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Spione am Werk

Frankreich | Italien, 1957

Originaltitel

Les espions

Alternativtitel

Le spie (ITA)

Los espías (ESP)

The Spies

Deutsche Erstaufführung

19. September 1957

Inhalt

Doktor Malic (Gérard Séty) ist mit seiner psychiatrischen Klinik in finanzielle Schieflage geraten, da sie aktuell nur zwei Patienten beherbergt. Weil er kurz vor dem Ruin steht und keinen Ausweg mehr sieht, lässt er sich auf ein zweifelhaftes Angebot ein, das ihm plötzlich von einem Fremden gemacht wird. Colonel Howard (Paul Carpenter) bietet ihm im Ganzen fünf Millionen Francs und eine Million davon sofort an, wenn er einem gewissen Hugo Vogel Unterschlupf gewährt. Dr. Malic lässt sich notgedrungen auf die Angelegenheit ein, doch schon am nächsten Tag ist nichts wie vorher. Über Nacht sind alle seine Mitarbeiter verschwunden und durch vollkommen fremde Personen ersetzt worden, die ab sofort das Regiment in der Klinik übernehmen. Außerdem taucht der ihm avisierte Fremde auf. Nach und nach wird dem Psychiater klar, dass er ein Rudel Spione in sein Haus aufgenommen hat, und der Kampf östlicher und westlicher Geheimdienste nimmt bedrohliche Formen an...

Autor

Prisma

Review

In einer Zeit vor der großen Invasion internationaler Agenten-Thriller, nahm sich der französische Star-Regisseur Henri-Georges Clouzot einer Thematik an, die in seinem Film "Spione am Werk" nicht nur fernab der heute üblichen Definition arrangiert wurde und sich deswegen in vielerlei Hinsicht entscheidend von später abgefilmten Thrillern unterscheidet, sondern in gewisser Hinsicht auch von vielen seiner üblichen Werke. Es ist anzunehmen, dass Clouzot, in dessen Filmografie sich gerade einmal 15 Spielfilme finden lassen, sich stets für das Extravagante, Außergewöhnliche, Verwirrende und Unkonventionelle interessiert hat; sowohl thematisch als auch inszenatorisch gesehen. Schon alleine auf dieser Basis entstanden bemerkenswerte Filme unter seiner Leitung, die sich vornehmlich mit der Psyche und seelischen Abgründen beschäftigten. Vergleicht man "Spione am Werk" beispielsweise mit einem frühen oder etwa zeitgleich entstandenen Hitchcock, so will es scheinbar an inhaltlichem Scharfsinn mangeln, doch unterm Strich sieht es nur so aus, da der Franzose sein Hauptaugenmerk oftmals zentraler auf die beteiligten Charaktere legte, die für das nötige Raffinement sorgen. Im Endeffekt verleitet ein Ausnahme-Regisseur wie Henri-Georges Clouzot zu Vergleichen, die aber schlussendlich ungerechtfertigt sind, denn immerhin hat man es bei ihm mit einer eigenständigen Marke zu tun. Sein Film im Spionage-Milieu präsentiert sich gespenstisch ruhig und ohne Action, wird wegen seines gedrosselten Tempos aber zu keinem geringeren Sehvergnügen. Sein großer Pluspunkt ist die Ansiedlung in einer weitgehend real wirkenden Umgebung, die erst durch das auftauchen der verschiedenen Personen der Geheimdienste abenteuerlich verfälscht wird. Dennoch entsteht nicht wie erwartet der Eindruck einer Märchenerzählung, da die Charaktere sich kaum zu Kapriolen verleiten lassen, die künstlich oder zu dick aufgetragen wirken, was vor allem in einer im Film gezeigten psychiatrischen Klinik beinahe Seltenheitswert besitzt.

 

Der im Endeffekt vielschichtige und weitsichtige Film wirkt aufgrund seiner wuchtigen Länge von zwei Stunden in vielen Sequenzen vielleicht zu ausladend und schwer, da im Gegenzug zu wenige Ausgleichsmöglichkeiten in Form von Spannung und Nervenkitzel aufkommen wollen. Dennoch übt der Verlauf einen geradezu anziehenden Reiz im Rahmen seiner Detailverliebtheit aus, da Clouzot seine Informationen unter Verschluss hält und diese nur häppchenweise präsentiert. Aufgrund der plötzlich in der Klinik aufgetauchten Personen kommt es dennoch zu einem sich immer mehr zusammenbrauenden Suspense, der oft nicht im klassischen Sinn wahrzunehmen ist, immerhin betreten Charaktere die Bühne, die jeweils Masken tragen und von denen man nichts weiß. Sind sie möglicherweise zu allem bereit oder gar brutal veranlagt; auf welcher Seite spielen sie überhaupt und was versuchen sie mit ihren kaltschnäuzig zur Schau getragenen Verschleierungstaktiken zu erreichen? Aufkommende Fragen ordnen sich hier nur langsam, manchmal sogar zäh, doch glücklicherweise ist Dr. Malic, die eigentliche Hauptperson der Geschichte, nachhaltig daran beteiligt, nach Lösungen zu suchen. Zwar gerät er dabei selbst in größte Gefahr, doch es erscheint ihm wichtiger zu sein, die geheimniskrämerischen Parasiten wieder abschütteln zu können. Gérard Séty wurde zugunsten großer Namen der Produktion in den Credits durchgereicht, spielt jedoch die tatsächliche Hauptrolle, da er in so gut wie jeder Einstellung zu sehen ist. Als Psychiater der zugrunde gehenden Klinik stellt sich der Franzose durch sein im Wechsel lethargisch und leicht überfordert erscheinendes Wesen und leidenschaftliches Schauspiel gleich selbst die besten Zeugnisse aus. Mit Leichtigkeit verwirft er die Frage, ob man unter gleichen Umständen nicht ebenso nach schnellem Geld gegriffen hätte, ohne die Situation abzuwägen beziehungsweise zu hinterfragen.

 

An seiner Seite ist die buchstäblich vereinnahmende Véra Clouzot - hier als offensichtliches Klinik-Inventar - leider schon in ihrem letzten Film zu sehen, die mit der Hauptgrund dafür ist, dass sich Doktor Malic überhaupt auf dieses gefährliche und vor allem zunehmend unfreiwillige Abenteuer eingelassen hat. Ihm als Pragmatiker sind undurchsichtige Spielchen absolut fremd, denn nur so konnte sich die Angelegenheit überhaupt forcieren. Konfrontiert mit Leuten, die er aufgrund ihrer merkwürdigen Verhaltensweisen vielleicht lieber direkt medizinisch betreuen und sie gleich in seiner Klinik behalten würde, wünscht er die für ihn alles andere als greifbar erscheinende Bagage wieder so schnell wie möglich aus seinem Haus. Unter Clouzot kommt es nicht zu irgend einer Art von Situationskomik, auch wenn Charaktere komisch wirken, sondern die Gefahr trägt lediglich die passenden Gesichter. Hier zu nennen sind Curd Jürgens, Sam Jaffe oder Paul Carpenter, aber insbesondere Peter Ustinov und Martita Hunt, die beide für sehr bedrohliche Momente sorgen werden. Ustinov versucht dies unverschlüsselt, aber mit feiner Ironie und Augenhöhe, wo hingegen Hunt überhaupt keine Geduld zeigt, um mit harten Worten aufzufallen. Die Konstellationen ordnen sich unter der sorgsamen Regie irgendwann alle von selbst und die Geschichte wartet mit einem Kernthema auf, das alles andere als unwichtig abqualifiziert und die gesamte unbarmherzige Scharade am Ende rechtfertigt. Mithilfe von raffinierter Suggestion werden die Gedanken des Zuschauers nachhaltig beflügelt. Dennoch kommt "Spione am Werk" zu einem Fazit, das einen überaus realen Transfer herstellen kann und will, sodass sich sagen lässt, dass Clouzot auch hier einen Beitrag fabrizieren konnte, der auf seine Art und Weise sehr doppelbödig ausgefallen ist. Forciert durch ausgezeichnete charakterliche Ausarbeitungen bleibt am überraschenden Ende nur das große überaus sehenswerte Schweigen.

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Prisma

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