache.

 

Die Story habe ich in der Inhaltsangabe natürlich stark vereinfacht, denn man muss nicht alles wissen, bevor man den Film selbst gesehen hat, der raffinierten Wortwitz versprüht und viele Wendungen mit sich bringt. So taucht – nur mal als Beispiel – etwa noch Cottones Verlobte Immacolata in Scalitto auf, und da der Kommandant Kessler und der Faschisten-Podestà den Dieb Capurro für Cottone halten, muss dieser Immacolata heiraten. Freilich ist die Ehe ungültig, da sie von einem falschen Priester (Cottone) geschlossen wird, aber es ist herrlich zu sehen, wie De Sica sich während der Trauungszeremonie windet, weil ihm das alles komplett gegen den Strich geht.

 

Eine Liebesgeschichte gibt es selbstredend ebenfalls, zwischen Lia und dem Partisanen. Fast würde ich „I due marescialli“ als Meisterwerk bezeichnen. Fast. Denn trotz der amüsanten augenzwinkernden Schlussszene hätte ein tragisches Finale den Film geadelt. Doch so weit ist man nicht gegangen.

 

Man hatte ohnehin zunächst Schwierigkeiten mit dem Drehbuch, welches ursprünglich die Meinungsverschiedenheiten zwischen einem echten Carabinieri-Marschall, der mit den Nazis kollaboriert und einem seiner Untergebenen vorsah. Dieses wurde von der Zensur aber nicht genehmigt, was wohl auch die Unzahl an Autoren erklärt, die letztendlich an dem Projekt beteiligt waren.

 

Den geschichtlichen Hintergrund zur Story bildet übrigens der Machtwechsel vom gestürzten Mussolini zur Badoglio-Regierung (1943-1944). General Pietro Badoglio war hierbei ein sehr umstrittener Charakter, erst Mussolini-Gegner, dann Mussolini-Mitstreiter, dann (an dessen Sturz beteiligt) versicherte er den deutschen Besatzern seine Loyalität, führte gleichzeitig im Hintergrund Verhandlungen mit den Alliierten. Nach Einzug der Alliierten forderten diese von Badoglio, bekannte Faschisten aus Ämtern und Regierung zu entfernen, was dieser nur sehr zögernd und widerwillig umzusetzen begann. Klingt nach einem opportunistischen Arsch.

 

Doch zurück zu „I due marescialli“. Hinter der Kamera finden sich einige bekannte Namen. So wird Nebendarsteller Mario Castellani neben Guido Zurli auch als Regie-Assistent genannt. Als Kameramann fungierte Enzo Barboni, mit Stelvio Massi als Operator. Die – abgesehen vom Titelthema – nicht sehr auffällige Filmmusik stammt von Piero Piccioni.

 

Insgesamt eine sehr sehenswerte Komödie, nicht nur für Totò-Fans.

Links

OFDb
IMDb

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