Suchen

Nightmare Beach

Italien | Vereinigte Staaten, 1989

  • Originaltitel: Welcome to Spring Break
  • Alternativtitel:

    Playa mortal (ARG)

    A Praia do Pesadelo (BRA)

    Pesadilla en la playa (ESP)

    Nightmare Beach - La spiaggia del terrore (ITA)

    Spring Break

  • Regisseur: Umberto Lenzi, James Justice
  • Kamera: Antonio Climati
  • Musik: Claudio Simonetti
  • Drehbuch: Umberto Lenzi, Vittorio Rambaldi, James Justice
  • Inhalt:

    Diablo, der Boss der Bikergang Demons, wird für den Mord an einer jungen Frau auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Doch er beteuert der lebenden Schwester seines Opfers Gail (Sarah Buxton) unschuldig gewesen zu sein und von den Toten zurückzukehren, um sich an denen, die ihn geleimt haben, zu rächen. Ein Jahr später ist Spring Break, und es zieht die beiden jungen College-Footballer Skip (Nicolas de Toth) und Ronnie (Rawley Valverde) nach Palm Springs. Schon am ersten tag geraten sie mit den Bikern der Demons aneinander. Als Ronnie plötzlich spurlos verschwindet, will Skip seinen Freund finden und erhält dabei unerwartete Hilfe von Gail. Plötzlich treibt ein motorisierter Killer in Schwarz sein Unwesen auf einem zum elektrischen Stuhl umfunktionierten Motorra, und Diablo scheint tatsächlich unschuldig des Mordes an Gails Schwester gewesen zu sein. Ist es der untote Rocker, der sich am örtlichen Sheriff Strycher (John Saxon) rächen will? Doch warum tötet er dann vor allem promiskuitive junge Mädchen? Und welche Rolle spielen dabei der Bürgermeister und der saufende Arzt Doc Willet (Michael Parks), welcher vom Bürgermeister wegen seiner Vorliebe für junge Männer erpresst wird?

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Ich fange mal ganz provokant an: „Nightmare Beach“ ist ein Giallo. Ja, er spielt zwar in Palm Springs, ist von 1989 und durchweg mit Amerikanern besetzt, aber es ist ein Giallo – mit Slasher-Motiven. Aber da das Slasher-Genre nicht unerheblich vom Giallo beeinflusst ist, und hier Umberto Lenzi Regie führte, nenne ich es einen Giallo, und das gleich vier Mal (jetzt fünf Mal) im ersten Absatz.

     

    Regisseure sind mit den Endergebnissen ihrer Filme mal mehr und mal weniger zufrieden. Manchmal ist es ihnen gar egal, sie nehmen ihre Gage und fahren wieder heim. Und manchmal lügen sie. Lenzi ist da bezüglich seines Gesamtwerkes der späten Achtziger und frühen Neunziger keineswegs eine Ausnahme. Noch 1996 erzählte er in einem Interview, er habe „Nightmare Beach“ gar nicht wirklich gedreht. Die Regie habe Drehbuchautor James Justice alias Harry Kirkpatrick gehabt. Er selbst habe wegen Streitigkeiten mit dem US-Produzenten das Set verlassen wollen, und eben jener Produzent habe Justice/Kirkpatrick die Regie übertragen. Letzterer habe ihn – Lenzi – überredet, ihm wenigstens als technischer Berater zur Seite zu stehen, und bis zum Abschluss der Dreharbeiten zu bleiben. Mit den Jahren änderten sich allerdings einige von Lenzis Erzählungen bezüglich mehrerer seiner Spätwerke, bei denen er – aus Unzufriedenheit über Budgets, Nachbearbeitung, Vertonung, usw. – nicht selten seinen Einfluss herunterspielte.

     

    Und so erzählte er 2016 – etwa ein Jahr bevor er verstarb – eine andere Geschichte. Zwei Filme wurden ihm von Salvatore Alabiso (der während seines Lebens sehr viele Filme produzierte, unter anderem Lenzis Western, aber nur selten gecredited wurde) angeboten. Lenzi erhielt zwei Drehbücher, die Alabiso zusammen mit amerikanischen Produzenten realisieren wollte, eines davon schlecht, das andere extrem schlecht. Lenzi entschied sich für Ersteres, da es ihn zumindest inhaltlich interessierte und schrieb es um. Doch es kam anders. In den USA angekommen, erfuhr er, dass Vittorio Rambaldi (Carlo Rambaldis Sohn) diesen Film inszenieren würde, aus dem schließlich „Animal Rage“ (Primal Rage/Rage - Furia primitiva, 1988) wurde. Und so blieb Lenzi dann doch nur die Regie des Slashers um einen Motorrad-Killer mit fahrbarem elektrischen Stuhl und nicht viel Zeit für inhaltliche Änderungen. Vor allem mit der Identität des Killers hatte er seine Problemchen, da er diese Auflösung bereits in einem seiner früheren Filme hatte.

     

    Doch was war mit der Kirkpatrick-Geschichte? Die klang 2016 so: Kirkpatrick/Justice habe er ein paar Mal getroffen, der habe im Wesentlichen nur die englischsprachigen Dialoge verfasst. Man überließ ihm den Regie-Credit, weil Lenzi diesen nicht wollte. Lenzi hat den Film komplett gedreht aber nicht an der Postproduktion mitgewirkt. Das bestätigt auch Komponist Claudio Simonetti, der Umberto Lenzi nie begegnet ist. Trotz unterschiedlicher Jahresangaben müssen Rambaldis „Animal Rage“ und „Nightmare Beach“ nahezu zeitgleich bzw. unmittelbar hintereinander entstanden sein. Beide Filme teilen sich ein paar Credits, etwa die weibliche Hauptdarstellerin Sarah Buxton, Kameramann Antonio Climati, Musik von Claudio Simonetti und die Special Effects von Alex und Vittorio Rambaldi.

     

    Doch abseits meines üblichen auschweifenden Credit-Geschwafels, wie gefiel mir „Nightmare Beach“ denn so? Beim ersten Ansehen vor etwa 10 Jahren empfand ich ihn noch als mittlere Katastrophe. Heute, nach Sichtung der Blu-ray von 88 Films, kann ich ihm eine starke Unterhaltsamkeit nicht absprechen. Mal abgesehen von der doofen Grundidee eines Elektrischer-Stuhl-Motorrads und der unglaubwürdigen Auflösung war das Drehbuch keineswegs schlecht. Die mehr oder weniger jungen Darsteller können das zwar nicht immer gekonnt umsetzen, aber es gibt viele interessante Aspekte und sogar ein paar Running Gags, etwa den Taschendieb, den Scherzkeks, die Hotelnutte. Man hätte diese dünne Gesamtgeschichte viel schlechter schreiben und inszenieren können. Dass gelegentlich gewisse Giallo-Verbindungen erkennbar sind – trotz dieser sehr amerikanisch anmutenden Inszenierungsweise – ist unverkennbar Lenzis Handschrift.

     

    Fazit: „Nightmare Beach“ langweilt keineswegs, wenn man ihn denn in vernünftiger Bild- und Tonqualität zu sehen bekommt. Auf der 88 Films Blu-ray kann man zudem zwischen Vollbild oder Widescreen sowie englischem und italienischem Ton (mit Ut.) wechseln. Wer möchte, darf natürlich gerne über bekloppte Frisuren, Synthie-Pop-Gedudel oder Machos auf Mädchenjagd lächeln, die sich im wahren Leben wohl eher nicht für Mädchen interessieren. Professionelles Schauspiel bekommt man zumindest von John Saxon als fiesem Sheriff Strycher (Gesprochen „Stryker“, nicht Stricher) und Michael Parks geboten, wobei Lenzi Letzteren wohl nicht so mochte, jedenfalls nicht als Person, lediglich als Darsteller.

     

    Zum Schluss noch eine kleine IMDb-Info: Hauptdarsteller Nicolas De Toth ist tatsächlich der Sohn von Regisseur André de Toth, Anfang der 60er in Rom geboren. Nach einer sehr kurzen Schauspielkarriere war er vor allem als Editor tätig, unter anderem bei Terminator 3 (2003), Stirb Langsam 4.0 (2007), Stoker (2013) und The Commuter (2018).

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

    OFDb
    IMDb

    Bitte Kommentar schreiben

    Sie kommentieren als Gast.