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Der Nonnenspiegel

Frankreich | Deutschland | Italien, 1973

Originaltitel

Storia di una monaca di clausura

Alternativtitel

Une histoire du 17ème siècle (FRA)

Historia de una monja de clausura (ESP)

Unholy Convent (USA)

Diary of a Cloistered Nun

Story of a Cloistered Nun

Deutsche Erstaufführung

29. März 1974

Inhalt

Aus politischen Gründen wird die junge Camelia (Eleonora Giorgi) bereits kurz nach ihrer Geburt dem einjährigen Sohn einer befreundeten Adelsfamilie versprochen; aber es soll alles anders als geplant kommen. Als sie 17 Jahre alt ist, verweigert sie sich dem Plan der Eltern und brennt mit ihrem Geliebten Gulio (Antonio Falsi) durch, doch die beiden kommen nicht weit. Anschließend wird Camelia in ein Kloster gesteckt und für sie beginnt eine schwere Zeit für die junge Frau, da sie derartig harte Regeln nicht gewöhnt ist. Hinzu kommt, dass sie in das Schussfeld zweier rivalisierender Nonnen gerät. Sowohl die Mutter Oberin (Suzy Kendall) als auch Schwester Elisabeth (Catherine Spaak) wollen die hin- und hergerissene Camelia im Sumpf sexueller Ausschweifungen auf ihre Seite ziehen, doch schon bald will die Inquisition dem weltlichen Treiben ein demonstratives Ende setzen...

Autor

Prisma

Review

Regisseur Dominico Paolella inszenierte mit "Der Nonnenspiegel" einen Film, der seinerzeit in die Kategorie Populärthema fallen sollte. Dieser Vertreter entstand sehr zeitnah mit seinem Spielfilm "Die Nonne von Verona", der sich ebenfalls mit geheimen Machenschaften hinter Klostermauern beschäftigt. Im Fokus dieses Schauplatzes stehen drei vollkommen unterschiedliche Frauen, die sich abwechselnd auch im Zentrum der Macht positionieren, wenngleich der Begriff der Macht unterschiedliche Auslegungen erfährt. Eine der Frauen besitzt die Macht über ein komplettes Kloster, das sie nach ihren ganz eigenen Methoden zu führen versucht. Ihre Widersacherin ist bemüht, ihren Einfluss über bedeutende Lockerungen des strengen Klosteralltags auszubauen, sodass zwei Lager entstanden sind, die sich aktiv und passiv bekämpfen. Die dritte Frau im Bunde ist eine Novizin, der man auf den ersten Blick keinen Einfluss zuschreiben würde, wenn die beiden um Autorität kämpfenden Nonnen nicht um sie buhlen würden. Hierbei entstehen interessante Wechselspiele, die den Zuschauer über längere Distanzen verwirren können, da nicht auszumachen ist, welche der Frauen es möglicherweise ehrlich meint oder ein unschuldiges Opfer für ihr doppeltes Spiel sucht. Paolella bietet mithilfe der tatkräftigen Hauptdarstellerinnen einen vielschichtigen Beitrag an, der in unterschiedlichen Etappen für Brisanz zu sorgen weiß. Weltliche Zustände im Kloster tun das Übrige dazu, um das interessierte Publikum bei der Stange zu halten. Die Geburt zweier Kinder und eine pragmatische Allianz zweier Familien legt den Grundstein für diese Geschichte und stellt gleichzeitig die Weichen für den Schauplatz Vakuum beziehungsweise Kloster. Da die drei erwähnten weiblichen Hauptdarstellerinnen, bestehend aus Eleonora Giorgi, Suzy Kendall und Catherine Spaak, für ein ständiges Tauziehen sorgen, kann man sich auf niemanden bedingungslos verlassen.

 

Kendall und Spaak werden als erbitterte Kontrahentinnen integriert, die in der klösterlichen Hierarchie auf unterschiedlichen Stufen stehen, sich aber dennoch auf Augenhöhe treffen können, da sehr abweichende Wege eingeschlagen werden und und ihnen ungleiche Mittel zur Verfügung stehen. Hierbei führt der weltliche Weg dem Empfinden nach schneller zum anvisierten Ziel, doch die Absolution oder Schützenhilfe der Kirche bringt nachhaltigere Annehmlichkeiten mit sich, wobei unterm Strich unzählige Fallstricke zu finden sind, da jede der Frauen - egal welchen Ranges - von den Launen einer machtbesessenen Männerdynastie abhängig ist. Die Isolation hinter Klostermauern nimmt klaustrophobische Züge an, insbesondere wenn sich eine immer mehr zuspitzende Eigendynamik zu erkennen gibt. Skandale und Ausschweifungen nehmen überhand, was empfindliche Maßregelungen sowie Züchtigungsmaßnahmen der administrativen Stellen zufolge hat. Die zerstörerische Macht von Kirche und deren Würdenträgern entfaltet sich gleich zu Beginn des Films, indem am Schicksal und der Zukunft von bestimmten Personen manipuliert wird. Wie in vielen thematisch ähnlichen Beiträgen auch, wird das Dasein ausgewählter Charaktere sehr düster skizziert, und hier beginnt der Leidensweg einer zukünftigen Nonne, die sehr eingängig von der jungen Italienerin Eleonora Giorgi dargestellt wird. Von der eigenen Familie verschachert, hat sie einen regelrechten Kreuzweg zu gehen und landet in der wohl lukrativsten Erfindung der Kirche, nämlich der Hölle. Giorgi meistert ihre schwierige Rolle innerhalb widriger Umstände mit Leichtigkeit, indem sie sich klassischer Elemente bedient. Camelias Traurigkeit und Resignation wird nur durch einen natürlichen Überlebenswillen und der Hoffnung auf ein friedliches Ende gedeckelt. Als Zuschauer fühlt man mit ihr und sich gleichzeitig schockiert über die geschilderten Zustände in einem Kloster, das keine Loyalität untereinander fabriziert.

 

Die Britin Suzy Kendall und ihre aus Frankreich gebürtige Kollegin und Kontrahentin Catherine Spaak arbeiten gemessen an ihren Charakterdarstellungen sehr geschickt an widersprüchlichen Impressionen, um ihr unmittelbares Umfeld und das Publikum irritieren. Wem der beiden ist zu trauen; welche der Schwestern fungiert als Spitzel oder Lakaiin; wer würde im Zweifelsfall nicht zögern, die zur Verfügung stehende Macht zu missbrauchen beziehungsweise sie zu erlangen? Die Spannung der Geschichte definiert sich über derartig konspirative und über weite Strecken nebulös wirkende Machenschaften, die unterm Strich nur Terror, Nötigung und Züchtigung versprechen. Wenn die schwächsten Glieder dieser religiös geschmiedeten Kette brechen, ordnen sich die Mehrheits- und Machtverhältnisse neu, bis der Zeitpunkt naht, an dem die zumutbaren Grenzen überschritten werden. Die besonnen aber geheimnisvoll wirkende Suzy Kendall und Catherine Spaak, ausschweifend, kokettierend und leichtfertig aber ebenso vertrauenswürdig in ihrem Wesen, ebnen den internen Kriegsschauplatz und provozieren Positionierungen ihrer Mitschwestern. Als die Situation untragbar wird, kommt Konrad Georg ins Spiel, der einer der profiliertesten deutschen Interpreten war, und bereitet dem grassierenden Sodom und Gomorrha ein rapides Ende, indem er die skandalösen Zustände anprangert und empfindliche Restriktionen verhängt. Am Ende darf es unter Domenico Paolellas eher subtiler Regie noch zu willkommenen Überraschungen kommen, die allerdings nur einen Zwischenstopp in der langen Kette von Leid und Qual darstellen, bis es zum erwarteten, bitteren Finale kommen kann. Insgesamt versucht sich der "Der Nonnenspiegel" mit der vagen Aufarbeitung eines zu dieser Zeit gängigen Populärthemas und präsentiert sich mit Vorliebe als brüchiger Spiegel, der die Wahrheit nicht mehr komplett reflektiert bekommt. Als ruhiger Vertreter seiner Zunft ist dieser Beitrag im Großen und Ganzen jedoch recht gelungen.

Autor

Prisma

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