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Die Nonne von Verona

Frankreich | Italien, 1973

Originaltitel

Le monache di Sant'Arcangelo

Alternativtitel

Escándalo en el convento (ESP)

Les religieuses du Saint Archange (FRA)

Innocents from Hell

Sisters of Satan

The Nun and the Devil

The Nuns of Saint Archangel

Deutsche Erstaufführung

19. September 1975

Inhalt

In einem Kloster entfacht sich nach dem Ableben der Äbtissin ein unerbittlicher Machtkampf um deren Nachfolge, denn gleich mehrere Schwestern erheben einen Anspruch auf diesen begehrten Posten. Trotz der nervösen Unruhe scheinen die Zeiten der Nächstenliebe allerdings noch nicht vorbei zu sein, da sich hinter den abgeschotteten Klostermauern auch überaus weltliche Dinge in Form von Herren- und Damenbesuchen abspielen. Schwester Giulia (Anne Heywood) beansprucht die Führung des Klosters, doch zunächst übernimmt Schwester Lavinia (Maria Cumani Quasimodo) die Leitung als Rangälteste. Als diese erkrankt, machen sich erneut die anderen Widersacherinnen bemerkbar und es kommt zu Intrigen, Verrat, Profitgier und einem Mordkomplott, welches die Inquisiton hellhörig werden lässt...

Autor

Prisma

Review

Im Laufe der Jahrzehnte beschäftigten sich zahlreiche Regisseure mit der Abhandlung von teils überlieferten, aber auch frei interpretierten Geschichten rund um Geschehnisse hinter Klostermauern und der kritischen oder reißerischen Auseinandersetzung mit der Rolle der Kirche. Filmemacher Domenico Paolella drehte in kurzen Abständen zwei Beiträge, die sich intensiv mit dieser einschlägigen Thematik beschäftigen sollten, sodass 1973 neben diesem anschaulichem Beitrag noch "Der Nonnenspiegel" entstehen sollte. "Die Nonne von Verona" präsentiert sich bereits nach kurzer Spieldauer als sehr solider und ernsthaft angelegter Beitrag, in dem man beinahe vergeblich nach Orgien oder graphischen Veranschaulichungen rund um die Folter suchen wird. Vielmehr empfiehlt sich der Verlauf über eine geradlinige Abhandlung mit sehr eindringlichen Sequenzen, die sich nicht selten über die vergleichsweise dichteren Charakterzeichnungen definieren. Ein unerbittlicher Machtkampf in einem Konvent, und daraus resultierende, überaus weltliche Intrigen, liefert den ergiebigen Treibstoff für diese Geschichte. Interessanterweise werden diese isolierten Machtstrukturen von männlich-weiblichen Hierarchieverhältnissen gedeckelt, sodass das hier lange veranschaulichte Vakuum der limitierten Dominanz hinter Klostermauern über dogmatische Strukturen innerhalb der Kirche aufgebrochen wird. In Paolellas Film wird es daher beinahe durchgehend scheinheilig zugehen, damit der Missbrauch an Leib und Seele Gestalt annehmen darf.

 

Wie bereits in dem vier Jahre Zuvor entstandenen "Die Nonne von Monza" ist die Britin Anne Heywood in der Titelrolle zu sehen, was sich jeweils als Glücksgriff herausstellt, da sie dass negativ reflektierte Thema aufgrund ihrer teils leidenschaftlichen Leistung überaus positiv prägen kann. Schwester Giulia erhebt nach dem Ableben der Äbtissin ganz selbstverständlich Machtansprüche und scheut sich nicht, dem Schicksal hier und da etwas nachzuhelfen. Die Wahl der Methoden erweist sich dabei jenseits von Gut und Böse, sodass das Bilden von Fraktionen unter den Nonnen nicht ausbleiben wird, immerhin spekuliert nicht nur Giulia auf den in den Deckmantel des Glaubens gehüllten Posten. Anne Heywoods Darbietung erweist sich hierbei als besonders stichhaltig und über weite Strecken intensiv, da sie mit allerlei Finessen ausgestattet werden konnte. Auf der Agenda stehen nicht nur ihr Plan und uneingeschränkte Führungsansprüche, sondern auch ihr teilweise unsentimentales Vorgehen mit einigen Mitschwestern, deren Wille und Widerstand es zu brechen gilt. Angedeutet werden verbotene Liebschaften untereinander und vergiftete Allianzen, sodass ein durchgehend gutes Tempo zum Vorschein kommt, das den Verlauf immerfort interessant wirken lässt. In diesem Zusammenhang bekommt man als Zuschauer immer wieder ein paar deutlichere Andeutungen im Bereich der Exposition geboten, wobei sich der Grundtenor der Geschichte eher zahm gibt, und sich im Großen und Ganzen eher zurückhält.

 

Die dramaturgische Stärke der Geschichte ergibt sich aus der Tatsache, dass die eigentlich vorbelastete Titelfigur bei den Sympathieträgerinnen auszumachen ist, da sie inszenatorisch und moralisch gesehen über Personen des Klerus gestellt wird, deren Willkür und Doppelmoral man nicht nur angeprangert, sondern teilweise auch unerträglich dargestellt wird. Hier zu erwähnen sind gut aufgelegte Darsteller wie Luc Merenda oder Claudio Gora, deren Machtfundament nicht von ungefähr zu kommen scheint. Was sie im Endeffekt als Wille des Allmächtigen verkaufen wollen, ist nichts anderes als fundamentaler Bestandteil der Machtsicherung einer rücksichtslos agierenden Männerdomäne, die offensichtlich schon unzählige, vor allem im Sinne der Anklage unschuldige Geschöpfe durch die Hölle geschickt hat, um sie genau vor jener zu bewahren. Über dem Szenario schwebt daher eine angemessene Tragik, und wenn man so will auch Dramatik, die durch die ohnehin bestehende Brisanz immer wieder forciert wird. Die Geschichte ist aufgrund der Vorherrschaft der Darstellerinnen mit Temperament und Anmut aufgeladen, und in diesem Zusammenhang fallen insbesondere Darstellerinnen wie eine makellos schön wirkende Ornella Muti oder eine punktgenau aufspielende Martine Brochard auf. Am Ende wird sich schließlich zeigen, ob die Katastrophe tatsächlich eintrifft, auf die man dem Empfinden nach den kompletten Verlauf über gewartet hat, und es bleibt sogar Raum für einige nachdenkliche Tendenzen, die sich innerhalb der stark inszenierten Geschichte sehr gut platzieren.

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Prisma

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