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Mord Exklusiv

Italien, 1972

  • Originaltitel: Terza ipotesi su un caso di perfetta strategia criminale
  • Alternativtitel:

    A Máfia Sempre Mata! (BRA)

    Perfecta estrategia criminal (ESP)

    Who Killed the Prosecutor and Why?

    Mord exclusiv

  • Regisseur: Giuseppe Vari
  • Kamera: Franco Villa
  • Musik: Mario Bertolazzi
  • Drehbuch: Thomas Lang
  • Inhalt:

    Der Fotograf, Carlo, wird während eines Strandbummels mit seiner Freundin, Olga, Zeuge eines Verbrechens, denn zwei Männer platzieren in einem Auto eine Leiche, um einen Unfall vorzutäuschen. Da Carlo ein pfiffiger Bursche ist, fotografiert er den Tathergang und sucht anschließend seinen Freund, Onkel Fifi, auf, um dessen Meinung zu den Fotografien zu erkunden. Währenddessen kommt man auf den gemeinsamen Nenner, dass sich mit den Fotos viel Geld verdienen lässt. Folglich bietet Carlo diese der Mafia (denen die gewünschte Geldsumme allerdings deutlich zu hoch ist) sowie später der Presse an. Doch mit deren Bereitschaft die Summe zu zahlen, um die Fotografien anschließend publik zu machen, wird ein unbekannter Killer auf den Plan gerufen, der…

  • Autor: Frank Faltin
  • Review:

    Mario Bertolazzis Auftaktmusik lässt sich als ein Klangkonstrukt bezeichnen, welches an diverse Musikkompositionen des französischen Thrillers erinnert und in ein Easy Listening-Thema mündet. Verfeinert mit einem Frauengesang wie man ihn aus diversen Giallo-Leitmotiven kennt. Somit habe ich auch gleich eine Brücke für den Esel geschlagen, über die das Grautier erfolgreich schleichen und meine Wenigkeit mehr oder weniger gelenk mitteilen kann, dass es sich bei „Mord Exklusiv“ um keinen „reinen“ Giallo-Thriller handelt, sondern um einen Kriminalfilm, der mit einigen Giallo-Ingredienzien (schwarze Handschuhe, unbekannter Killer et cetera) geschmückt ist.  

     

    Mit einer Supertotalen liefert der Kameramann, Franco Villa, dem Zuschauer auch postwendend einen hervorragenden Eintritt in Giuseppe Varis 1972er Vehikel. In den Weiten eines Sandstrands lassen sich zwei Personen ausmachen, die in Richtung Kamera laufen und sich kurze Zeit später als zwei der Filmhauptcharaktere, Carlo und Olga, vorstellen. Carlo ist Berufsfotograf und beglückt während umrissener Anfangseinstellungen die Linse seiner Kamera mit dem Eros seiner Freundin. Doch ein Zufall unterbricht den entspannten Nachmittag, denn das Pärchen wird Zeuge eines Verbrechens, welches Carlo fotografisch dokumentiert.

     

    Da uns das fotografierte Opfer jedoch vorerst nicht bekannt ist, und der Grund für die Tat bis zur finalen Aufklärung im Verborgenen bleibt, rückt konsquenterweise die Aufhellung eines Geheimnisses in den Fokus. Dem Zuschauer wird somit die Dechiffrierung eines Rätsels auferlegt, dessen Grundkonstruktion etwas an „Blow-Up“ erinnert. Dieser anfängliche Eindruck schmälert sich deutlich im weiteren Filmverlauf, da „Mord Exklusiv“ den Fotografen und seine Arbeit nicht in den Mittelpunkt rückt und erst recht nicht auf ein Verschmelzen von Illusion und Realität setzt, allerdings - wie es auch bei „Blow-Up“ der Fall ist - Fotografien, aus denen sich ein Mord lesen lässt, als den Ausgangspunkt für den folgenden Handlungsablauf (die Aufhellung eines erklärlichen Verbrechens) definiert und einhergehend den Zuschauer mit der Suche nach Motivation und Urheber beauftragt.

     

    Der Fotograf, Carlo, denkt hingegen weniger an die Aufklärung des Mords und will stattdessen das von ihm fotografierte Verbrechen in bares Geld umwandeln. Somit führt sein erster Weg auch nicht zur Polizei (Eieiei), sondern zu seinem Freund, Fifi, dessen Kontakte zur Mafia der Fotograf hinsichtlich seiner geplanten finanziellen Bereicherung nutzen will. Natürlich ist deren Oberhaupt, Don Salvatore Aniello, nicht blöd und erst recht nicht bereit eine astronomische Summe zu zahlen. Die Fotos wie dessen Negative bleiben allerdings ein begehrtes Objekt, welches Carlo und die Menschen in seinem näheren Umfeld fortan in Lebensgefahr manövriert. Demzufolge wird sehr früh ein Punkt gesetzt, der dem Zuschauer ein plausibles (da die Exposition eine Beziehung zwischen dem Opfer, dem Verdächtigen und dem Mafioso darlegt) Indiz liefert, dass ihm (dem Zuschauer) ein simples Ursache und Wirkung Prinzip offeriert, welches sich allerdings (selbsterklärend) ein Türchen offen lässt, um zum red herring zu transformieren, der den Zuschauer in die falsche Richtung lotst.

     

    Dieses früh thematisierte whodunnit-Schema mag allerdings nicht fortwährend zünden, denn Spannung kommt erst im letzten Drittel zur Entfaltung. Dabei bedient sich der Film unter anderem an den klassischen Bestandteilen des Thrillers wie Angst und Hilflosigkeit, welche dem Charakter, Olga, zugeschustert werden. Beba Loncar fühlt sich in dieser Opferrolle sichtlich wohl, womit sie den weiteren eher verhalten agierenden Protagonisten einen deutlichen Vorteil besitzt. Adolfo Celi (hier als Commissario Vezzi unterwegs) habe ich nämlich schon bedeutend besser erlebt.

     

    Daraus lässt sich bereits lesen, dass es der Inszenierung nicht so recht gelingen mag, dem Zuschauer ein erfolgreiches Identifikationsangebot zu offerieren. Der schmierige und geldgeile Fotograf, Carlo, bietet zwar die größte Projektionsfläche, um als Reflektorfigur zu dienen, aber die Identifikation funktioniert nur bedingt, da er (Carlo) der Verbrechensaufklärung mit geringer Dominanz entgegentritt und seine eigentliche Ambition, die finanzielle Bereicherung, natürlich nicht akzeptabel ist.

     

    Schlussendlich muss allerdings auch er einsehen, dass seine Taktik (aus einer Straftat Kapital zu schlagen) der falsche Weg war, denn anstatt Reichtum hat Carlo nur Verlust erlitten. Infolgedessen bleibt zu hoffen, dass er für sein weiteres Leben gelernt hat, um fortan zu etwas Besserem reifen, denn Homer ließ seinen tapferen Krieger, Ajax, schließlich nicht grundlos sagen „Da, wo Männer sich schämen, werden mehr gerettet als getötet.“

     

    Fazit: Trotz einiger Defizite bleibt unter dem Strich ein ordentlicher und gut fotografierter Kriminalfilm, der zeitweise mit den Ingredienzien des Giallo-Thrillers spielt. Wer sich damit abfinden respektive anfreunden kann, der sollte dem Film (s)eine Chance geben.

  • Autor: Frank Faltin
  • Links

    OFDb
    IMDb

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