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Der Mörder mit dem Seidenschal

Deutschland | Italien, 1966

Originaltitel

Der Mörder mit dem Seidenschal

Alternativtitel

The Killer with the Silk Scarf (USA)

The Murderer with the Silk Scarf

Fessel der Angst

Deutsche Erstaufführung

06. Mai 1966

Regisseur

Adrian Hoven

Drehbuch

Adrian Hoven

Inhalt

Die Barsängerin Prisca Sampton (Helga Liné) wird tot in ihrer Wiener Wohnung aufgefunden. Wenig später berichtet die Presse von dem Fall und der Tatsache, dass es eine Zeugin für den Mord gegeben haben soll. Samptons Tochter Claudia (Susanne Uhlen) hat den Mord durch den Briefchlitz der Tür beobachten können, was den Mörder in eine nervöse Lage bringt. Um das Mädchen zu schützen, soll sie von der Polizei in einer Pflegefamilie untergebracht werden, doch der Mörder lauert Claudia auf, die nur knapp einem Unglück entkommen kann. Fortan entwickelt sich ein Wettlauf auf Leben und Tod, dem die Polizei stets nachzuhinken scheint. Polizeirat Moll (Folco Lulli) und Oberinspektor Fischer (Harald Juhnke) versuchen die Zeugin aus dem Visier des Mörders zu bringen, bis es zu einem Showdown kommt...

Autor

Prisma

Review

Der erfolgreiche Schauspieler Adrian Hoven legte mit seinem Spielfilmdebüt "Der Mörder mit dem Seidenschal" den Grundstein für eine Reihe von Filmen, in denen er selbst als Produzent, Regisseur und Drehbuchautor in Erscheinung treten sollte. Diese Produktionen entstanden hauptsächlich in Zusammenarbeit mit dem berüchtigten italienischen Playboy und Siemens-Erben Pier A. Caminneci, mit dem er 1965 die eigene Produktionsfirma Aquila Film Enterprises gründete. Dieser psychologisch angehauchte Thriller basiert auf dem Kriminalroman "Der Mörder und das Kind" von Thea Tauentzien und konnte keine nennenswerten Erfolge an den Kinokassen verbuchen, obwohl sich die eingeschlagene Marschrichtung von vielen ähnlich gelagerten Kriminalfilmen dieser Zeit unterscheidet. Die Übersättigung des Marktes ließ allerdings keine großen Überraschungs-Coups mehr zu, sodass "Der Mörder mit dem Seidenschal" heute vielleicht eher als angenehme Alternative in Erinnerung geblieben ist. Zunächst bleibt zu erwähnen, dass sich der Film mit einer sehr brisanten Thematik beschäftigt, die allerdings im Rahmen der Ausarbeitung etwas zu herkömmlich abgehandelt wirkt; immerhin geht es um den potentiellen Mord an einer erst zehnjährigen Zeugin. Die diesbezügliche Hetzjagd offeriert dennoch sehr rasante und spannende Züge, obwohl von Anfang an klar ist, bei wem es sich um den Mörder der Mutter des Kindes handelt. Bereits hier lässt sich ein natürliches Gespür des Regisseurs erkennen, die Publikumswirksamkeit zu bedienen, was sich in den folgenden Jahren noch mehr herauskristallisieren sollte. Adrian Hoven inszeniert nicht uninteressant und hält sich dabei an die bestehenden Gesetze des Kriminalfilms, jedoch nicht ohne sich an begrüßenswerten Variationen zu orientieren. Die Struktur der Geschichte zielt somit weniger auf Überraschungsmomente ab, als auf handelsübliche Thriller-Elemente, die hier sehr prominent in Erscheinung treten.

 

Ein Mädchen beobachtet den Mord an seiner Mutter durch den Briefkastenschlitz und landet zusehends in einem Alptraum, da der Täter es plötzlich auch auf sie abgesehen hat, da sie ihn identifizieren kann. Es Folgt eine breit angelegte Flucht und die dazu gehörende Jagd, die den kompletten Film beherrschen wird. Wenn man auf das Spielfilmdebüt zu sprechen kommt, muss hier nicht nur der österreichische Regisseur genannt werden, sondern auch die damals erst zehnjährige Susanne Uhlen, die in ihrem ersten Film gleich mit der Hauptrolle betraut wurde, wenngleich sie zugunsten der arrivierten Stars etwas weit in den Credits nach hinten gereicht wurde. Die Tochter der bekannten Schauspielerin Gisela Uhlen, die in derartig gestrickten Kriminalfilmen immer ein gerne gebuchter Gast war, überzeugt im Rahmen der Emotionspalette in dieser letztlich gar nicht so simplen Anforderung. Gerade die Projektionsfläche Kind sorgt naturgemäß für Hochspannung und bestürzende Momente, die Adrian Hoven allerdings nicht exzessiv auszukosten versucht. Schockmomente werden somit eher auf hypothetischer Basis zu finden sein, da Verfolgung und Vorsatz nicht bis zum Äußersten getrieben werden. Susanne Uhlen überrascht naturgemäß mit einer unverbrauchten und beinahe unvoreingenommenen Leistung und animiert den Zuschauer zum Mitfiebern und Hoffen, dass doch alles gut ausgehen möge. Carl Möhner arbeitet hingegen mit Nachdruck daran, diese Eindrücke zunichte zu machen und es geht eine besondere Aggressivität von ihm aus, bei der es stets zur Debatte stehen will, ob nicht auch eine neue Ebene der Brutalität hinzukommen wird. Die Gegner oder Retter in der Not arbeiten mit Hochdruck daran, das Mädchen vor den Klauen des Mörders zu bewahren, allerdings kommen ihnen die unübersichtlichen Weiten der Stadt erschwerend in die Quere, sodass sich die Hetzjagd über den kompletten Verlauf spannend aufrecht erhalten kann.

 

Die passenden Gesichter auf Seiten der Polizei liefern Folco Lulli, der mit väterlich wirkenden und besonnenen Ansätzen punkten kann, das Schwergewicht Ady Berber, der die Premiere des Films leider nicht mehr miterleben sollte, und Harald Juhnke, der die Szenerie mit seinen ganz grundeigenen Mitteln aufzulockern zu versucht. Es ist interessant, dass die Regie weitgehend auf Elemente des obligatorischen Humors verzichtet, um die ernste Lage nicht ungünstig aufzuweichen. Dies kommt sehr gut an und in diesem Zusammenhang finden sich weitere Helfershelfer, die tatkräftig bei der Kreation Angst und Schrecken mithelfen, wie beispielsweise Helga Liné als attraktives Mordopfer, Sonja Romanoff als Ganovenliebchen, oder Regisseur Adrian Hoven selbst, dem man das Kleinganoventum besonders gut abkaufen wird. Viele strukturelle und inszenatorische Modifikationen machen "Der Mörder mit dem Seidenschal" zu einem gut ausbalancierten Reißer, der seine Ambitionen nicht nur offen zur Schau stellt, sondern diese auch umsetzen kann. Besonders hochwertige Bilder liefert das unbestechliche Auge der Kamera, die mit Winkelspielen und sehr gelungenen, teils unorthodoxen Einstellungen experimentiert. Im Endeffekt ist und bleibt es jedoch der prominent inszenierte Aufhänger Susanne Uhlen, der den Verlauf zielführend bestimmt. Ihre Leistung ist für eine Debütantin mehr als gelungen zu bezeichnen und durch ihr mit Angst erfülltes Wesen können sich immer wieder starke Spannungszustände beim Publikum aufbauen. Das Finale verläuft trotz aller Rasanz und spektakulärer Bebilderung vielleicht etwas zu reibungslos, doch die Produktion stellt insgesamt zufrieden. Adrian Hovens Erstlingswerk kann unterm Strich durchaus als gelungen und vor allem unterhaltsam bezeichnet werden. Als Alternative zu bekannten Krimi-Formaten kann "Der Mörder mit dem Seidenschal" die Konkurrenz zwar nicht ausstechen, sich aber zumindest im guten Mittelfeld etablieren.

Autor

Prisma

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