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...sie nannten ihn Zambo

Italien, 1972

Originaltitel:

Zambo, il dominatore della foresta

Alternativtitel:

Zambo, rey de la jungla (ESP)

Zambo, King of the Jungle (USA)

Zambo

Deutsche Erstaufführung:

02. Juli 1983

Regisseur:

Bitto Albertini

Drehbuch:

Bitto Albertini

Inhalt

Der des Mordes angeklagte George Ryon soll in ein afrikanisches Zuchthaus verfrachtet werden, kann jedoch auf den letzten Metern die Kurve kratzen und in den Dschungel entkommen. Seine Verfolger geben die Verfolgung schnellstens auf, denn lebend schafft es da ja keiner raus. Falsch gedacht, denn nachdem George von einem einheimischen Stamm aufgesammelt wird, kann er sich als Naturbursche par excellence bewähren und unter neuem Namen, Zambo, die Herzen der Menschen erobern! Das will sich eine Expedition unter der Leitung des ethnologischen Professors Woodworth zunutze machen und zusammen mit Zambo aufbrechen, geheime Schätze von abermals zu erkunden. Doch neben allen örtlichen Gefahren durch Flora & Fauna machen sich Gier und Hinterlist in der Mannschaft breit, ein Scheitern aller guten Absichten zugunsten des Profits hervorzurufen und die Bevölkerung ins Verderben zu treiben. Zambo muss eingreifen und das Schlimmste verhindern, auf dass die Fetzen fliegen!

Review

Tief im Dschungel beinahe gänzlich vergessener Filmware liegt der „Zambo“ auf VHS begraben - einer jener Beiträge Bitto Albertinis, die in exotischen Locations Tatsachen schaffen, indem sie Brad Harris alles dort niederhauen lassen. Der freudenspendende Impuls einer globalen Muckibude für 12-Jährige (und alle, die es werden wollen) macht dafür diesmal in Uganda & Tanzania Halt und lässt ein Star-Ensemble an Topoi des italienischen Abenteuerfilms anno 1972 um sich herum versammeln: Ausgewalzte Naturpanoramen, Buschmänner-Riten, zerfetzte Lumpen, Klunker im Unterholz und die weiße Frau (Gisela Hahn) im Angesicht etlicher Stock-Footage-Bestien. Ein Anlass für jene derivative Expedition ins Genrefach bietet sich dementsprechend mit der Suche nach einem verschollenen Schatz, der als Aufhänger seinerseits das Urtümliche der Ethnologie und die „sogenannte Zivilisation“ exemplarisch zu spalten vermag – man merke nach gesamter Laufzeit: Naturbelassene Völker agieren kein bisschen zwielichtig wie die Weltengemeinschaft unter der Kuppel des Kapitalismus, da sie keine Verbrechen kennen und mit dem Nötigsten auskommen, so (die italienische Fassung stellt dafür sogar ein waschechtes Schopenhauer-Zitat voran)!

 

Als Prophet erster Stunde pro dieser Moral agiert George Ryon (Brad Harris), der sich als verurteilter Kettensträfling zusammen mit Streifenhemdkollege (Mario Dionisi) dünne macht und vom fahrenden Zug in die fatale Botanik abdriftet. Nachdem man sich dort - eine halbe Stunde der Strapazen hindurch - ein Grabeskreuz aus Holz für den schlussendlich vom Naturgift dahingerafften Kumpel erwirtschaftet, findet sich Ryon in den Fängen eines vagen afrikanischen Stammes wieder, welcher ihn binnen zwei Jahren zur Legende, zum Oberhäuptling, zum Chef, eben zum „Zambo“ ernennt. Eine etwas umständliche Form der origin story jener Integration - wie der Restfilm ohnehin noch mit Rückblenden zum entscheidenden Mordprozess angefüttert, welcher George von Vornherein ins Kittchen brachte. Ging wohl darum, dass er damals nicht die von ihn geliebte Frau verpfeifen wollte, um seinen Namen reinzuwaschen – was muss man nicht alles für Gewissensbisse in der Gesellschaft haben, drum bleibt sein Charakter zwar durchweg als Ehrenmann durchschaubar, legt dafür wiederum eine stets strenge Laune an den Tag. Die Grundsympathien des Zuschauers sind da schwer anzulegen, zumal die kernige Ader Zambos, egal zu welcher Zeit, konsequent aus der Zeit gefallen scheint: 1972 dürfte er u.U. noch als Bindeglied zwischen dem Kolonial-Esprit des europäischen 60er-Jahre-Kintopp und zig zynischer Mondo-Kannibalen-Reisen gelten, beim deutschen Kinostart 1983 (!) allerdings winkt bereits das Antikmuseum – so oder so mangelt es dem Tempo der Inszenierung an der Erkenntnis, was es anhand seiner selbst zu markieren sucht.

 

Vom Survival-Thriller unter glühender Sonne bleibt alsbald nämlich nicht mehr viel übrig, sobald Professor Woodworth (Attilio Dottesio, u.a. als Science-As in „SS Experiment Love Camp“ bekannt) im Auftrag des Finanziers Perkins (Daniele Vargas) Studien im Urwald vorantreiben und dafür die Hilfe Zambos in Anspruch nehmen will. Zambo ist Experte, Zambo kennt die Regeln des Dschungels, Zambo kann Wilderer vermöbeln und Löwen zähmen. Er ist ein Alleskönner in diesem „schönen Land Afrika“ geworden, der mit seinem minderjährigen Sidekick Ewald (?) durch die Savanne streift und diesem sogar mal beibringen kann, was eine Schule ist. Hier ergänzen sich die Kulturen und alle naiven Klischees einer derartigen Tarzan-Logik (man möchte glatt meinen, Zambo wäre ebenso schon im Vornherein als Markenname durch Comics und allerlei gegeistert, doch meinen Recherchen nach ist dem nicht so). Für gewöhnlich lassen sich bei der Dynamik Tendenzen zum Herrenmenschen herauslesen und auch hier trotz aller positivistischen Absichten nicht abstreiten. Insofern bleibt eben eine Differenzierung über, wie falsch manche white folks anhand schwammiger Ideale agieren und damit die Allgemeinheit repräsentieren. Perkins und Woodworth z.B. sehnen sich trotz aufklärerischer Mission nach dem Mammon, nach im Urgestein versteckten Rubinen der Sonnengötter, mit denen sich ordentlich Zinsen generieren lassen – der Reichtum des Wissens ist nicht genug, gestandene Männer lassen sich von ihrer Gier blenden!

 

Zu alledem funkt noch Führer Juanez (Raf Baldassare, „Leichen pflastern seinen Weg“ und Co.) dazwischen, der neben seiner angeheuerten Funktion tatsächlich weitere finstere Gesellen auf die Spur der Expedition delegiert und Intrigen gegen Zambo spinnt, damit sein Team im Alleingang absahnen kann. Was für eine Schlange, schreckt auch vor Kindermord nicht zurück! Allzu explizit darf man sich das natürlich nicht vorstellen, so wie die Schauwerte ohnehin eher seichter Natur bleiben. Der absolute Höhepunkt in der Angelegenheit bleibt Zambos Kampf mit einem Gorilla, dessen Visage und Fellgetüm nach Geisterbahn beim Hamburger Dom schreit. Gerne mehr davon hätte der Sache die nötige Portion Pepp verliehen – die in Rom nachgebildeten Büsche, Palmen und Unterholzgewächse (sozusagen das Earth, Wind and Fire dieses Films) gieren nach mehr Einsatz, während sich die Kamera Pier Luigi Santis in epischer Breite auf den Lorbeeren der gegebenen Wunder vor Ort ausruht. „Zambo“ wird diese Diskrepanzen nimmer einholen, stattdessen schleppt er sich über Berg und Tal in die gängigste Zurück-zur-Natur-Romantik rein und setzt zu diesem Zwecke Gisela Hahn als Woodworth-Tochter Grace aufs Podest, welche lediglich mit oberflächlichen Charme glänzen kann: Sieht gut aus, ist nett und gewissenhaft, verfolgt mit Fotoapparat in der Hand die große Story, ist auf Zambos Seite, ihm trotz seiner Vergangenheit nicht abgeneigt.

 

Mehr Tiefe darf man auch vom restlichen Ensemble nicht erwarten, erquicklicheren Stoff vom Film an sich auch nicht verlangen, wenn er seine Dramaturgie anhand aller erwähnter Faktoren sorgfältig abarbeitet und nach erlebten Endkampf sogar noch einen Epilog dranplätschert, der die Unvereinbarkeit der Außenwelt mit dem Herzen Afrikas als Nukleus der Existenz nochmals unterstreicht. Gekoppelt wird das zudem mit dem löblichen Vorstoß Zambos, nichts aus einem Volke wegzunehmen, was einem nicht gehört – alles in gut sortierten Labertaschen nahegebracht. Eine Binsenweisheit hält aber noch lange keine 90 Minuten durch, selbst wenn’s dabei immer mal was auf die Zwölf gibt und Komponist Marcello Giombini sich unverhofft für weitere Urwaldsymphonien in seiner Filmographie empfiehlt. Dann doch lieber mehr Trio-Gedöns mit den mehrmals variierten „Drei tollen Kerlen“ und „Black/Yellow Emanuelles“ aus der groben Kelle Bitto Albertinis.

Veröffentlichungen

Dieser Film hat es bislang nicht mal ins digitale Zeitalter geschafft, wenn man mal von einigen Pay-TV-Ausstrahlungen binnen der 2000er absieht (u.a. 2006 auf Premiere Nostalgie sowie auf dem italienischen IRIS anno 2010, da sogar im richtigen Bildformat). Hierzulande gab es also nach dem Kinoeinsatz via Avis/Filmallianz ab dem 02.07.1983 nur noch eine VHS von USA VIDEO zu begutachten, die in einer Szene mit der im Zelt erwachenden Gisela Hahn geschnitten wurde und das Bild ohnehin von einer auf 1,85:1 gecroppten Vorlage auf Vollbild einquetscht. Ausbaufähig!

Filmplakate

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OFDb
IMDb

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