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Mit Damenbedienung

Frankreich | Italien, 1962

  • Originaltitel: Le massaggiatrici
  • Alternativtitel:

    Les faux jetons (FRA)

    Las masajistas (MEX)

    The Masseuses

  • Deutsche Erstaufführung: 19. Juli 1963
  • Regisseur: Lucio Fulci
  • Kamera: Guglielmo Mancori
  • Musik: Coriolano Gori
  • Drehbuch: Oreste Biancoli, Italo De Tuddo, Vittorio De Tuddo, Antoinette Pellevant
  • Inhalt:

    Die Ingenieure Parodi und Manzini (Ernesto Calindri und Luigi Pavese) aus Mailand sind in Rom, um den lukrativen Auftrag für den Bau eines Freizeitheims für junge Mädchen an Land zu ziehen. Hierfür müssen sie den christdemokratischen Präsidenten und Vereinsvorsitzenden Paoloni überzeugen, dessen Sekretär Bellini (Philippe Noiret) für die Abschlussmodalitäten verantwortlich ist. Doch so weit ist es noch nicht, denn vor Abschluss des Vertrages ist noch etwas Zeit. Paoloni und Parodi wollen sich diese Freistunden mit „Masseusen“ – also Prostituierten – vertreiben, aber da jeder den anderen für einen sauberen Geschäftsmann hält, darf keiner vom anderen wissen. Ingenieur Manzini dagegen ist erkältet und will im Hotel bleiben, welches ihm eine Masseuse empfiehlt. Manzini willigt ein, in der Annahme, man würde ihm eine richtige Masseuse schicken – ein Trugschluss. Und so kommen die drei Prostituierten Marisa, Iris und Milena (Sylva Koscina, Cristina Gaioni und Valeria Fabrici) ins Geschehen, die nach einem finanziellen Rückschlag für ein eigenes Haus sparen. Als Paoloni die Ehefrau des Ingenieurs Parodi kennen lernen will, wittern die Mädels ihre Chance. Marisa bietet an, sich als Ehefrau von Parodi auszugeben, und der willigt ein. Als dann noch seine echte Frau auftaucht, scheint das Chaos perfekt, doch der Schein trügt – es kommt noch viel schlimmer.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Review:

    Die Anfänge Lucio Fulcis sind sowohl von der Komödie als auch vom musikalischen Lustspiel geprägt. Er schrieb zahlreiche Drehbücher für den Komiker Totò alias Antonio Griffo Focas Flavio Angelo Ducas Comneno De Curtis di Bisanzio, und auch Fulcis erste Regiearbeit „Jeder Dieb braucht ein Alibi“ (I ladri, 1959) hatte Totò in der Hauptrolle – leider ein eher misslungener Film. Überhaupt sind Fulcis erste Regiearbeiten durchwachsen, neben ein paar Fehlschlägen finden sich aber auch ein paar Glanzlichter. Neben den zwei Episodenfilmen „Gli imbroglioni“ (1963), „I maniaci“ (1964) und dem Franco é Ciccio-Film „Wir, die Trottel vom Geheimdienst“ (002 agenti segretissimi, 1964) gehört zu den Highlights unbedingt „Mit Damenbedienung.“

     

    Das Drehbuch zu „Le massagiatrici“ schrieb Fulci nicht selbst. Unter den vier genannten Namen dürfte der Hauptteil wohl Oreste Biancoli zu verdanken sein, der Name von Antoinette Pellevant durfte gar nur finanziellen Gründen geschuldet sein, da es bekanntlich bei Co-Produktionen Subventionen gab, wenn die Namensnennungen halbwegs ausgewogen waren – was hier eigentlich nicht der Fall ist, denn es sind nur wenige französische Namen im Spiel. Egal. Es ist ein freches, kleines Drehbuch. Immerhin schreiben wir das Jahr 1962, es ist noch ein s/w-Film und es geht hinter- und vordergründig um Prostituierte und ihre Kunden. Auch an zeitlichen Bezügen fehlt es nicht, so zitiert eine der Damen recht korrekt das „Merlin-Gesetz“ (Legge Merlin), es fällt der Name des aktuellen Staatssekretärs der Italienischen Liberalen Partei Giovanni Francesco Malagodi, und der sich so auffallend für das Wohl junger Mädchen interessierende Paoloni wird explizit als Christdemokrat bezeichnet, welche zum Drehzeitpunkt die Regierung unter dem Ministerpräsidenten Amintore Fanfani stellten, der als extrem konservativ galt. Aber Fulci blickt freilich hinter die Fassade, war nie darauf aus, sich in der Politik Freunde zu machen.

     

    Und so wurde „Mit Damenbedienung“ zu einer zeitgenössischen Burleske, die sich verschiedenster Techniken der Komik bedient. Neben den zu erwartenden komischen Situationen, die sich aus den handlungsbedingten Verwicklungen ergeben, kann der Film mit zugleich glaubwürdigen wie skurrilen Charakteren aufwarten, für die der Zuschauer auch etwas zu empfinden vermag. Besonders herzergreifend gelingt hierbei Cristina Gaioni ihre Rolle der etwas einfältigen Iris. Einige Szenen funktionieren auch wie eigenständige Sketche. Hier sei besonders der Irrtum erwähnt, der Parodi zu einer richtigen Masseuse (einer Nachbarin der Prostituierten) und deren Ehemann – dem Professore (Nino Taranti) - führt. In der Annahme, er würde gleich „bedient“, kommt es zu einem wirklich schenkelklopfenden Dialog zwischen Parodi und dem Professore. Natürlich dürfen auch Franco und Ciccio in einem Gastauftritt nicht fehlen. Sie dürfen für noch mehr Verwicklungen sorgen als all die zahlreichen Protagonisten des Films es schließlich mit der Beseitigung einer Leiche zu tun bekommen.

     

    Philippe Noiret hat eine gelungene Rolle als intriganter – und später käuflicher – Staatssekretär Bellini, äußert sich allerdings später recht abfällig über diese erste italienisch-französische Co-Produktion, in der er mitspielte. Die Musik zu „Mit Damenbedienung“ stammt größtenteils von Coriolano (Lallo) Gori, begleitet von Nini Rosso auf der Trompete. Auch der damals gerade aktuelle Schlager „Quando, quando, quando“ ist zu hören, welcher 1962 auf dem San Remo-Festival ausgezeichnet wurde und meistverkaufte Single des Jahres war.

     

    Lucio Fulcis „Le massagiatrici“ ist eine äußerst sehenswerte Komödie, und ich stelle gerade fest, dass mein völlig unkomischer Text diesem Kleinod so gar nicht gerecht wird. Es bleibt zu hoffen, dass die optisch wirklich gut erhaltene und deutschsprachige Kopie, die auf dem 5. Terza Visione zu sehen war, von irgendeinem mutigen Hersteller abgetastet wird. Es wäre mehr als schade, wenn diese gelungene und nur sehr selten gezeigte Komödie schließlich verloren ginge.

  • Autor: Gerald Kuklinski
  • Links

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