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Perfect Strangers

Italien, 2016

Originaltitel:

Perfetti sconosciuti

Alternativtitel:

Perfectos desconocidos (ESP)

Regisseur:

Paolo Genovese

Inhalt

Die Eheleute Rocco (Marco Galliani) und Eva (Kasia Smutniak) - er plastischer Chirurg, sie Therapeutin - haben alle guten Freunde zum Abendessen geladen, zwischendrin will man auf dem Balkon der Mondfinsternis zusehen. Der Abend beginnt mit harmlosen Frotzeleien, insbesondere in Richtung des Sportlehrers Peppe (Giuseppe Battiston), der eigentlich der Gruppe seine neue Freundin Lucilla präsentieren wollte. Ebenfalls unter den Anwesenden sind der Taxifahrer Cosimo (Edoardo Leo), der erst kürzlich die Tierärztin Bianca (Alba Rohrwacher) geheiratet hat und die ein gemeinsames Kind planen. Außerdem der Anwalt Lele (Valerio Mastandrea) und dessen Frau Carlotta (Anna Foglietta), wobei er kurz vor der Wiedererlangung seiner Zulassung steht, nachdem er einige Zeit zuvor anscheinend einen tödlichen Autounfall verursacht hat.

 

Der Abend hätte nett werden können, doch die Freunde beginnen mit ihrem Vertrauen untereinander zu prahlen, nachdem Therapeutin Eva von einem anderen Paar erzählt, dass sich erst kürzlich wegen einer kompromittierenden SMS getrennt hat. Daraufhin macht Eva einen fatalen Vorschlag: alle könnten doch ihre Handys für den Rest des Abends auf den Tisch legen, und alle Anrufe, Nachrichten etc. würden mit allen Anwesenden geteilt. Keine gute Idee. Während sich der Mond draußen verfinstert, kommen allerlei Geheimnisse ans Licht, die besser im Dunkeln geblieben wären.

Review

„Jeder von uns hat drei Leben: ein Öffentliches, ein Privates und ein Geheimes.“
(Tagline)

 

Nachdem mich Paolo Genoveses „Tutta colpa di Freud“ (2014) trotz gewisser Oberflächlichkeiten schwer begeistert hat, wurde es nun Zeit, mich diesem Schmuckstück namens „Perfetti Sconosciuti“ zu widmen. Da soll doch mal einer sagen, der italienische Film hätte keinen Einfluss mehr. Dieser nach einer Story von Paolo Genovese entstandene Film war nicht nur der erfolgreichste italienische Film des Jahres 2016, sondern im Inland der zweiterfolgreichste Film Italiens überhaupt nach „Quo Vadis“. Er spielte im Premierenjahr 16 Millionen Euro ein und schaffte es 2019 ins Guinness Buch der Rekorde mit international 11 Remakes in nur drei Jahren und 8 weiteren Adaptionen in der Pipeline. 2019 entstand auch die deutsche Adaption „Das perfekte Geheimnis“ und nein, den schaue ich mir nicht an. Wie auch immer, diese vielen Remakes brachten den Lizenzgebern noch einmal Unsummen ein, das hat jedoch den Haken, dass der Originalfilm von Paolo Genovese außerhalb Italiens kaum zu sehen war. Außerdem sind Verkaufszahlen für mich kein Garant für Qualität.

 

Wie hat mir „Perfetti Sconosciuti“ also gefallen? Die Grundidee ist natürlich nicht sooo neu. Freunde oder Familie, die zu einem Dinner zusammenkommen, wo ihnen schließlich Problemchen und Geheimnisse um die Ohren fliegen, das ist ein fast schon klassisches Thema. Ebenfalls ist keineswegs neu, dass Elemente von Komödie, Drama und Tragik hierbei vermischt werden, und hier beschreitet Genovese durchaus andere Wege als in „Tutta colpa di Freud“, wo lebensnahe Problematiken in komödiantischer Weise darstellt und wo dramatische Momente wie etwa ein Selbstmordversuch dann doch wieder durch heitere Elemente aufgehellt werden. Denn in „Perfetti sconosciuti“ bleibt einem das Lachen schließlich im Halse stecken, und es gibt keine Erlösung. Die Offenbarungen, die durch offen dargelegte Handynachrichten und -anrufe zutage treten beginnen komisch, als unbeteiligter Filmzuschauer kann man darüber schmunzeln. Doch das ist nicht das Ende der Fahnenstange. Es folgen ein paar richtig schwere Geschütze, die nicht nur die Protagonisten zu betretenem Schweigen bringen. Nicht alle dieser unfreiwilligen Offenbarungen betreffen freilich verwerfliche Dinge, sie sind nur einfach privat.

 

Am Ende versucht Genovese – zumindest scheinbar – das Ganze wieder aufzulockern, indem man einen Prolog anhängt, in dem all das Vorherige nicht passiert ist. Eva, die Therapeutin, hat das Handyspiel vorgeschlagen, doch ihr Mann Rocco hat das erfolgreich verhindert. Doch der Erleichterung folgt schnell Ernüchterung, denn nun werden alle mit ihren Täuschungen und Lügen weiterleben, auf die jeder – so der Prolog – ein Recht hat. Und wir erfahren, was wir zuvor schon bei den Enthüllungen bezüglich Cosimo schon ahnten: das Spiel war kein Zufall. Die Protagonisten hingegen werden dies nie erfahren, denn das bleibt Evas Geheimnis.

 

Eine Gruppe von Menschen in einem Raum, das bedeutet zwangsläufig Dialoglastigkeit. Im ersten Drittel ist das weitgehend interessant und amüsant, im zweiten Drittel jedoch beginnt es anstrengend zu werden. Es folgt viel Dialog, der letztendlich nur darauf abzielt, uns Zuschauer ganz nebenbei mit Informationen zu versorgen, die wir für das letzte Drittel brauchen. Dieser dritte Teil ist es auch, der „Perfetti sconosciuti“ so sehenswert macht. Obwohl… niemand muss sich wie der letzte Loser fühlen, wenn er „Perfetti sconosciuti“ nicht gesehen hat, denn dieser Film ist weder der Erste noch der Letzte seiner Art. Hat hier jemand „Carnage“ gerufen?

Links

OFDb
IMDb

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