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Tödliches Erbe

Italien, 1968

  • Originaltitel: Omicidio per vocazione
  • Alternativtitel:

    Homicides par vocation (FRA)

    L'assassino ha le mani pulite (ITA)

    Deadly Inheritance

  • Regisseur: Vittorio Sindoni
  • Kamera: Ascenzio Rossi
  • Musik: Stefano Torossi
  • Drehbuch: Aldo Bruno, Romano Migliorini, Vittorio Sindoni
  • Inhalt:

    Der Patriarch einer Familie wird von einem Zug überrollt. Die Polizei geht von einem bedauerlichen Unglücksfall aus. Die Verwandten werden bei der Testamentseröffnung allerdings hellhörig, da man mittlerweile davon ausging, dass der Verblichene vollkommen mittellos war. Zu ihrem Erstaunen stellt sich jedoch heraus, dass der alte Herr noch auf einem Millionenvermögen gesessen hat. Eine Klausel im Testament regelt allerdings den Zeitpunkt der Auszahlung. Erst wenn der zurückgebliebene Adoptivsohn Janot (Ernesto Colli) volljährig wird, kommt jeder zu seinem Anteil. Doch wieso so lange warten? Janot wirft sich vor einen Zug, außerdem geht ein Mörder um und beseitigt einen Erben nach dem anderen...

  • Autor: Prisma
  • Review:

    Der italienische Regisseur Vittorio Sindoni lieferte mit "Tödliches Erbe" sein Spielfilmdebüt ab, und der Beitrag findet sich in der Fraktion der eher konservativen Vertreter wieder. Der ankündigungsfreudige deutsche Titel weist unmissverständlich auf die recht herkömmliche Thematik hin, die jedoch geradlinig und nicht uninteressant inszeniert ist. Zu Beginn fällt der Erblasser einem verbrecherischen Anschlag zum Opfer und es zeigt sich bei dieser Gelegenheit schnell, dass die Inszenierung hin und wieder etwas spröde daherkommt. Das schnelle Tempo bringt auch die raffgierige Familie zusammen, unter denen man erst einmal vertrauenswürdige oder sympathische Zeitgenossen ausmachen muss. Die Trauer über den Verlust hält sich deutlich in Grenzen, da jeder der Hinterbliebenen eigentlich davon ausgehen musste, dass der mittlerweile mittellose Verstorbene nichts mehr auf der hohen Kante hatte. Was man unmittelbar nach der Testamentseröffnung wahrnehmen kann, ist pures Entzücken bei jedermann.

     

    Es etabliert sich der Verdacht, dass es unter diesen Hyänen bestimmt den ein oder anderen geben dürfte, der sich nicht mit seinem Anteil begnügt. Zum guten Ton gehört selbstverständlich auch eine unbequeme Klausel, die das Geld zunächst einfriert. Die Gründe für Mord und Totschlag liegen also auf der Hand, und der Zuschauer kann sich darauf gefasst machen, dass es in kurzen Intervallen immer einen weniger geben dürfte. Die einfache Architektur von Sindonis Film bedient sich quasi des Elixiers eines jeden Giallo, sodass eigentlich nicht sehr viel schief gehen kann. Sicherlich gibt es zahlreiche Inszenierungen, die vehementere Wege einschlagen oder sich einer plastischeren Herangehensweise und härteren Exposition erfreuen, doch "Tödliches Erbe" kann durchaus seine Vorzüge präsentieren. Nimmt man die Story und die Arbeit der Polizei, fühlt man sich immer wieder sehr stark an handelsübliche Kriminalfilme erinnert, die ihre Blütezeit jedoch schon gesehen hatten.

     

    Ein vager Blick auf die Besetzungsliste lässt den Eindruck einer zweiten Garnitur entstehen und es fehlt an großen Stars des Genres. Dies soll allerdings nicht heißen, dass die Interpreten ihre Arbeit nicht optimal erledigen, hin und wieder sogar in einer ziemlich überspitzten Art und Weise. Krude Personen und eigentümliche Verhaltensweisen dominieren die Interaktion auffällig, aber auch nachhaltig, sodass es eigentlich nie eintönig wird, zumal es immer wieder spannend zugehen darf. Mit dem US-Amerikaner Tom Drake blickt man auf eine Art Relikt der Filmbranche, der die Polizei unaufgeregt und routiniert vertritt. Neben ihm sind es allerdings nur wenige Damen und Herren, die sich merklich hervorheben können. Femi Benussi bleibt vor allem wegen ihrer Ausstrahlung in lebhafter Erinnerung und Ernesto Colli aufgrund seiner beinahe bizarren Performance, die meistens völlig überdreht und unangepasst wirkt. Abrundend agieren beispielsweise Virgilio Gazzolo oder Ivo Garrani.

     

    Wenige Sympathieträger erschweren die Wahrheitsfindung erheblich und manchmal ist einem so, als suche man vergeblich nach integren Personen. Umso besser, denn der nicht immer auf höchstem Niveau funktionierende Spannungsbogen wird somit begünstigt. Das Prinzip der Dezimierung steht dem Verlauf sehr gut, vor allem das gut konstruierte Überraschungsmoment sorgt für spätes Kopfnicken. Streckenweise geht es sicherlich zu starr und unspektakulär zu, aber "Tödliches Erbe" kann schließlich als Gesamtkonstrukt überzeugen. Unter Vittorio Sindonis Regie kommt es im Endeffekt zu keinen risikofreudigen Abwandlungen und er bewegt sich in absolut sicherem Fahrwasser anderer Produktionen, die sich möglicherweise eher außerhalb des Giallo-Genres einen Namen machen konnten. Unterm Strich gibt es also eine gepflegte Krimi-Unterhaltung, die aufgrund ihres hohen Wiedererkennungswerts recht gut funktioniert und kurzweilig unterhält. Wer allerdings mit einem Überflieger rechnet, wird hier sicherlich enttäuscht zurückbleiben.

  • Autor: Prisma
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