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Old Shatterhand

Kroatien | Frankreich | Deutschland | Italien, 1964

  • Originaltitel: Old Shatterhand
  • Alternativtitel:

    La última batalla de los apaches (ESP)

    Les cavaliers rouges (FRA)

    La Battaglia di Forte Apache (ITA)

    Voy ... los mato y vuelvo (MEX)

    Assalto ao Forte (POR)

    Apache's Last Battle (USA)

    Shatterhand! (USA)

  • Deutsche Erstaufführung: 30. April 1964
  • Regisseur: Hugo Fregonese
  • Kamera: Siegfried Hold
  • Musik: Riz Ortolani
  • Drehbuch: Ladislas Fodor, Robert A. Stemmle
  • Inhalt:

    Eine Gruppe von Weißen will einen Friedensvertrag zwischen den Apachen und der Regierung verhindern. Gemeinsam mit Komantschen, deren Häuptling ein Todfeind Winnetous ist, begehen sie Überfälle und lassen an den Tatorten die Leichen von Apachen zurück, die sie bereits zuvor getötet haben. Old Shatterhand (Lex Barker) kann gerade noch verhindern, dass eben jene Banditen Winnetous Adoptivsohn Tujunga (Alain Tissier) lynchen.

     

    Für den Überfall auf eine Farm gibt es einen Zeugen – den kleinen Tom – der gesehen hat, dass der Überfall von Weißen und Komantschen verübt wurde. Er findet Unterschlupf bei dem Halbblut Paloma (Daliah Lavi), die in einer alten Mission lebt. Als Old Shatterhand und Tujunga dort eintreffen, bringen sie Paloma und Tom in die nächstgelegene Stadt. Er bringt sie bei der Saloonwirtin Rosemary unter, wo Shatterhands Freund Sam Hawkens (Ralf Wolter) auf den kleinen Jungen achtgeben soll.

     

    Shatterhand macht sich auf die Suche nach den Banditen, dabei begegnet er Winnetou (Pierre Brice). Sie finden heraus, dass die Männer von Dixon (Rik Battaglia) hinter den Überfällen stecken, doch deren Auftraggeber bleibt zunächst weiterhin im Dunkeln. Winnetou und Shatterhand gelingt es, General Taylor (Charles Fawcett) vom nahegelegenen Armee-Fort von den friedlichen Absichten der Apachen zu überzeugen und versprechen ihm, die Banditen zu fassen und den kleinen Tom als Zeugen vorzubringen. Doch der wird von den Banditen getötet.

     

    Als Gen. Taylor das Fort verlässt, überträgt er Colonel Hunter (Joe D’Amato) das Kommando, doch der wird von einer Schlange gebissen und von Captain Bradley (Guy Madison) ersetzt. Als Bradley zunächst versucht, Winnetou eine Falle zu stellen, dämmert es Winnetou und Shatterhand, dass Bradley hinter allem steckt, dessen Familie einst von Indianern getötet wurde. Zurück in ihrer Mission wird Paloma fast von einem Soldaten vergewaltigt, doch Tujunga kann dies verhindern. Dabei wird er gefangen genommen und Captain Bradley will ihn hinrichten lassen. Nun ist es auch mit Winnetous friedlichen Absichten vorbei, er versammelt alle seine Krieger um sich und lässt das Fort angreifen.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Mit der Faulheit ist es so eine Sache. Mit obiger Inhaltsangabe wollte ich es mir leichtmachen und viele Nebenschauplätze weglassen und habe mir dabei fast einen abgebrochen. Ich hoffe, ein gewisser Zusammenhang ist nichtsdestotrotz noch erkennbar. Die Winnetou-Filme, haben wir sie als Kinder nicht alle geliebt und den strahlenden Apachen-Heroen und dessen blonden Hünen-Freund Shatterhand nur zu gern auf ihren politisch korrekten Abenteuern begleitet? Mit dem Älterwerden habe ich aber ein gewisses Kitsch-Problem mit diesen Western-Abenteuern aus meiner Jugend entwickelt. Doch – zum Glück gibt es „Old Shatterhand“ von Hugo Fregonese.

     

    Bereits während der Edgar Wallace-Ära gab es eine Konkurrenzsituation, Produzent Horst Wendlandt hatte sich bekanntlich alle Rechte an den in England spielenden Wallace-Romanen gesichert, was einen gewissen Unmut bei Artur Brauner hervorrief, der mit seiner CCC-Film ebenfalls vom Erfolg dieser Filmreihe profitieren wollte. Wir kennen alle den Bryan Edgar Wallace-Trick, und trotz einiger interessanter Filmbeiträge hat CCC den Kampf verloren, was den Erfolg beim Publikum betrifft. Dann folgten „Der Schatz im Silbersee“ (1962) und „Winnetou“ (1963) von Wendlandts Rialto-Film, und wieder gab es eine ähnliche Situation, denn Wendlandt hatte sich erneut ALLE Rechte für Karl Mays Westernromane gesichert. CCC brauchte also ein Drehbuch, das nicht auf einem May-Roman basierte sondern nur Motive und Hauptfiguren dieser Romane verwendete, und musste sich irgendwie der beiden wichtigsten Darsteller versichern, Lex Barker und Pierre Brice. Zu Barker hatte Brauner bereits Kontakt durch einen Mabuse-Film, Pierre Brice konnte er von Wendlandt ausleihen, indem er ihm im Gegenzug Elke Sommer überließ. Das Projekt entstand unter ziemlichem Zeitdruck. Erste Drehbuchentwürfe von Daniel Mainwaring und Ladislas Fodor wurden vom Verleih Constantin nicht akzeptiert, die auf eine hohe Verträglichkeit mit den übrigen Winnetou-Filmen bestanden. Erst am Drehort in Jugoslawien schuf Robert A. Stemmle aus vorhandenen Einzelszenen und Anregungen von Brauner und Fregonese eine finale Drehbuchversion. Ähnlicher Druck entstand zunächst auch bei dem Finden eines passenden Regisseurs. Brauner wollte zunächst einen US-regisseur verpflichten, doch Verhandlungen mit Henry Koster, George Sherman oder don Siegel verliefen ergebnislos und noch kurz vor Drehbeginn stand Brauner mit dem nahezu unbekannten Leopold Lahola da. Erst fünf Tage vor Beginn der Dreharbeiten machte man den gerade in Rom verweilenden Argentinier Hugo Fregonese ausfindig, kündigte Lahola und Fregonese unterschrieb. Noch später im selben Jahr drehte Hugo Fregonese für Brauner auch den Mabuse-Film „Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse“, ebenso mit Lex Barker.

     

    Genug geschwafelt. Warum soll „Old Shatterhand“ besser die Jahre überdauert haben als andere Winnetou-Filme? Das ist verdammt leicht zu beantworten. Trotz einigem Gemecker damaliger Kritiker in Bezug auf Hölzernheit ist genau das die Stärke des Films. Der Kitsch, der viele Winnetou-Filme heutzutage oft unsäglich erscheinen lässt, ist hier deutlich heruntergeschraubt. Das liegt zum einen an der Darstellung der Figur Winnetous, der hier einen Indianerhäuptling gibt, der auch mal unkompromisslos zupackt. Beispiele hierfür der Zweikampf mit dem Komantschenhäuptling oder eben der große Angriff auf das Fort gegen Ende. Und Gott, bin ich dankbar, nicht bei jeder Begegnung zwischen Winnetou und Old Shatterhand dieses unsäglich schmalzige musikalische Titelthema von Martin Böttcher hören zu müssen und diese „mein Bruder, dein Bruder“-Dialoge. Stattdessen hat „Old Shatterhand“ einen schönen Score von Riz Ortolani, von dem böse Zungen behaupten, er wäre ein klein wenig von einem großen amerikanischen Western abgekupfert. Was solls, ist mir egal. Ich liebe die Musik von „Old Shatterhand.“ Der Endkampf zwischen den Apachen und den Soldaten im Fort ist besonders spannend und dramatisch und mit vielen Statisten inszeniert, auch wenn es dabei landschaftlich und von den Schnittfolgen her ein paar für den Zuschauer deutlich sichtbare Diskrepanzen gibt. Zum Beispiel ist da plötzlich ein Fluss vor dem Fort, der in keiner anderen Szene da ist, sah wohl einfach schick aus, die Apachen durch das Wasser reiten zu lassen. Weitere Diskrepanzen bei den Kanonenschüssen, die schlagen nicht immer da ein, wohin die Kanonen gerichtet sind, aber was solls, sind ja gaaaanz alte Kanonen, die schießen auch schon mal um die Ecke.

     

    Überhaupt hat „Old Shatterhand“ eine ganz andere Grundstimmung. Erstmals in einem Winnetou-Film kann man als Zuschauer deutlich spüren, was wir ohnehin schon aus der amerikanischen Historie wissen: dass diese ganze Friedensvertrags-Geschichte zwischen Indianern und Weißen nicht gut enden wird. Interessante Gesichter auch unter den Darstellern, allen voran natürlich Daliah Lavi, die im ursprünglichen Drehbuchentwurf Winnetous Schwester spielen sollte, für die man aus rechtlichen Gründen dann aber eine völlig neue Rolle – die der Paloma – kreieren musste. Seltsamerweise wird aber ein Nebenschauplatz ihrer Geschichte nicht zuende erzählt, sondern einfach fallen gelassen, nämlich das Treffen mit ihrem Vater in der Stadt. Wir erfahren nicht, was daraus geworden ist. Da „Old Shatterhand“ aber ohnehin mit knapp zwei Stunden schon etwas länger ist, hat man dies womöglich auch aus Straffungsgründen beim Schnitt entfernt – oder einfach vergessen, wer weiß. Die Nacktszene (ja, es gibt Eine!) spielt sie nicht selbst, vielmehr ist als Body Double die damals 16-jährige Gordana Zeitz-Ceko zu sehen. In der Rolle des General Taylor sieht man Veteran Charles Fawcett, welcher seinen letzten Filmauftritt in Massimo Dallamanos „Annie Belle – zur Liebe geboren“ hatte. Guy Madison ist in gleich zwei Rollen zu sehen, als Schurke Captain Bradley und – unerkannt und uncredited – als indianischer Bogenschütze „Falkenauge“ beim Stadtfest, auf dem der kleine Tom getötet wird. In weiteren wichtigen Rollen sind Gustavo Rojo, Rik Battaglia und Joe D’Amato zu sehen. Gojko Mitic hat hier einen ersten – sehr kleinen – Auftritt in einem Winnetou-Film.

     

    Für Brauner rentierte sich dieser Ausflug in das Winnetou-Universum mit über 3 Millionen Kinobesuchern allein im ersten Jahr. Mit weiteren Karl May-Adaptionen wie den Mexiko-Filmen, den Kara Ben Nemsi-Abenteuern und „Winnetou und Old Shatterhand im Tal der Toten“ (1968) versuchte er später an diesen Erfolg anzuknüpfen.

     

    Noch ein abschließendes Wort zum Kitsch-Faktor. Neben der bereits erwähnten Winnetou/Shatterhand-Erkennungsmelodie, auf die dieser Film gottseidank verzichten darf, tut es der eher härteren Gangart gut, dass auch ein Eddie Arendt oder ein Chris Howland nicht dabei sind. Selbst Ralf Wolters Part als Sam Hawkens ist zurückhaltender und weniger albern angelegt. Und so bleibt als Fazit am Ende festzustellen, dass „Old Shatterhand“ zwar kein allzu typischer Beitrag der Winnetou-Filme ist, aber gerade deshalb den Zahn der Zeit deutlich besser überstanden hat.

  • Autor: Gerald Kuklinski
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    Kommentare (1)

    • Mike

      Mike

      13 Juli 2018 um 17:34 |
      Dem Review von Gerald Kuklinski kann ich absolut zustimmen. Der Film kommt ohne Kitsch aus, wirkt eher wie ein amerikanischer Western - was ich persönlich sehr gut finde. Die Titelmusik von Ortolani ist der Hammer, und wenn wirklich abgekupfert, dann übertrifft sie das Original! Was mir noch angenehm aufgefallen ist: Die beiden Blutsbrüder zeigen sich auch durchaus mal mit Schwächen bzw. wenig souverän, was das ganze glaubwürdiger wirken lässt: Shatterhand bedroht Bradley mit Revolver im Fort um dann zu sehen, dass dies aussichtslos ist, woraufhin er ihm seine Waffe aushändigt. Winnetou ist drauf und dran das Fort im Affekt und unvorbereitet anzugreifen, bis Shatterhand ihm widerspricht (!) und die Befreiung Tujungas zunächst alleine probiert. Was wiederum nicht funktioniert...das alles lässt das Dream Team wesentlich menschlicher wirken.
      Meine Kritik am Film: teils langatmig und nicht sehr dicht in der Handlung, hier bieten Winnetou 1&3 mehr Aktion in weniger Zeit.

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