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Ringo mit den goldenen Pistolen

Italien, 1966

  • Originaltitel: Johnny Oro
  • Alternativtitel:

    Ringo au pistolet d'or (FRA)

    Ringo e a Sua Pistola de Oiro (POR)

    Ringo and His Golden Pistol

  • Deutsche Erstaufführung: 20. Dezember 1966
  • Regisseur: Sergio Corbucci
  • Kamera: Riccardo Pallottini
  • Musik: Carlo Savina
  • Drehbuch: Adriano Bolzoni, Franco Rossetti
  • Inhalt:

    Mit der Eliminierung der Brüder Perez zieht der Kopfgeldjäger, Ringo, den Hass des letzten verbliebenen Familienmitglieds, Juanito, auf sich, sodass Ringo kurz nach seiner Ankunft in Coldstone von Juanitos Todesboten frequentiert wird. Doch der clevere bounty hunter verzichtet auf einen Meinungsaustausch und verweist die Halunken (mithilfe von etwas Sprengstoff) postwendend an die Pforten zur Hölle. Damit verstößt Ringo allerdings gegen das Waffengesetz und landet vorerst im Kittchen. Sehr zum Ärger von Juanito, der allerdings die Zeit nutzt, um sich mit den Apachen zu verbünden und anschließend Ringos Auslieferung zu fordern. Sofern man seiner Forderung nicht nachkommt, droht der mexikanische Desperado, die indianischen Hundes des Krieges von der Leine zu lassen, damit diese Coldstone dem Erdboden gleichmachen. Da der penible Sheriff die Auslieferung verweigert, müssen die Dorfbewohner fortan um ihr Leben bangen und einige von ihnen werden gar zu einer internen Gefahr…  

  • Autor: Frank Faltin
  • Review:

    Ringo, so heißt der Duke, der John Fords famose „Postkutsche“, deren Fahrgäste einen Querschnitt der amerikanischen Gesellsaft präsentieren, (beg)leitet. 

    Ringo, so heißt John Ireland in John Sturges' „Gunfight at the O.K. Corral“. 

    Ringo, so heißt ein Beatle, der dem Blindman ganz schwer auf die Eier geht. 

    Ringo, so heißt Sir Quicklys Ochse, in Franz Xaver Bogners toller TV-Serie „Irgendwie und Sowieso“…

     

    Diese Liste kann beliebig weitergeführt werden, allerdings sollte man derartige Spielereien nicht übertreiben, um sich nicht zu weit vom eigentlichen Thema, dem „italienischen Ringo“, zu entfernen. Einem Western(anti)helden, der - wie die zahlreichen Djangos - keine in Stein gemeißelte Persönlichkeit darstellt, sondern sich aus den jeweiligen Grundkonstellationen eines italienischen Westernvehikels zusammensetzt. Demnach spielt es keine Rolle, ob der Antiheld als Strahlemann oder Spaßbremse seine Colts „glühen“ lässt, da sein Name als ein Chiffre fungiert, hinter dem sich x-beliebige Westmänner verbergen, deren Ambitionen allerdings meist konform, sprich von finanzieller Natur geprägt, sind. Zur Verwirklichung ihrer Ziele spielen sie, wie es sich für wahre Pfiffikusse gehört, gern zwei Parteien gegeneinander aus, um schlussendlich das Edelmetall oder die klimpernden Dollars für sich einzustreichen und anschließend dahin zurückzukehren, wo sie herkamen.

     

    Der Erfolg, den Duccio Tessari mit „Eine Pistole für Ringo“ und „Ringo kommt zurück“ verbuchen konnte, ließ einige Ringo-Imitate aus den Tiefen des italienischen Westernmeers aufsteigen. Deren Existenz war allerdings meist Mister „Reim dich oder ich fresse dich“, dem eifrigen Sprücheschöpfer am Spieltisch des jeweiligen Verleihs, geschuldet. Aus „Johnny Oro“ wurde somit „Ringo mit den goldenen Pistolen“, dessen deutsche Synchronisation zudem einige auditive Parallelen zu „Eine Pistole für Ringo“ aufweist. Folglich wird der eifrige IW-Lehrling auch von keiner Verwunderungsattacke überrannt, wenn er Johnny Oro beziehungsweise Johnny Ringo als ein bis über beide Ohren strahlendes Honigkuchenpferd erfasst, denn Mark Damon gibt – wie bereits Giuliano Gemma vor ihm - einen pfiffigen und fortwährend entkrampften Spitzbuben, dessen Optik deutlich vom unrasierten Antihelden der italienischen Westernlichtspiele abweicht.   

     

    Sergio Corbucci lieferte in der Frühphase des italienischen Westerns mit „Minnesota Clay“ und „Massacro al Grande Canyon“ (zur Info: der Film kam erst 3 Jahre nach der italienischen Uraufführung als „Keinen Cent für Ringos Kopf“ in die deutschen Kinos) zwei mittelprächtige Genrebeiträge ab. Auch wenn mir „Ringo mit den goldenen Pistolen“ mehr als die simultan genannten Titel zusagt, kann der Film ebenfalls nicht über die „Kategorie Durchschnitt“ hinauswachsen. Dieses ist seiner eher behäbigen Inszenierung geschuldet, die den (für einen besseren Schulabschluss) nötigen und vielbesagten Funken nicht überspringen lässt. Denn obwohl „Johnny Oro“ mit Besetzung und Ausstattung vieles richtig macht, schleppt sich der Streifen zeitweise dahin und kann erst innert des letzen Drittels mehr Fahrt aufnehmen.

     

    Was die drei Filme (ungeachtet der künstlerischen Leitung) verbindet, ist deren gemeinsamer Hang zum US-Western. „Ringo mit den goldenen Pistolen“ kann diesen Ausdruck gar besonders manifestieren, da sich dessen Grundgedanke von Howard Hawks´ „Rio Bravo“ ableiten lässt. Folglich ist es nicht schwierig, „Johnny Oro“ als ein Bindeglied zwischen dem amerikanischen und dem italienischen Western zu begreifen. Dafür zeugen einerseits dessen Look und eine eindeutige Trennlinie zwischen Gut und Böse, sowie andererseits ein (Anti-)Held, der bevorzugt in seine eigene Tasche wirtschaftet und folglich nicht mit den amerikanischen Tonfilmwesternhelden der 1930er, 1940er und teilweise 1950er konform ist.

     

    Ringo, der sich innerhalb der deutschen Synchronisation als Jonathan Jefferson Gonzalez vorstellt, zeigt sich fortwährend als lockerer Bursche, der scheinbar ein Dauerabonnement bei der Glücksgöttin Fortuna abgeschlossen hat, da er jede noch so aussichtlose Situation  mit einem Lächeln kommentiert. Doch jeder lockere Draufgänger benötigt einen Gegenpol, der ihm die Grenzen aufzeigt und ihn – wenn die Situation es erfordert – auch mal aus dem Verkehr zieht. Dieser Part kommt dem von Ettore Manni verkörperten Sheriff, Bill Norton, zugute, der seine Rolle ordentlich, aber stur nach amerikanischem Vorbild, beschreitet. Gefährlich wird es allerdings, wenn sein kleiner Sohn ins Geschehen eingreift, was wieder einmal bestätigt, dass Blagen in italienischen Western einfach nichts zu suchen haben, da sie gewaltig nerven und somit die Stimmung eines jeden TRVE IW-Fans versauen. Der ungekrönte König dieser Nervensägen ist zweifelsohne Sven Valsecchi in Lucio Fulcis „Silbersattel“.

     

    „…und neben uns haben wir Sebastian, er und alle Stammesbrüder hassen euch Amerikaner. Ich kann verstehen warum, ihr habt sie von ihrem Land vertrieben.“ (Juanito Perez)

     

    Begleitend zum umrissenen Handlungsstrang werden die einstige Eroberung, die Unterdrückung und die damit verbundene Internierung der „amerikanischen“ Ureinwohner aufgegriffen. Währenddessen transportiert Corbucci seine Chefrothaut, Sebastian, erwartungsgemäß als einen versoffenen Aggressor, der nach Blut lechzt. Zu diesem Zweck bündelt er sein Hasspotential, definiert das kleine Städtchen Coldstone als Angriffsziel und assoziiert einhergehend deren Einwohner als die Verantwortlichen für das erlittene Leid seines Volkes. Sebastian will ein Gleichgewicht herstellen und mit einem Massaker an einer „Handvoll“ unschuldiger Bleichgesichter die Geschichte Amerikas bereinigen. Und damit Sebastian seinem Buhmannimage vollends gerecht wird, verbündet er sich („Der Feind meines Feindes ist mein Freund“) mit Juanito Perez und seinen mexikanischen Desperados.

     

    Alles Arschlöcher? Nicht wirklich, denn bei derartigen Interpretationsvorgängen wird immer gern (oder ungern?) vergessen, dass Amerikas Ureinwohner sehr friedliebend waren und schlussendlich mithilfe von Feuerwasser in das Hassschema der Entdecker und späteren Eroberer gepresst wurden, um die geplante Ausrottung der Indianer zu legitimieren. Eine (als vorgezogener McCarthyismus suggerierbare) Methode, die bis dato ihren Zweck erfüllt, da sie dem ein oder anderen unbedarften Zeitgenossen immer noch vorgaukeln kann, dass die wilden Eroberer oder besser gesagt die erobernden Wilden die besseren Menschen gewesen sind. Na denn: Gute Nacht!

     

    Solange es noch Verbrecher gibt, komme ich schon zurecht…! (Ringo)

     

    Fazit: „Ringo mit den goldenen Pistolen“ orientiert sich an den amerikanischen Westernvorbildern und kombiniert diese Vorgangsweise mit diversen Versatzstücken des Italo-Western, sodass unter dem Strich eine solide, manchmal allerdings fade, Inszenierung steht, die den Zuschauer mit ansprechenden Landschaftsaufnahmen und einem sympathischen Antihelden beliefert.

  • Autor: Frank Faltin
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