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Seine Winchester pfeift das Lied vom Tod

Italien, 1968

Originaltitel

I lunghi giorni dell'odio

Alternativtitel

Ringo ne devait pas mourir (FRA)

O Longo Dia do Ódio (POR)

Long Days of Hate (USA)

This Man Can't Die

Deutsche Erstaufführung

20. Juli 1973

Inhalt

Martin Benson (Guy Madison) ist in der ganzen Umgebung als hervorragender Schütze bekannt und hilft der amerikanischen Armee beim Kampf gegen den immer stärker werdenden illegalen Waffenhandel. Einige der Gangster, die Indianer mit haufenweise Waffen versorgt haben, konnte Benson bereits dingfest machen, kam bislang jedoch nicht an den Drahtzieher heran. Wie gefährlich dieser in Wirklichkeit ist, bekommt Bensons eigene Familie zu spüren: bei einem Überfall auf deren Ranch werden Martins Eltern kaltblütig ermordet und seine Schwester Jenny (Anna Liotti) brutal vergewaltigt. Da einer der Angreifer namens Tony Guy (Peter Martell) schwerverletzt zurückgeblieben ist, erhoffen sich die Überlebenden der Familie Benson entscheidende Hinweise auf die Täter und deren Boss. Von Rachegedanken getrieben, steuern sie auf einen gefährlichen Showdown zu...

Autor

Prisma

Review

Deutsche Verleihtitel verwendeten für die Vermarktung ihrer Produktionen gerne ein Pathos, das auch in diesem Ende der 60er Jahre entstandenen Beitrag ankündigt, dass sich der Zuschauer auf eine Menge Schusswechsel und Liquidierungen gefasst machen darf, die hier quasi mit einer Art Melodik gleichgesetzt werden. Für Fans des Italowestern dürfte allein diese Ankündigung Musik in den Ohren sein und es bleibt abzuwarten, ob Regisseur Gianfranco Baldanello, der im Genre zwar regelmäßig tätig war, sich insgesamt jedoch weniger verdient gemacht hat, diese Erwartungen erfüllen kann. Der italienische Originaltitel trifft den Kern der Veranstaltung mit "Die langen Tage des Hasses" wesentlich besser als der deutsche, auch wenn die Winchester des Helden hin und wieder prominent in Szene gesetzt wird. Rachegeschichten sind in der Regel mit Selbstläufern zu vergleichen, da sie von intensiven Emotionen angetrieben werden, die sich in ihrer unberechenbaren Dynamik nicht mehr neutralisieren lassen. In "Seine Winchester pfeift das Lied vom Tod" gestaltet sich der Grundstein für eine derartige Geschichte als überaus perfide, denn immerhin zieht der Leidtragende die Peiniger seiner Familie nur deshalb an, weil er sich genötigt sah, für Recht und Ordnung einstehen zu wollen. Der Zuschauer hat dieses Modell in Artgenossen und vor allem genreübergreifend freilich schon hinlänglich serviert bekommen, doch unterm Strich kommt es stets auf die Ausarbeitung der Geschichte und die Präsentation der Charaktere an. Die Regie inszeniert einerseits solide und rasant, tastet sich andererseits aber auch zu konventionell und vorsichtig an bestehenden Richtlinien längst dagewesener Erzählungen entlang. Falls man als unermüdlich interessierter Zuschauer keine größeren oder kleineren Wunder oder Kapriolen erwartet, fährt man mit diesem Beitrag überraschend gut, da sich der Verlauf auf seine Kapazitäten konzentriert, ohne sich zu sehr in der staubigen Peripherie zu verlieren.

 

Starke Schützenhilfe für ein gutes Gelingen leistet die darstellende Entourage dieses Spielfilms, der in der Bundesrepublik Deutschland erst fünf Jahre nach Entstehung in die Kinos gebracht wurde. In der Hauptrolle sieht man den US-Amerikaner Guy Madison, der vor allem durch seine Mitwirkung in diversen Western bekannt wurde. Als Martin Benson kann ihm zunächst attestiert werden, dass er einen sehr guten, teils charismatischen Eindruck im Geschehen hinterlässt und sich den Gegebenheiten sehr dynamisch anpasst, wenngleich zu Beginn eine dramaturgisch bedingte Rehabilitation notwendig ist, da ihm der Ruf eines Gangsters vorauszueilen scheint. Die Tatsache, dass er sich für die richtige Seite des Gesetzes entscheidet, stellt gleichzeitig den Startschuss für die mit Tragik und Brutalität angereicherte Geschichte dar, immerhin lässt diese folgenschwere Entscheidung die ersten unschuldigen Köpfe rollen. Verläufe wie diese werden von Hass angetrieben, der sich in den meisten Fällen auf mehrere Personen des Geschehens übertragen lässt, da Rache der Nährboden für Vergeltung wird. Eine halbe Familie wird kaltblütig ausgelöscht, was als Warnung vor weiterem Eingreifen in fremde Angelegenheiten zu verstehen ist. Der markante Protagonist der Geschichte lässt sich jedoch nicht einschüchtern. Schnell werden die übrigen Charaktere vorgestellt und die Konstellationen untereinander geklärt. Leider gelingt es Regisseur Gianfranco Baldanello in dieser Hinsicht nicht, eine angemessene Spannungskurve zu konstruieren, da schlicht und einfach zu deutliche Hinweise geliefert werden, wer sich schlussendlich hinter dem Drahtzieher verbergen könnte, außerdem lassen sich zu deutliche Wertungen herausfiltern. Nichtsdestotrotz bekommt es der Zuschauer mit interessant gestrickten Charakteren zu tun, die vor allem auf der Seite der Sympathieträger zu finden sind und es ist überraschend, dass Baldanello es sich nicht nehmen lässt, über einige von ihnen Schocks zu setzen.

 

Bemerkenswert ist die Besetzung der Susy Benson mit der nur sporadisch im Film auftauchenden Lucienne Bridou, die versucht, sich von einheitlichen Schablonen des Genres abzuheben. Die Karriere der attraktiven Französin erstreckt sich lediglich über einen Zeitraum von vier Jahren, in dem sieben Arbeiten für Kino und Fernsehen zusammenkamen. So drehte sie bereits 1968 mit "Auf die Knie, Django - und leck mir die Stiefel" ihren letzten Film, der ebenfalls unter der Regie von Gianfranco Baldanello entstand. Von der Anlegung der Rolle her und in Hinblick auf Susys Strahlkraft, handelt es sich um eine eher konventionelle, aber durchaus ergiebige Frauenrolle in einem Italowestern, der Bridou dennoch sehr einträgliche Facetten zu verleihen weiß. Obwohl auch ihre Funktion innerhalb der Geschichte sehr determiniert wirkt, besitzt sie etwas nicht gerade Alltägliches, das in deutlicher Erinnerung bleibt: eine Ausstrahlung der besonderen Art. Ihre ebenfalls schönen Kolleginnen Anna Liotti und Rosalba Neri erspielen sich gleichfalls gute Momente und staffieren alternative charakterliche Konturen aus, bleiben neben einer faszinierenden Lucienne Bridou jedoch zweitrangig. Weitere, der Geschichte gut angepasste Performances geben beispielsweise Alberto Dell'Acqua, Steve Merrick, Peter Martell oder Rik Battaglia zum Besten, sodass es dem Publikum insgesamt leicht gemacht wird, an der Geschichte Gefallen zu finden. Die Jagd nach der Wahrheit, beziehungsweise dem Drahtzieher, wird dem Empfinden nach eher ungeschickt abgehandelt, was allerdings nicht heißt, dass sich zu viel Leerlauf einschleicht. Flotte Dialoge, brutale Spitzen und solide Aufnahmen der Geschehnisse lassen die Zeit kurzweilig und ereignisreich vergehen, sodass "Seine Winchester pfeift das Lied vom Tod" als solider Beitrag in Erinnerung bleiben dürfte, der seinen Dienst am Kunden einwandfrei erfüllt. Wenn der Beobachter darauf verzichtet, Baldanellos Fähigkeiten zu vielen Vergleichen mit anderen Arbeiten des vielfältigen Genres auszusetzen, bleibt auch diese Rachegeschichte unterm Strich zufriedenstellend.

Autor

Prisma

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